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Patzelt und Bittner zeigen sich in seltener Einigkeit

„Tacheles“ in Dresden Patzelt und Bittner zeigen sich in seltener Einigkeit

Ein Treffen unter Freunden. Diesen Eindruck konnte man zumindest vermittelt bekommen, als am Sonntagabend der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt und sein Kollege der Literaturwissenschaft und Satiriker Michael Bittner aufeinandergetroffen sind.

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Ein Treffen unter Freunden. Diesen Eindruck konnte man zumindest vermittelt bekommen, als am Sonntagabend der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt und sein Kollege der Literaturwissenschaft und Satiriker Michael Bittner aufeinandergetroffen sind.

Quelle: Montage (dpa/PR)

Dresden.  Ein Treffen unter Freunden. Diesen Eindruck konnte man zumindest vermittelt bekommen, als am Sonntagabend der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt und sein Kollege der Literaturwissenschaft und Satiriker Michael Bittner aufeinandergetroffen sind.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tacheles“ des Atticus e.V. wurden die beiden Publizisten, die mit ihrer Kolumne „Besorgte Bürger“ in der SZ für Kurzweil sorgen, zur öffentlichen Diskussion gebeten. Moderiert wurde die Runde von Marcus Thielking, Ressortleiter des Feuilletons, sowieso Eric Hattke, Vorsitzender des Atticus e.V.

Der Grundtenor war dabei der gleiche: Wichtig sei das öffentliche Streiten. Und zwar ein respektvolles, ruhiges Streiten, bei dem der Dialog gesucht wird und Übereinstimmungen gefunden werden können. Denn „der Streit an sich gehört zur Demokratie“, so Bittner. Außerdem könne der öffentliche Diskurs eine extreme Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft verhindern, Hass könnte vermieden werden. Auch soziale Plattformen sollten dabei nicht vergessen werden. So forderte Bittner zur Gegenrede auf Facebook und Co auf, während Werner Patzelt betonte, wie wichtig es ihm sei, auf Kritiken und Gegenpositionen ausführlich einzugehen.

Patzelt: Kern der Pegida ist rassistisch

Auch bei dem Thema Pegida gingen die Meinungen der beiden kaum auseinander. Auf die Frage, ob Pegida fremdenfeindlich sei, war die Antwort für Patzelt eindeutig: „Ja, der harte Kern der Pegida ist rassistisch“. Dabei solle laut Bittner jedoch nicht vergessen werden „dass bei Pegida nicht nur Nazis sind“. Beide betonten in diesem Zusammenhang, wie wichtig es sei, Wörter wie Rassist, Populist oder Nazi nicht als Beleidigung, sondern vielmehr als analytische Kategorie zu betrachten. Der Umgang mit solchen Wörtern müsse sorgfältiger sein.

Doch es herrschte nicht nur Einstimmigkeit. Beim Thema Leitkultur gingen die Meinungen der beiden Gäste weit auseinander. Während Bittner den Begriff als viel zu schwammig und nichtssagend einstufte und die Überzeugung vertritt, dass Kultur ein ewiger Diskurs sei, „etwas Strittiges“, sieht Patzelt die Leitkultur als Zentrum für gute Integration. „Wenn Integration funktionieren soll, muss man sich die Frage stellen, was es denn nun ausmacht, ein Deutscher zu sein.“ Und dabei solle von der Mülltrennung bis hin zur Aufrechterhaltung der Erinnerung des Holocaust und das Erlernen der deutschen Sprache alles seine Berechtigung finden.

Im Zusammenhang mit der Leitkultur kam auch Sachsen und Dresden im Speziellen zur Sprache. Einer der Moderatoren warf dabei ein, dass „der Sachse“ in den Medien häufig anders als der Rest Deutschlands dargestellt werde, was eine gemeinsame Leitkultur direkt in Frage stelle. Bittner wollte jedoch von „dem“ Sachsen genau so wenig hören, wie von „dem“ Flüchtling. „Es ist wichtig, jeden als Individuum zu betrachten und zu behandeln.“

Viel Einigkeit

Einigkeit bei den beiden Diskutanten herrschte jedoch zum Charakter Dresdens. So fanden beide, Dresden hätte ein angekratztes Selbstbewusstsein, Minderwertigkeitskomplexe. Bittner beschrieb Pegida sogar als einen „Protest gegen die Wesi-Überrollung aus Berlin“.

Bei der brenzligen Frage, ob die Demokratie eine Zukunft habe, hätten die Antworten dagegen nicht unterschiedlicher sein können. Während Bittner die Demokratie als etwas sehr Instabiles ansieht, dass unter anderem durch Finanzkrisen und die Flüchtlingsfrage ins Schwanken geraten ist und selbst Europäische Länder auf dem Weg zu Diktaturen sein könnten, äußerte sich Patzelt optimistisch. Er glaube weiterhin an die Macht der Gewaltenteilung.

Ein weiteres großes Thema der Diskussionsrunde war die politische Elite. Hierbei betonte Patzelt, dass die politische Klasse kein Schimpfwort sei „sondern ein Ausdruck für alle, die ihren Lebensunterhalt durch Politik machen verdienen.“ Da in einer Demokratie jeder Bürger „ein bisschen Politiker ist“, trage man auch eine große Eigenverantwortung und müsse sich politisch informieren. Dass das immer Weniger tun, sei dabei zu beklagen. Patzelt appellierte auch, sich Parteien anzuschließen, denn „Parteien sind wichtig und lobenswert. Sie betreiben Demokratie“. Außerdem forderte Bittner dazu auf, die Behauptung, es gäbe kein „Rechts“ und „Links“ mehr, zu unterlassen. Man könne sehr wohl einen klaren Unterschied erkennen.

Vor lauter Harmonie und ruhigem Diskurs hätte man fast die vergangenen Streitigkeiten von Atticus und Patzelt vergessen können. Auf kleinere Anspielungen beider Seiten wurde wenig eingegangen, der Fokus lag auf dem öffentlichen Austausch von Meinungen.

Von Caroline Zeidler

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