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Patient Notaufnahme: Die konservative Notfallambulanz am Uniklinikum platzt aus allen Nähten

Patient Notaufnahme: Die konservative Notfallambulanz am Uniklinikum platzt aus allen Nähten

"Sie sehen es ja selbst, es ist eine Misere." Dr. Ulrike Reuner und Dr. Uwe Damme leiten die konservative Notaufnahme am Uniklinikum Dresden und haben es dort vor allem mit einem Problem zu tun: Platzmangel.

In Spitzenzeiten werden 55 internistische und neurologische Patienten am Tag behandelt - In Räumlichkeiten, in denen nach den Planungen fünf Patienten gleichzeitig untersucht und behandelt werden können. Die Folge: Bei großem Andrang reihen sich die Patientenbetten auf den Gängen aneinander. "Das ist für keinen schön, nicht für die Patienten und auch nicht für die Mitarbeiter", sagt Internist Dr. Damme.

Die konservative Notaufnahme, die neben der chirurgischen zu den größten am Uniklinikum gehört, befindet sich im Diagnostisch-Internistisch-Neurologischen Zentrum (DINZ). Insgesamt 143,7 Millionen Euro hat der 2012 eröffnete Gebäudekomplex gekostet, der neben der Notaufnahme die Neurologie, die Radiologie, die Urologie sowie zwei Kliniken für Innere Medizin beherbergt. Ein hochmodernes Gebäude also, möchte man meinen.

Das Problem: Die Planungen für das DINZ und damit auch für die Notaufnahme begannen bereits vor mehr als zehn Jahren. Damals ging man von geringeren Patientenzahlen aus. Eine Fehleinschätzung, wie sich jetzt zeigt. "Wir haben mehr Patienten als Platz", fasst es Neurologin Dr. Reuner zusammen. Drei Behandlungszimmer gibt es in der Notaufnahme, dazu kommen ein Schockraum für zwei Patienten sowie 14 Betten im stationären Bereich, die maximal 24 Stunden genutzt werden sollen. Sind diese Kapazitäten ausgeschöpft, landen die Patienten, die das wenigste medizinische Equipment benötigen, auf dem "langen Gang", wie ihn die Mitarbeiter der Notaufnahme nennen.

Zu dieser Enge trägt bei, dass nicht selten Personen Hilfe suchen, die nicht in eine Notaufnahme gehören. Ein Drittel der Patienten sind Selbstvorsteller, die restlichen zwei Drittel kommen zu gleichen Teilen vom Rettungsdienst oder als direkte Einweisung durch den Hausarzt beziehungsweise als Verlegung aus anderen Krankenhäusern. "Das Anspruchsdenken ist gestiegen. Hausmittel sind kaum noch bekannt. Die meisten wollen ihr Unwohlsein schnell mal abklären lassen", erzählt Dr. Damme. "Oder sie kommen, weil der Facharzttermin zu lange auf sich warten lässt oder nach Feierabend, um den Job nicht zu gefährden", fügt Dr. Reuner an.

Das alles sei verständlich, bindet aber Ressourcen. Denn: Jeder Patient, der sich in der Notaufnahme vorstellt, wird registriert, untersucht, es werden Labortests gemacht und er wird von einem Facharzt angesehen. Eine Rund-um-Versorgung also. "Da fällt dem Uniklinikum sein guter Ruf auf die Füße. Viele glauben fälschlicherweise, wir seien die einzigen, die ihre Krankheit behandeln können", so der Internist. Und so kommt es zu Untersuchungen, sagt er, bei denen man bereits vorher wisse, dass sie nichts bringen. Man macht sie dennoch, um Erkrankungen ausschließen zu können oder juristisch auf der sicheren Seite zu sein. Dabei helfe meist schon, die Nummer 116 117 anzurufen. Dahinter verbergen sich nämlich alle niedergelassenen Ärzte im Bereitschaftsdienst, die bei Übelkeit oder Durchfall die bessere Alternative zur Notaufnahme sind.

Aber, darauf legen die Mediziner großen Wert, die Mehrzahl der Hilfesuchenden ist richtig in der Notaufnahme, so zum Beispiel Patienten mit Schlaganfall, Tumoren oder Vergiftungen. Der Vorteil für sie ist es, dass im Uniklinikum rund um die Uhr Spezialisten für seltene und lebensbedrohliche Erkrankungen verfügbar sind.

Ein Trost: Die Situation in der konservativen Notaufnahme ist kein Einzelfall, das Problem nicht auf Dresden beschränkt. Alle Notfallambulanzen sind ein Zuschussgeschäft. Nach Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) erhalten Krankenhäuser im Durchschnitt 30 Euro für jeden ambulant versorgten Patienten, die Kosten liegen allerdings bei rund 120 Euro. Ändern wird sich an der Enge bei Dr. Reuner und Dr. Damme ohnehin nichts, ein Anbau ist nicht möglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2015

Christin Grödel

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