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Patienten missbrauchen Notaufnahme – Mediziner fordern Extra-Gebühren

Patienten missbrauchen Notaufnahme – Mediziner fordern Extra-Gebühren

Immer mehr Patienten missbrauchen Notdienste, um lange Wartezeiten in Arztpraxen zu umgehen. Seit 2005 ist die Zahl der Notfallpatienten bundesweit von 13,5 auf 16 Millionen gestiegen.

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Quelle: dpa

Diesem Trend wollen Krankenhäuser und Ärzteschaft einen Riegel vorschieben. Der Hartmannbund fordert die Einführung einer „Notfall-Maut“.

Ein „Schweinegeld“ werde für Patienten ausgegeben, die gar nicht in die Notaufnahme gehörten, empört sich Thomas Lipp, Chef des Hartmannbundes. „Lauter Wohlhabende und Bequeme, denen nachts einfällt, dass sie noch einen Krankenschein brauchen.“ Andere kämen sonntags wegen Halsweh in Hauslatschen angeschlurft. Wer künftig für Notfallbehandlung zahlen müsste, überlege zwei Mal, ob er mit Blasenschwäche den Notdienst missbrauche, erklärt der Allgemeinmediziner. Zehn Euro soll ein Patient zahlen, der den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte in Kliniken nutzt, 20 Euro, wer Notaufnahme oder Rettungsdienst beansprucht. Bei Notdiensten zahlen Kliniken im Schnitt 88 Euro pro Patient drauf. „Das Anspruchsdenken, jedem stünde alles zu, muss einem Bewusstsein der Eigenverantwortung und Solidarität weichen“, fordert Lipp.

Patient Notaufnahme: Die konservative Notfallambulanz am Uniklinikum platzt aus allen Nähten

Die Zahl der Notfallpatienten steigt jährlich um fünf bis zehn Prozent an. Die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin geht allein für Sachsen von rund einer Million Patientenkontakten zum Notdienst und weitere 535 000 in Thüringen aus. Zwölf Prozent der Versicherten geben zu, Notdienste zu nutzen, um Wartezeiten beim in Arztpraxen zu umgehen, ergab eine Umfrage der Betriebskrankenkassen.

Rettungsdienste bestätigen steigende Einsatzzahlen, warnen aber vor Abschreckungsgebühren. „Augenscheinliche Bagatellen können sich im Krankheitsverlauf als ernste und lebensbedrohliche Zustände herausstellen“, betont Kai Kranich vom DRK Sachsen.

Auch in der konservativen Notfallaufnahme des Universitätsklinikums Dresden steigen die Patientenzahlen von Jahr zu Jahr. In Spitzenzeiten werden 55 internistische und neurologische Patienten am Tag behandelt. Ein Drittel von ihnen seien „Selbstvorsteller“, so Internist Uwe Damme. Die Zahl derer, die keine echten Notfälle sind, steige, hieß es weiter.

„Das müssen wir ernst nehmen“, sagt Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). Bis Ende Juli würden gezielt Notfall- und Diagnosedaten ausgewertet. Von einer Notdienst-Gebühr hält die Ministerin nichts: „Im Notfall muss jeder behandelt werden, ohne extra bezahlen zu müssen.“ Klepsch wünscht sich „mehr kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhausstandorten.“

„Der Gesetzgeber muss Schluss machen mit der völlig inakzeptablen Unterfinanzierung der Krankenhäuser“, fordert Friedrich München von der Krankenhaus-Gesellschaft Sachsen. Eine „Notfall-Maut“ lehnt jedoch auch er ab: „Nach der Abschaffung der bürokratischen Praxisgebühr brauchen wir jetzt keine neue Schwelle zwischen Arzt und Patient.“

Winfried Mahr und Christin Grödel

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