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Parkhotel Dresden hat einen neuen Eigentümer

Sehnsuchtsort und legendärer Tanztempel auf dem Weißen Hirsch Parkhotel Dresden hat einen neuen Eigentümer

Das Parkhotel ist verkauft – an den Internetunternehmer Jens Hewald. „Ich habe schon gehört, dass das nicht mein Parkhotel ist, sondern dass es den Dresdnern gehört und ich mich nur drum kümmern muss“, lächelt er. Bevor es Details zur Zukunft seines Besitzes gebe, wolle er erst mit vielen Leuten ins Gespräch kommen.

Jens Hewald, der neue und alleinige Eigentümer des Parkhotels Weißer Hirsch in Dresden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Das Schöne am Parkhotel Weißer Hirsch ist, jede Generation verbindet mit diesem Etablissement ihre eigenen Erlebnisse. Piet Oehmichen, Geschäftsführer der bisherigen Kurhaus und Parkhotel GmbH der Erbengemeinschaft, spricht von einem „Sehnsuchtsort und legendären Tanztempel“. Auch der Berliner Jens Hewald, eigentlich in der digitalen Welt zu Hause, Internet-Unternehmer mit dem Traum von einer besseren Welt, hat sich in diesen Dresdner Ballsaal verliebt. Einen der wenigen, die es hier überhaupt noch gibt. Beim nächsten Hutball im März will er unbedingt dabei sein. Hewald ist der neue und alleinige Eigentümer der Immobilie. Am 21. Januar ist der Kaufvertrag unterzeichnet worden.

Seit dem 29. Januar steht nun eine Weißer Hirsch Parkhotel GmbH & Co. KG im Handelsregister. Der Übergang sei vollzogen, verkündete Oehmichen gestern den Medien. Vorangegangen seien reichliche Überlegungen, monatelange Gespräche und zuletzt eine vierstündige Verhandlung. Die sechs Erben des Parkhotel-Begründers Jacques Bettenhausen sahen sich nach Oehmichens Worten nicht in der Lage, den Verpflichtungen für ein solches Objekt nachzukommen. Wie man sich erinnert, gab es auch Streit unter ihnen. Vor 16 Jahren hatte Oehmichen die Geschäftsführung von Angelika Bettenhausen übernommen und Sanierungsarbeiten in Angriff genommen. Jetzt wird er dem neuen Besitzer noch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Der Käufer

Der Wirtschaftsinformatiker Jens Hewald gründete 2000 gemeinsam mit Thomas Hessler und Heiko Rauch das Online-Marketing-Netzwerk Zanox AG. 2007 verkauften sie die Firma für knapp 215 Millionen Euro an die Axel Springer AG und die Schweizer PubliGroup und zogen sich 2010 ganz aus dem Unternehmen zurück.

Mit seinen Partnern rief Hewald die Stiftung Globumbus ins Leben mit dem Zweck, Gründer zu unterstützen.

Seit 2012 betreiben sie im Silicon Valley „UFOstart“, eine Art Kontaktbörse, um Start-ups weltweit zu Finanzierungen, Mitarbeitern und Kunden zu verhelfen.

2015 gründeten sie in Berlin GTEC – German Technology Entrepreneurship Center, eine Plattform für Unternehmensgründer.

Hewald setzt sich nach eigener Aussage für die Verbindung von Gründern mit der Industrie ein und unterstützt Trends wie die Verbindung zwischen Landwirtschaft und neuen Technologien.

Er ist 44 Jahre alt und hat vier Kinder. Mit seiner Lebens- und Geschäftspartnerin Mandy Kühn lebt er in Berlin. G. B.

Hewald hat als Gesamtpaket das denkmalgeschützte Haus mit Ballsaal, Kakadu-Bar, Blauem und Rotem Salon sowie den hier befindlichen Geschäften erworben, dazu die Villa Emma, die sogenannte Villa Romy hinter dem Parkhotel und etwa 1000 Quadratmeter Fläche im Hinterland der Bautzner Landstraße 9. Sie war mal als Parkplatz gedacht. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt und auch die Höhe der Investitionen nicht. Dafür sei es noch zu früh, erklärte Hewald. Bevor es Details zur Zukunft seines Besitzes gebe, wolle er erst mit vielen Leuten ins Gespräch kommen. Als erstes war für gestern noch ein Termin mit den rund zehn Mietern angekündigt. „Sie werden natürlich übernommen“, so Hewald.

Möglicherweise wird das Parkhotel um eineinhalb Vollgeschosse aufgestockt. So wie es ursprünglich vom Architekten Kraaz vorgesehen war und in den Kriegszeiten 1914 nicht mehr zur Ausführung kam. Eine Bauvoranfrage war bereits positiv beschieden worden, informierte Oehmichen. Die bautechnische Prüfung war wie die Nutzung allerdings noch offen. Für Hewald ist generell vieles möglich, Hotelbetrieb oder Eigentumswohnungen, ja, auch das sei eine Option, aber keine primäre. Nach seiner Aussage will er den Veranstaltungsbereich ausbauen, denkt auch an klassische Konzerte. Konkrete Strategien waren gestern jedoch noch nicht zu hören. Aber es soll in jedem Fall ein Gesamtkonzept geben, an das er unternehmerisch herangehen wolle. Hewald machte klar, ein bloßes Liebhaberobjekt ist seine erste historische Immobilie nicht.

Auch mit den Eigenheiten der Dresdner hat er sich vertraut gemacht: „Ich habe schon gehört, dass das nicht mein Parkhotel ist, sondern dass es den Dresdnern gehört und ich mich nur drum kümmern muss“, meinte er lächelnd. So ist das hier mit einem Objekt, in dem schon Heinz Rühmann, Richard Strauss oder Zarah Leander verkehrt haben, auch wenn das kaum noch jemand wirklich weiß. An die vornehmen Hirschdamen beim Kaffeeplausch im Restaurant erinnert man sich noch eher. Auch an Schul- und Tanzstundenbälle mit einem Abstecher in die leicht verruchte Kakadu-Bar. Verrucht schon deshalb, weil es ja in den frühen DDR-Jahren kaum Nachtbars gab und einen Jazzkeller wie den „Kakadu“ gleich gar nicht. Musiker wie Theo Schumann oder Fred Herfter bleiben für immer mit der Bar verbunden.

Bis jetzt ist das Haus eine feste Adresse für Bälle, Partys und sonstige Events. Der „Blaue Salon“ begeht in Kürze sein 20-jähriges Jubiläum. Ein Tangofest steht in den Startlöchern. Über 100 Jahre nach Gründung des legendären Parkhotels sollte die Tradition eigentlich weiter leben.

Von Genia Bleier

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