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Pfusch im Dresdner Mockritzbad? Enkel des Badbegründers macht Sanierungsarbeiten verantwortlich für Algenplage

Pfusch im Dresdner Mockritzbad? Enkel des Badbegründers macht Sanierungsarbeiten verantwortlich für Algenplage

"Kinder hört auf, mit den Algen zu werfen, wir sind froh, dass wir sie raus haben", tönt es durch die Lautsprecheranlage des Naturbads Mockritz.

Seit einigen Tagen kämpft das beliebte Freibad mit einer wahren Algenplage, schubkarrenweise werden die glitschigen Pflanzen aus dem Teich geholt.

"Es gab schon immer Algen im Mockritzer Bad, aber so viele waren es noch nie", erklärt Matthias Hegewald. Der 59-Jährige ist einer der fünf verbliebenen Enkel von Moritz Hegewald, der 1925 das Familienbad eröffnete. Eine Erklärung für diese Algenplage hat Hegewald auch parat: "Der Sportstätten- und Bäderbetrieb hat während der Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr irgendeinen Fehler beim Neubau des Kneipp-Beckens gemacht", berichtet der Dresdner. Damals wurde das alte Kneipp-Becken zugeschüttet und ein neues gebaut. "Der Bauzustand des ursprünglichen Kneipp-Beckens, der sogenannten 'Kalten Quelle' und der vorhandenen Verrohrung war in einem so maroden Zustand, dass eine Sanierung erforderlich war", erklärt Stadtsprecher Kai Schulz. Insgesamt investierte die Stadt für den Neubau des Beckens und der Errichtung einer Kleinkinder-Badelandschaft knapp eine Million Euro.

Die kalte Quelle, die schon seit Jahrzehnten das Bad mit Wasser speist, kommt aus dem Osterzgebirge und hat ganzjährig eine Temperatur von acht Grad plus. "Mein Großvater hat sie während der Errichtung des Bades vor knapp 90 Jahren freischießen lassen, damit das Wasser in das Naturbad fließt", berichtet Matthias Hegewald. Seitdem versorgt die Quelle das Naturbad mit ausreichend klarem Wasser. "Nährstoffe, die Algen zum Wachstum brauchen, sind durch diese Quelle nie gekommen", erklärt Hegewald. Außerdem war die Wasserabgabe dieser Quelle schon immer so groß, dass bei entsprechendem Abfluss, die Wassermenge des Bades in wenigen Tagen rundum erneuert war. "Es herrschte immer eine gute Zirkulation", fügt der gelernte Elektriker hinzu - und das, obwohl das Bad damals noch eine Wasserfläche von 30 000 Quadratmetern umfasste und einen Wasserinhalt von 45 000 Kubikmeter hatte.

Heute hat das Bad nur noch eine Wasserfläche von 2700 Quadratmetern. Sprich: das Mockritzbad ist in den vergangenen 80 Jahren um 90 Prozent geschrumpft. "Das hat schon in der DDR begonnen, als die beiden kleineren Teiche zugeschüttet wurden. Im Laufe der Jahre ließ die Stadt dann auch den großen Teich immer weiter verkleinern. Früher gab es hier mal eine kleine Insel. Die ist mittlerweile komplett verschwunden", erklärt Hegewald. Doch neben der nutzbaren Badefläche sind auch das einstige Restaurant, der Sprungturm, die Schwebebahn, der Sportplatz und vieles mehr verschwunden. "Mein Großvater hatte hier etwas einzigartiges geschaffen. Teilweise waren bis zu 10 000 Besucher an einem Tag da", berichtet der Enkel.

Um so mehr ist der 59-Jährige enttäuscht und empört, dass die Stadt nun seiner Ansicht nach einen weiteren Fehler gemacht hat. "Es ist ja nicht nur diese Algenplage", berichtet Hegewald. Rund um das neue Kneipp-Becken ist die anliegende Wiese schlammig, rutschig und vollgesogen mit Wasser. "Ist ja auch klar. Die kalte Quelle bringt sehr viel Nass mit sich. Nur sind jetzt anscheinend die neuen Rohre viel zu eng, es kann nicht genug Wasser in das Becken abfließen und somit staut es sich unterhalb der Wiese. Da kann die Stadt abpumpen wie sie will, die Fläche werden sie nie wieder trocken bekommen", erklärt Hegewald. Kai Schulz dagegen erklärt sich den schlammigen Zustand durch die zahlreichen Quellen rund um das Gewässer "Tiefer Börner", welches seit der Sanierung im vergangenen Jahr ebenfalls das Freibad mit Frischwasser speist. "Erhöhte Grundwasserstände aufgrund von Starkregen führen dazu, dass der Untergrund feuchter wird und das Wasser sogar aus dem Boden austritt", so der Stadtsprecher Schulz. Matthias Hegewald hält diese Erklärung allerdings für unglaubwürdig: "Schon zu der Eröffnung im vergangenen Jahr war das Areal um das neue Kneipp-Becken durchnässt und schlammig und so ist es bis heute geblieben."

Auch Rosemarie Packmohr, ebenfalls eine Enkelin von Moritz Hegewald, ist die Algenplage ein Dorn im Auge. "Ich bin in diesem Bad groß geworden. Aber so was habe ich noch nie erlebt", erzählt die Rentnerin. Ob nun ein Fehler bei den Sanierungsarbeiten gemacht wurde, ist nach wie vor unklar. Fest steht allerdings, dass das Bad mit den Algen und dem durchnässten Bereich erst seit den Sanierungsarbeiten zu kämpfen hat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2013

Nadine Steinmann

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