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Pilotprojekt "Early Intervention": Chance auf Arbeit für Flüchtlinge

Pilotprojekt "Early Intervention": Chance auf Arbeit für Flüchtlinge

Andreas Babuke spricht nicht nur prima Deutsch, sondern auch Englisch, etwas Spanisch und Französisch. Und er übt gerade Arabisch. Die Begrüßung bekommt er schon fehlerfrei hin.

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Gerade wurde seine Stelle um ein Jahr verlängert: Andreas Babuke ist Integrationsberater bei der Dresdner Agentur für Arbeit und mit ganzem Herzen bei der Sache.

Quelle: Anja Schneider

Der blonde 32-Jährige hat seit April vorigen Jahres als Integrationsberater einen Job, der im Osten bis September 2014 seinesgleichen suchte. So lange war die Dresdner Agentur für Arbeit die einzige in den neuen Ländern, die an dem bundesweiten Pilotprojekt "Early Intervention" teilnahm. Inzwischen kam Berlin als siebenter Testläufer hinzu. Ziel des Programms: Qualifizierte Asylsuchende herausfiltern und für den Arbeitsmarkt fit machen. Und zwar - das ist neu - noch vor einer Anerkennung als politische Flüchtlinge.

Englisch, Urdu, Arabisch

Early Intervention wendet sich also an jene, "die eine recht sichere Perspektive haben, in Deutschland bleiben zu können, die schon ein bisschen Deutsch können und die eine Ausbildung haben", sagt Andreas Babuke. Seine Kunden kommen aus Iran, Irak, Syrien Afghanistan, Sri Lanka, Eritrea, Pakistan und Somalia. "Englisch geht oft", sagt der agile Mann, doch meistens geht es natürlich nicht ohne einen Dolmetscher. Am häufigsten braucht er zurzeit Arabisch-Dolmetscher, doch auch Urdu, das spricht man in Pakistan, und Persisch sind gut vertreten.

Listen aus Chemnitz

Jede Woche bekommt Andreas Babuke von der sächsischen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Chemnitz eine Liste mit im Schnitt zehn Namen. Doch dass die Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) tatsächlich abschätzen können, ob ein Neuankömmling Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt hat, gehört ins Reich der Wünsche. Das muss Andreas Babuke in einem ersten Gespräch herausfinden. An dessen Ende hat er ein Formular vollgeschrieben, das zu den Stammdaten den Bildungsweg ebenso erfasst wie Berufserfahrungen und Sprachkenntnisse. Daraus ergeben sich die empfohlenen Maßnahmen. In der Regel sind das zunächst Sprachkurse. "Kein Arbeitgeber hier stellt jemanden ein, wenn er sich nicht mit ihm verständigen kann", sagt der Integrationsberater.

Rund 65 Menschen, zur Hälfte Syrer, hat er inzwischen in seinem Programm, unzähligen mehr hat er zuvor auf den Zahn gefühlt. "Da war die ganze Bandbreite bei: Vom Analphabeten über Abiturienten, Studenten, Akademiker bis zum Handwerker", berichtet er.

"Die meisten könnten Fachkräfte sein"

Zuweilen aber wird's richtig schwer. Zum Beispiel bei Zentralafrikanern, die stolz sind auf eine fünfjährige Schulbildung. "Die haben keinen Beruf nach deutschen Standards gelernt, und es ist auch irre schwer, ihnen über einen Dolmetscher die hiesigen Strukturen auch nur ansatzweise zu erklären", sagt Babuke. "Sie verstehen nicht, warum ihre jahrelange Arbeit beim Handwerker graderüber nicht ausreichen soll, um hier das Gleiche zu machen." Doch auch ihnen gibt er eine Chance - denn: "Die meisten können Fachkräfte sein". Die wenigen, die mit Unterlagen über ihre Ausbildung kommen, schickt er zur Anerkennungsberatung in die Yenidze zu "IBAS". Dort sitzen Profis, die herausfiltern, was ein Abschluss in Deutschland wert ist und welche Stellen man anlaufen muss, um entsprechende Dokumente in die Hand zu bekommen.

Brachliegende Potenziale heben

Drei Asylsuchenden - aus dem Irak, aus Pakistan und aus Tunesien - hat er inzwischen einen Job vermitteln können. Allerdings waren das Männer, die schon länger in Dresden sind, Deutsch können und einen Beruf bzw. ein abgeschlossenes Studium haben. Auf solche Leute, die schon länger hier sind und auf einen Eingliederungstitel warten, macht ihn sein Netzwerk aufmerksam - Sprachschulen, Bildungsträger, Ausländervereine, Migrantenorganisationen. "Menschen, auf die ich über diesen Weg treffe, dürfen auch mitmachen", erklärt Andreas Babuke, schließlich gehe es darum, brachliegende Potenziale für den Arbeitsmarkt zu heben.

Ich leiste hier Grundlagenarbeit

Babukes Projektteilnehmer haben oft schwere Schicksale hinter sich. "Sie sind trotzdem unheimlich engagiert, sie freuen sich auf Deutschland und sie sind auch dankbar für das, was wir ihnen bieten. Natürlich sind sie auch enttäuscht, wenn sie erleben, dass die Hürden manchmal größer sind, als sie gedacht haben", schätzt er ein. Und findet seinen Job trotzdem toll: "Ich tue etwas Sinnvolles, lerne viel Neues und leiste hier Grundlagenarbeit". Der studierte Erziehungswissenschaftler hofft, dass das Programm bald den Projektstatus verlässt und Alltag in deutschen Arbeitsagenturen wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2015

Barbara Stock

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