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Plagiat: Bei einer Doktorarbeit wird die TU Dresden von ihrer Vergangenheit eingeholt

Umgang mit Promotionen Plagiat: Bei einer Doktorarbeit wird die TU Dresden von ihrer Vergangenheit eingeholt

Zunächst ging es nur um die fragwürdige Doktorarbeit eines niedersächsischen Managers. Doch jetzt entwicklet sich die Plagiats-Geschichte um eine Promotion zum Problem für die TU Dresden – sie wird von ihrer Vergangenheit eingeholt.


Quelle: dpa

Dresden. Seit Anfang des Jahres wird der Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Hannover, Andreas Schubert, auf der Internetplattform Vroniplag Wiki mit Plagiatsvorwürfen gegen seine Doktorarbeit unter Beschuss genommen. Der Tipp kam von Insidern des katholischen Sozialwerks, die dem Chef nicht wohlgesonnen sind. Bislang sind auf 76 von 185 Seiten Auffälligkeiten nachgewiesen. Die Vorwürfe stützen sich auf die von Schubert selbst bei der Deutschen Nationalbibliothek hinterlegte Dissertation aus dem Jahre 2009. Auf ihrem Deckblatt bezieht diese sich auf die Comenius Universität in Bratislava (Slowakei) und die Technische Universität Dresden/Akademisches Europa-Seminar. Jetzt verlangt die TUD von Schubert die „Unterlassung jeglicher Handlungen, die das Werk mit der TU Dresden in Verbindung bringen.“ Der Autor soll eine solche rechtsverbindliche Erklärung unterschreiben. Aber das ist bislang nur ein Wunsch, der möglichst ohne Gericht, also ohne größeres Aufsehen in Erfüllung gehen soll. Der Gegenanwalt zögert. Die Sache erscheint durchaus verzwickt. Denn auch andere Autoren haben ihre veröffentlichte Doktorarbeit an osteuropäischen Unis zusätzlich mit dem Namen der TUD geschmückt, so ein zeitweilig prominenter Politiker aus Brandenburg seine Comenius-Dissertation 2007 oder auch ein heutiger Fachhochschul-Professor seine Promotionsschrift an der Uni Ostrava in Tschechien 2005. Dagegen hat sich die TUD nicht gewehrt.

Tatsächlich haben Schubert und Dutzende andere ein berufsbegleitendes Doktoratsstudium beim „Akademischen Europa-Seminar“ (AES) an der Dresdner Uni durchlaufen, etwa mit guten Ratschlägen für die Themenwahl und wissenschaftliches Schreiben. Die amtlichen Prüfungen fanden dann an der ausländischen Partnerhochschule statt. Damals konnte der AES-Leiter unwidersprochen sagen: „Wo TUD ,drauf steht´, muss auch die Qualität der Wissenschaftlichen Hochschule ,drin sein`. Mit unserem berufsbegleitenden Seminar haben wir in Dresden das Zentrum traditionsreicher Universitäten gestaltet, aus dem wir nachhaltigen Mehrwert für unsere Uni und unsere Weiterbildungskunden schöpfen wollen.“

Doch im Herbst 2010 wurde die Sache der Uni zu heiß. „Bis Ende des Jahres muss mit der entgeltlichen Doktorandenbetreuung unter unserem Namen Schluss sein“, sagte der Uni-Sprecher . Die TUD fürchtete, in den bösen Anschein eines Titelhandels zu geraten. Immerhin mussten die Kunden für die Betreuung pro Kopf mehr als 20 000 Euro zahlen, von denen 10 000 als Studiengebühren an die promovierende Comenius-Uni flossen. Vom Rest profitierten nicht zuletzt Dozenten der TUD und anderer deutscher Hochschulen „in Nebentätigkeit“ . Dass die Uni heute von ihrer Verwicklung in die konkreten Plagiatsvorwürfe lieber nichts wissen will, ist nachvollziehbar – aber ebenso, dass sich Doktoranden öffentlich auf ihre unbestreitbare wissenschaftliche Betreuung an der TUD berufen.

Derweil zeigen sich die wahren „Opfer“ der Plagiatsaffäre eher gleichgültig: Gegen verletzte Urheberrechte zivil- und strafrechtlich vorzugehen, erscheint beklauten Autoren bei stichprobenartigen Nachfragen einfach zu aufwändig – auch einem Berliner Universitätsprofessor, der von Amts wegen doch um saubere wissenschaftliche Praxis besorgt sein sollte. Indes hat Anfang Mai ein Hannoveraner Bürger gegen Schubert Strafanzeige wegen Plagiats erstattet, „in öffentlichem Interesse“. Es bleibt abzuwarten, ob das auch der Staatsanwalt so sieht - oder nur einen privaten Racheakt, um einen ungeliebten Chef als wissenschaftlichen Hochstapler bloßzustellen.

Von Hermann Horstkotte

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