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Plätze für minderjährige Flüchtlinge in Dresden sind ausgeschöpft

Weitere Quartiere nötig Plätze für minderjährige Flüchtlinge in Dresden sind ausgeschöpft

Die Kapazitäten für die Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen in Dresden sind derzeit komplett ausgeschöpft. "Wir sind voll", sagte der Leiter des Jugendamtes, Claus Lippmann, gestern Abend auf der Sitzung des Jugendhilfeausschusses.

Quelle: dpa

Dresden. Die Kapazitäten für die Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen in Dresden sind derzeit komplett ausgeschöpft. "Wir sind voll", sagte der Leiter des Jugendamtes, Claus Lippmann, gestern Abend auf der Sitzung des Jugendhilfeausschusses.

Afghanistan und Syrien liegen vorne

Seit November 2015 werden minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung von Erwachsenen nach Deutschland kommen, nach dem gleichen Schlüssel verteilt wie die erwachsenen Flüchtlinge. Zuvor mussten die Minderjährigen von der Stadt betreut werden, wo sie sich zuerst gemeldet hatten. Das waren vor allem München, Frankfurt oder Hamburg - also Städte mit großen Flughäfen. Nun müssen sich alle Bundesländer die kostenaufwendige Betreuung der jungen Ausländer teilen. Dadurch steigen die Zahlen der von Sachsen und Dresden zu betreuenden Kinder und Jugendlichen immer weiter an.

Nach Lippmanns Angaben werden in Dresden mit Stand 6. Januar 252 junge Flüchtlinge betreut. Laut Verteilungsschlüssel müsste die Stadt sogar 258 aufnehmen. Aufgrund der fehlenden Unterbringungskapazitäten hat die Stadt das Land gebeten, zunächst von weiteren Zuweisungen abzusehen. Es wird jedoch mit weiteren Jugendlichen gerechnet, heute wahrscheinlich schon mit vier und nächste Woche vermutlich mit 22 weiteren Personen.

Die jungen Menschen kommen vor allem aus Afghanistan (152) und Syrien (125 Personen). Die meisten sind männlich und geben ihr Alter mit 16 bis 18 Jahren an. In dieser Altersspanne liegen derzeit 186 Flüchtlinge, 112 sind 14 bis unter 16 Jahre alt. Lediglich sieben sind Kinder im Alter zwischen neun und bis zwölf Jahren, so die Bilanz des Jugendamtes.

Bis Ende Juni soll es 422 Plätze geben

Lippmann hofft, dass die Kapazitäten bis zum Ende des ersten Quartals auf 382 Plätze steigen und bis Ende Juni 422 Plätze zur Verfügung stehen. Er appellierte dabei an freie Träger der Jugendhilfe, weitere Plätze zur Verfügung zu stellen. Das Land hatte dazu bereits im September die Vorschriften gelockert und beispielsweise bauliche Vorgaben für die Einrichtungen gesenkt.

Noch keine Jugendlichen bei Dresdner Gastfamilien

Im Jugendhilfeausschuss wurde jedoch aus dem Kreis der Träger Kritik laut, dass es noch Wochen dauern könne, bis Fördermittelbescheide vom Land vorliegen und damit weitere Kapazitäten möglich werden. Den größten Anteil an Unterkünften stellen derzeit Jugendherbergen mit 112 Plätzen. 56 gibt es bei freien Trägern. Bei Dresdner Gastfamilien sind bislang noch keine Jugendlichen untergebracht. Interessenten dafür gibt es, derzeit laufen aber noch Vorbereitungen.

Für die Kosten der Betreuung der unbegleiteten Minderjährigen soll das Land aufkommen. Allein seit September 2015 seien bei der Stadtverwaltung Kosten in Höhe von drei Millionen Euro aufgelaufen. Bislang habe der Freistaat Sachsen jedoch noch nichts erstattet. "Das belastet natürlich den städtischen Haushalt", erklärte der Jugendamtsleiter.

Die ausländischen Jugendlichen gelten nicht als Asylbewerber und können deshalb auch nicht abgeschoben werden. Erst ab einem Alter von 18 Jahren kommt für sie ein Asylantrag in Frage. Sie unterliegen allerdings der Schulpflicht. Dabei sind natürlich Sprachbarrieren zu bewältigen. Lippmann äußerte Zweifel, "dass das Regelschulsystem diese Herausforderung bewältigen kann".

Dem Jugendamtsleiter zufolge sind im Freistaat derzeit 1965 minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Nach dem gängigen Verteilschlüssel müsste das Land aber 3382 Jugendliche aufnehmen. Die Zahl ergibt sich aus den täglich von den Jugendämtern deutschlandweit zu meldenden Zahlen über eingetroffene Personen. Daraus werden dann die Verteilung und die Aufnahmezahl berechnet. Im Januar haben die Ämter aktuell 66 300 minderjährige Ausländer in ganz Deutschland gemeldet.

Ingolf Pleil

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