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"Pegida raus aus Dresdner Innenstadt" - Offener Brief vom Café Aha an Hilbert

Pegida "Pegida raus aus Dresdner Innenstadt" - Offener Brief vom Café Aha an Hilbert

In einem offenen Brief appelliert Claudia Greifenhahn vom Café Aha an Oberbürgermeister Dirk Hilbert dem fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis nicht mehr so viel öffentlichen Raum einzuräumen.

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Quelle: dpa

Dresden. In einem offenen Brief appelliert Claudia Greifenhahn vom Café Aha an Oberbürgermeister Dirk Hilbert dem fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis nicht mehr so viel öffentlichen Raum einzuräumen. Warum darf "dieses Aufputschen von Menschen in der kulturvollen Innenstadt von Dresden stattfinden, seit bereits einem ganzen Jahr? Warum muss „das andere Volk“ montags die Innenstadt meiden? Warum muss ich meine Dienstpläne nach Menschen planen, die so gar nicht meine Meinung vertreten? Warum dürfen diese Menschen, die glauben, Recht zu haben, durch die Innenstadt „spazieren“?", fragt sie. Greifenhahn fragt, ob man Pegida nicht an einen weniger sensiblen und wichtigen Orte beauflagen könne. "Ist es wirklich unmöglich für die Stadt, die Route zu verändern und das Podium für diese menschen- und ausländerfeindliche Propaganda weniger öffentlich zu machen?" Da Hilbert auf ihren Brief, den sie bereits vor zwei Wochen abgeschickt hat, nicht reagiert hat, veröffentlichte sie ihn nun auf ihrer Facebookseite, erzählt sie im DNN-Gespräch. Angst vor Anfeindungen nach ihrem Brief oder diesem Artikel habe sie nicht. "Wir stehen zu unserer Haltung", versichert sie. Stadtsprecher Kai Schulz konnte am Sonntag keine Aussage dazu treffen, ob der Brief bei Dirk Hilbert eingegangen ist und warum es bislang keine Reaktion darauf gab. Schulz wies aber daraufhin, dass "Pegida bereits in den letzten Wochen nur am Rande der Innenstadt ihre Demonstrationsroute bestritt". 

Kultur-und Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) berichtet auf DNN-Anfrage, dass sie wöchentlich mehrere Brief von Touristen bekomme, die Kritik an der Stadtverwaltung üben. Kritisiert werde, dass Pegida in der Innenstadt sehr präsent sei. Die Bürgermeisterriege nehme die Angelegenheit sehr ernst und befinde sich im intensiven Gespräch dazu, so Klepsch. Grünen-Sprecherin Susanne Krause appelliert an die Stadtverwaltung, sich an Leipzig ein Beispiel zu nehmen. In der Messestadt darf Legida vor Weihnachten nicht mehr in der Innenstadt demonstrieren. Das hatte das Verwaltungsgericht entschieden.

Rückenwind für Claudia Greifenhahn kommt von der SPD-Landtagsfraktion. "Dieser Brief drückt aus, was viele Dresdner zur Zeit empfinden. Ihr Blick auf die Montage und was die mit unserer Stadt machen. Es geht nicht darum, für oder gegen das Recht auf Versammlungsfreiheit zu sein. Ich verstehe den Brief als Appell an Herrn Hilbert, endlich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln des Versammlungsrechts den Ruf unserer Stadt zu retten", so Albrecht Pallas, SPD-Abgeordneter.

"Es ist ein Brief, der eine ehrliche Antwort verdient. Natürlich sind die ordnungsrechtlichen Möglichkeiten der Stadt noch nicht ausgeschöpft. Andererseits wird gegen den Rechtspopulismus von Pegida ein geschickteres Verwaltungshandeln nicht ausreichen. Es genügt nicht, sich zu beschweren, jeder ist gefordert, Position zu beziehen", so Jens Matthis, Dresdner Linken-Vorsitzender.

"Seit 12 Monaten erlebe ich Montag für Montag die Aufmärsche derjenigen, die glauben, „das Volk“ zu sein und festlegen zu dürfen, was richtig und falsch ist für das Land, in dem auch ich lebe. Montag für Montag bin ich gezwungen, diesen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, ohne von ihnen für meine Meinung und meine Einstellung akzeptiert zu werden. Montag für Montag wird die Innenstadt für den Straßenbahnverkehr gesperrt, werden meine Mitarbeiter_innen daran gehindert, nach Hause zu kommen, müssen wir uns in unseren Läden und im Restaurant Fragen stellen lassen, warum es in Dresden möglich ist, ungehindert an zentralen Orten zu hetzen, aufzuwiegeln und zu polemisieren", schreibt Greifenhahn.
Jeden Montag achte sie darauf, dass weder ihr syrischer Mitarbeiter arbeiten muss noch diejenigen Kollegen, die nach dem Dienst mit der Straßenbahn nach Hause müssen. Claudia Greifenhahn betont, dass sie ein demokratisch eingestellter Mensch ist und sie Meinungsfreiheit sowie das Recht auf Demonstrationen als wichtige Pfeiler erachtet. Deshalb habe sie anfangs versucht zu verstehen, was die Menschen auf die Straße treibt.

Eindrücke der beiden Demos vom 30.11. in Dresden.

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Montag für Montag müsse sie erleben, von den Pegida-Teilnehmern als „Zecke“, „Gutmensch“ und „verblendete Bunte“ bezeichnet zu werden. Sie beteilige sich bewusst nicht an den Gegendemonstrationen gegen Pegida, sondern setze auf eine friedliche Auseinandersetzung. Auch sie könne manche politische Entscheidungen nicht nachvollziehen und wünschte sich manche Veränderungen, vor allem auf bürokratischer Ebene. Das sei aber kein Grund, die Schwächsten unter "uns auszugrenzen – sondern es ist für mich im Gegenteil Ansporn, auf sie zuzugehen, sie kennenzulernen und auch darüber zu erzählen, wie wir hier leben", schreibt Greifenhahn.
"Bestimmt sind nicht alle montäglichen Demonstrationsbesucher gewaltbereite und verblendete Menschen. Aber sie lassen sich Montag für Montag vergiften und die giftige Saat geht auf – Asylunterkünfte brennen, Menschen werden niedergeschlagen, Politiker und Andersdenkende und deren Familien bedroht." Sie bittet Hilbert nun inständig darum, tätig zu werden. "Nicht zu verbieten, aber umzulenken. Die Stadt wieder dem verbindenden und nachdenklichen Volk zurück zu geben, das nicht auf Konfrontation sondern auf Kommunikation ausgerichtet ist. Dem neugierigen und weltoffenen Volk, das vielleicht auch Ängste hat, mit diesen aber umzugehen lernt. Wir sind so viele, aber wir sind sprach- und fassungslos angesichts dieser großen dunklen Montagsmenge, die vielleicht nicht Dresden, aber sehr wohl einen Teil Sachsens widerspiegelt."

jv

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