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Pilotprojekt in Dresden - Flüchtlinge in der Wissenschaft

Integration Pilotprojekt in Dresden - Flüchtlinge in der Wissenschaft

Mit einer eingerichteten „Task Force Integration“ soll Flüchtlingen durch ein dreimonatiges Praktikum, eine Ausbildung oder eine befristete Stelle der Schritt in die Arbeitswelt erleichtert werden. Das Pilotprojekt läuft seit Februar 2016 in Dresden.

Die Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut, Abdl Rahman Ismail (l) und Frieder Z. beraten sich in Dresden bei gemeinsamen Arbeiten. In ihrer Heimat waren sie Ingenieure oder Techniker, bis der Krieg sie zur Flucht zwang.

Quelle: Jens Kalaene

Dresden. Abdl Rahman Ismail, 44 Jahre alt, hat lange auf seine Chance gewartet. Vor einem Jahr flüchtete der Syrer vor dem Krieg in seiner Heimat nach Deutschland. Über eine Willkommensinitiative erfuhr der Maschinenbau-Ingenieur vom Sonderprogramm „Integration“ am Dresdner Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS. Er bewarb sich kurzerhand für ein Praktikum - und hat nun einen Job in der Tasche: eine halbe Stelle, befristet für ein Jahr. „Die Arbeit hier ist ein ganz wichtiger Schritt für mich“, sagt er. Bei den Kollegen ist er wegen seiner praktischen Fähigkeiten ein gefragter Mann - beim Schweißen oder für Versuchsaufbauten.

Im September 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, stand für IWS-Institutsleiter Eckhard Beyer schnell fest: „Wir müssen etwas tun, weil auch viele Wissenschaftler und Uniabsolventen kommen.“ Er sprach mit seinen Mitarbeitern, anderen Fraunhofer-Instituten und der Zentrale in München. Eine „Task Force Integration“ wurde dort eingerichtet, um Flüchtlingen durch ein dreimonatiges Praktikum, eine Ausbildung oder eine befristete Stelle den Schritt in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Auch Wissenschaftsorganisationen wie Helmholtz, Leibniz oder die Max-Planck-Gesellschaft sind mit im Boot. Das Pilotprojekt läuft seit Februar 2016 in Dresden.

Mit Hilfe von Stadt, Ausländerrat und Willkommensinitiativen organisierte das IWS zu Beginn des Jahres eine Informationsveranstaltung. „Mehr als 100 Leute waren da, das war der Startschuss“, so Beyer. 16 Praktikumsplätze wurden seither an anerkannte Flüchtlinge in sächsischen Fraunhofer-Einrichtungen vergeben, die meisten kommen aus Syrien. Nach drei Monaten Praktikum wird entschieden, wie es weitergeht. Fünf Wissenschaftler hat das Institut befristet übernommen.

„Wir wollen und können nicht alle auf Dauer anstellen, aber wenn sie ein Praktikumszeugnis von uns bekommen, haben sie es später leichter, einen Job zu finden“, sagt Beyer. Die Vorstellungsgespräche führt der Professor selbst. „Einige waren so glücklich, dass sie Tränen in den Augen hatten.“

Frau Bobaky, die ihren Vornamen nicht nennen möchte, hat durch das Praktikum am Fraunhofer-Institut neue Freunde gefunden. Der Umgang mit dem Chef und den Kollegen sei viel lockerer, als sie es aus ihrer Heimat Syrien kenne, sagt die 39-Jährige. Dort arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität in Aleppo, bevor sie mit ihrem Mann und den drei Kindern flüchtete. Die Maschinenbau-Ingenieurin ist froh über die Chance am IWS Dresden: „Für mich eine gute Gelegenheit, um die Sprache richtig zu lernen und vor allem das Arbeitsklima in Deutschland kennenzulernen.“ Sie sei jetzt so sicher, dass sie sich zutraue, auch einen anderen Job anzunehmen. „Wir planen, in Deutschland zu bleiben.“

Am Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik kümmert sich eine Koordinatorin um das Integrationsprogramm, hilft den Flüchtlingen bei ihrem Start. In den Projektgruppen stehen den Neuankömmlingen Paten zur Seite. Sie arbeiten im Labor, helfen bei Versuchsaufbauten oder machen Recherche. „Der Betreuungsaufwand ist vor allem zu Beginn recht groß“, erzählt Beyer. Gesucht werden vor allem Elektronikingenieure, Maschinenbauer und Informatiker - letztlich zählt aber die Begeisterung für Technik. Auch wenn die Abschlüsse der Wissenschaftler meist nicht mit den deutschen vergleichbar seien, seien die meisten sehr wissbegierig, sagt Beyer.

Die oft fehlende Qualifikation sowie Sprachbarrieren sind die größten Hürden für Flüchtlinge, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, so die Vizechefin der Landesarbeitsagentur, Regine Schmalhorst. Und wenn ein Abschluss vorliegt, muss der erst einmal anerkannt werden. „Schon da gibt es Schwierigkeiten.“ Die Landesarbeitsagentur fördert über ein Sonderprogramm unter anderem Sprachkurse und eine Art Grundqualifizierung. Von den rund 5900 in Sachsen arbeitslos gemeldeten Flüchtlingen sind über die Hälfte (3200) als Helfer registriert.

Noch bis 2018 läuft das Programm zur Integration von Flüchtlingen. Derzeit finanziert die Fraunhofer-Gesellschaft es noch aus eigenen Mitteln, beim Freistaat hat sie eine Förderung von rund zwei Millionen Euro beantragt. Nach Angaben der Fraunhofer-Zentrale in München gibt es auch in Rheinland-Pfalz ein Projekt für Flüchtlinge, Diskussionen laufen auch mit Fraunhofer-Einrichtungen in Bayern und Baden-Württemberg.

Institutsleiter Eckhard Beyer rät seinen Kollegen zu. Aus den Projektgruppen gibt es viel positives Feedback - auf beiden Seiten. Beyer ist sich sicher: „Ohne Arbeit ist Integration nicht möglich.“

Von dpa

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