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Pattusch: In einer Garage fing vor 44 Jahren alles an

Pattusch: In einer Garage fing vor 44 Jahren alles an

"Könnte es sein, dass Sie verrückt sind?" fragte gestern - mit einem Augenzwinkern - Jörg Dittrich, der neue Präsident der Dresdner Handwerkskammer, Jörg Pattusch.

Von Catrin Steinbach

Der heute 70 Jahre alte Gründer und Seniorchef des Autohauses Pattusch legte gestern mit seiner Tochter und Nachfolgerin Grit Meisel und der gesamten Geschäftsführung an der Kesselsdorfer Straße den Grundstein für ein neues Audi-Terminal.

Der moderne, großzügige Bau mit viel Glas und einer Aluminiumfassade ermöglicht, die gesamte Audi-Modellpalette unter einem Dach zu präsentieren. Zudem sei er "so dimensioniert, dass jährlich 600 Audi-Neufahrzeuge verkauft und betreut werden können", teilte das Autohaus mit. Durch den Neubau mit Werkstatt entstehen zwölf neue Arbeitsplätze. Das alteingesessene Dresdner Unternehmen, das heute 154 Mitarbeiter (einschließlich zwölf Azubis) beschäftigt, investiert in das Projekt einen einstelligen Millionenbetrag. Und das in einer Zeit, da viele angesichts der Eurokrise unsicher in die Zukunft schauen.

"Es gibt Menschen, die bereit sind, an die Zukunft zu glauben und das anderen vorzuleben. Ich freue mich, dass Sie als Unternehmer und als Familie Vorbild sind", zollte der Handwerkskammerpräsident Respekt. Baubürgermeister Jörn Marx (CDU), der die Stadt Dresden als "einen von fünf Wachstumskernen in Deutschland" mit einer "für Geschäftsleute und die Stadt erfreulich hohen Einkommensstruktur" hervorhob, würdigte die Firmengeschichte des Autohauses Pattusch als "Erfolgsgeschichte".

Angefangen hat alles 1968 - mit einem Mitarbeiter in einer Doppelgarage an der Kesselsdorfer Straße. Der Kfz-Meister und studierte Maschinenbauingenieur Jörg Pattusch hatte die politische Gängelei zu DDR-Zeiten satt. "Ich war ehrgeizig, wollte etwas schaffen und bewegen in meinem Leben", erzählt er. In mehreren Städten stellt er Gewerbeanträge und blitzt ab. In Dresden schließlich hat er Glück.

"Ich bekam den Gewerbeschein mit der Auflage, einen ,Spezialbetrieb für VW-Fahrzeuge' zu eröffnen und ,Reparaturen an anderen Fahrzeugen auszuführen, die in diesem Randgebiet anfallen' ", erzählt der Unternehmer. "Es gab aus der Nachkriegszeit noch einen gewissen Bestand an VW-Käfern, und der eine oder andere hatte durchaus die Möglichkeit, einen VW zu fahren", erklärt Jörg Pattusch, wieso er "Westwagen" reparieren sollte. Und: "Ja, es war für mich schon ein verrückter Schritt, als junger Konstrukteur, der im weißen Berufsmantel am Reißbrett stand, wieder in den Blaumann zu schlüpfen und mich unters Auto zu legen."

Bereut hat er diesen Schritt nicht. Auch wenn ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Zum Beispiel, als ihm plötzlich nicht mehr erlaubt war, VW-Ersatzteile zu beziehen. "1978 führte die DDR 10 000 VW Golf ein. Die durften nur in einem volkseigenen Betrieb repariert werden." Auch, dass er als Rallyefahrer mit seinem alten VW-Käfer 1979 den DDR-Meistertitel bei den "verbesserten Tourenwagen über 1000 Kubikzentimeter" holt, ist ein Dorn im Auge. Fortan darf er mit dem Auto des "Klassenfeindes" nicht mehr mitmachen.

Mit einem Lada-Vertrag führt Jörg Pattusch seine Autowerkstatt weiter. Die Verbindung zu Volkswagen reißt trotzdem nie ab. Die Garage ist natürlich als Werkstatt bald zu klein. Mehrmals baut der unermüdliche Unternehmer an und um. Als die Wende naht, hat er schon den Bauplan für ein neues Autohaus in der Tasche. "Das Baumaterial haben wir noch mit DDR-Mark bezahlt."

1991 ist der Neubau fertig und Jörg Pattusch Vertragspartner von VW. 1998 wird an der Kesselsdorfer wieder Einweihung gefeiert - diesmal für den Bau mit dem markanten Glasturm. Nun will das Autohaus, das auf eine weitere po- sitive Entwicklung der Marke Audi setzt, mit seiner neuerlichen Investition wieder einen großen Schritt in die Zukunft machen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2012

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