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Pieschener Handwerker bangen um ihre Betriebe - Wohnungsbau verdrängt Werkstätten

Pieschener Handwerker bangen um ihre Betriebe - Wohnungsbau verdrängt Werkstätten

Der Gewerbehof in der Böcklinstraße 5 in Pieschen beherbergt eine Schlosserei, einen Dachdecker, einen Containerdienst, einen Fliesenleger, einen Steinmetz. 80 Mitarbeiter haben die Handwerkerbetriebe auf dem Gelände des früheren VEB Harzleim.

"Jetzt fürchten wir, dass wir von hier vertrieben werden sollen", sagt Falko Tischendorf, Inhaber einer Bauschlosserei.

Im Umfeld des Gewerbehofes entstehen Wohnungen. "Wir werden als störend empfunden", bezieht sich Tischendorf auf Informationen aus dem städtischen Umweltamt und dem Amt für Wirtschaftsförderung. Ein Planungsbüro wurde bereits mit einem Schalltechnischen Gutachten beauftragt. "Es werden Wohnungen gebaut, den Mietern wird eine ruhige Wohnlage versprochen und da sind wir natürlich nicht gerne gesehen", so Tischendorf.

Über kurz oder lang, so vermutet er, werden die Handwerker das Viertel verlassen müssen. "Wir haben die Werkstätten von einer Erbengemeinschaft gemietet. Wenn der Vermieter auf seinem Eigentum auch Wohnungen bauen will, ist das sein gutes Recht", so der Handwerker. Was passiert dann? "Wenn es nach der Stadt geht, werden wir an den Stadtrand verbannt. Dann haben unsere Mitarbeiter und Kunden lange Anfahrtswege. Ist das im Sinne der Umwelt?"

Handwerker hätten in der Stadt keine Lobby, bedauert Tischendorf. Es werde immer nur vom Wissenschaftsstandort Dresden gesprochen. "Dabei entsteht in unseren Betrieben und im verarbeitenden Gewerbe das Produkt." Erst, wenn es eines Tages keine Leuchttürme mehr in der Stadt gebe, werde man die kleinen Betriebe wieder an der Mole erkennen, so der Handwerker.

"Die Stadt braucht ein Konzept, wie sie mit uns umgehen will", fordert er. Pieschen sei kein Einzelfall, auch in Laubegast, Striesen oder Niedersedlitz würden die Handwerksbetriebe aus den Wohngebieten verdrängt. "Wir brauchen bezahlbare Ausgleichsobjekte in unserem Umfeld", meint der 49-Jährige, der dezent darauf verweist, dass er aufgrund seines Alters Probleme bekommen könnte, bei einem Umzug einen Kredit bewilligt zu bekommen. Die Stadt sollte nicht nur Flächen für hochinnovative Firmenneugründungen bereitstellen, sondern auch für Handwerksbetriebe. "Städtische Handwerkerhöfe könnten aus meiner Sicht eine Lösung sein", erklärte der 49-Jährige.

Er hat sich mit einem Brief an fünf Oberbürgermeisterkandidaten gewandt, aber bisher nur eine Antwort erhalten. SPD-Stadtratsfraktions-Geschäftsführer Thomas Blümel habe ihm angeboten, das Problem vor Ort zu besprechen. "Mehr Reaktionen gab es bis jetzt nicht."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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