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Pegida als Forschungsobjekt - Forscher zählen 18.400 Teilnehmer in Dresden

Pegida als Forschungsobjekt - Forscher zählen 18.400 Teilnehmer in Dresden

Marieke Prey und Yannik Markof laufen durch die Reihen der Demonstranten. Es ist dunkel. Es ist laut. "Wir sind das Volk!" brüllt die Masse. "Darf ich ihnen ein paar Fragen stellen?", fragt Marieke Prey einen Pegida-Unterstützer mit Deutschlandflagge.

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Marieke Prey und Yannik Markof von der Humboldt-Universität befragten gestern Pegida-Demonstranten.

Quelle: Hauke Heuer

Der schüttelt den Kopf und geht weiter. Beim nächsten Versuch hat sie mehr Glück. Eine Frau mit Kinderwagen antwortet bereitwillig und diktiert der jungen Soziologiestudentin von der Humboldt-Universität Berlin ihre Meinung in den Block.

"Wir machen das hier nicht aus Spaß. Es geht darum, eine Umfrage unter den Pegida-Demonstranten durchzuführen und die Bewegung zu erforschen", erklärt ihr Kommilitone Yannik Markof. Dies sei ein wichtiges Anliegen, denn Pegida prägt und wird auch in Zukunft die politische Debatte in Deutschland prägen, so der Student.

Professor Dieter Rucht, Vorstandsvorsitzender des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung, der die Umfrage durchführt, gilt als Deutschlands führender Experte in seinem Bereich und lehrte vor seiner Emeritierung in München, Berlin, Harvard und Paris. Er sagt: "Diese Erhebungen sind unglaublich wichtig. Bisher gibt es nur Studien zum Thema, die einen Blick auf die Gesamtbevölkerung werfen. Über Pegida an sich gibt es noch keine Forschung".

Rucht hat vor wenigen Tagen 35 Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter von verschiedenen Berliner Universitäten und der TU-Chemnitz für die Erhebung zusammengetrommelt. So viele Leute braucht es, denn es werden eine Menge Daten erfasst. Ein Teil der Wissenschaftler zählt die Demonstration, indem die Personenanzahl in einzelnen Reihen geschätzt und hochgerechnet wird. Rund 18400 Teilnehmer sollen laut Forschungsteam am Montag bei Pegida dabei gewesen sein. Andere notieren die Publikumsreaktion, die Inhalte der Reden und verteilter Flugblätter, aber auch der Umgang der Polizei mit den Pegida-Demonstranten wird beobachtet.

Die parallel durchgeführte Umfrage soll klären, wer da eigentlich auf der Straße steht. Abgefragt werden etwa die Wahlentscheidung, die generelle Einstellung zu Ausländern, die Haltung zur USA, das Vertrauen in die Demokratie und demographische Daten, wie das Alter und der Bildungsstand.

"Jeder muss die selbe Chance haben befragt zu werden", bläut Rucht seinen Mitstreitern vor der Demonstration ein. Ob nicht davon auszugehen sei, dass martialisch auftretende Hooligans seltener angesprochen werden, fragt ein Student. "Genau das gilt es zu verhindern", erklärt Rucht.

Marieke Prey ist am Ende des Abends mit ihren Ergebnissen zufrieden. "Ich habe einige Bögen ausfüllen können. Aber viele wollten gar nicht mit mir reden. Andere waren froh, endlich einmal ihre Meinung äußern zu dürfen", sagt die Berlinerin und gibt zu: "Allerdings hatte ich oft Angst davor, die Leute anzusprechen und habe mich fehl am Platz gefühlt. Das liegt wohl daran, dass ich in Kreuzberg großgeworden bin und heute in Neukölln wohne. Mit dieser Veranstaltung kann ich mich nicht persönlich identifizieren. Meine wissenschaftliche Arbeit darf davon aber nicht beeinträchtigt werden."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.01.2015

Hauke Heuer

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