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Pappritzer Verein bietet Deutschunterricht für traumatisierte Flüchtlinge an

Pappritzer Verein bietet Deutschunterricht für traumatisierte Flüchtlinge an

60 Flüchtlinge sollen bald in einem früheren Hotel in Dresden-Pappritz einquartiert werden. Obwohl viele Einwohner den Standort ablehnen, gibt es auch Befürworter.

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Seit Mitte Februar gibt die gebürtige Französin Dominique Bockting im Pappritzer Bürgerhaus Deutschunterricht für Flüchtlinge.

Quelle: Anja Schneider

Sie haben sich in dem Verein "Willkommen im Hochland" zusammengeschlossen. "Ich engagiere mich, weil ich auch über Hilfe froh wäre, wenn ich in eine ähnliche Situation kommen würde", sagt die 56-jährige Dominique Bockting.

Dass sie es mit ihrem Engagement ernst meint, hat sie bereits jetzt, wo das Heim noch gar nicht eröffnet wurde, unter Beweis gestellt. Seit Mitte Februar gibt die gebürtige Französin im Pappritzer Bürgerhaus Deutschunterricht für Flüchtlinge aus anderen Dresdner Unterkünften. "Der Unterricht ist aus einer ganz rührenden Begegnung heraus entstanden. Mit der Freizeitgruppe des Vereins organisieren wir jeden Sonntag Fußballspiele für Flüchtlinge aus dem Niederpoyritzer Gustavheim. Am Rande einer Veranstaltung kam ein etwa 20-jähriger Mann mit traurigem Blick auf mich zu und brachte mit Händen und Füßen und einigen Worten Englisch und Französisch zum Ausdruck, dass er gerne Deutsch lernen möchte", erinnert sich Bockting. Sie habe ihn dann kurz entschlossen für Montag zur ersten Deutschstunde nach Pappritz eingeladen.

In den folgenden Wochen hatte die 56-jährige Bibliothekarin auf einmal eine Gruppe von sieben jungen Männern vor sich, die aus Libyen, Syrien, Marokko und dem Irak kamen. "Wir haben mit typischen Sätzen wie z.B. 'Ich heiße' angefangen." Schwierig sei für die Flüchtlinge besonders die Aussprache der Vokale sowie der Unterschied zwischen "e" und "i" gewesen, erklärt Bockting. Dennoch ließen sie sich von diesen Hürden nicht abhalten. "Man hat richtig gemerkt, dass sie lernen wollen", freut sich die 56-Jährige, wenn sie daran denkt.

Allerdings war das nicht das Einzige, was sie bemerkt hat. "Einige Flüchtlinge kamen hier morgens total erschöpft an, weil sie in den Sechs-Bett-Zimmern ihrer Unterkünfte nicht schlafen konnten oder weil sie sich die ganze Nacht Sorgen um ihre Familie in der Heimat gemacht haben." Höflich seien sie trotzdem immer gewesen und vor allem dankbar.

Einer, der von Anfang an stets mit Begeisterung dabei war, ist der 27-jährige Mohammed aus Syrien. "Ich freue mich sehr über diese Gelegenheit. Zum einen weil die Sprache wichtig ist, um in Deutschland zurecht zu kommen und zum anderen weil wir auf diese Weise eine Aufgabe haben."

Der junge Mann hat sein Heimatland verlassen, weil er nicht töten wollte. Sowohl in der Armee von Syriens Diktator Baschar al-Assad als auch in der oppositionellen Freien Syrischen Armee wäre dies auf ihn zugekommen. Einen Ausweg habe es nicht gegeben, weil man sich früher oder später für eine Seite entscheiden müsste. "Ich kann nicht zurück. Denn entweder muss ich dann selber töten oder ich werde getötet", so Mohammed.

Trotz der bewegenden Flüchtlingsschicksale formiert sich in Pappritz weiter der Widerstand gegen das im Nordic Hotel geplante Heim. Allerdings ist aus den Reihen der Initiative, die 600 Unterschriften gegen das Asylheim gesammelt hat, zu hören, dass sich der Protest nicht gegen die Menschen, sondern nur gegen den Standort richte. Bemängelt werden nach wie vor der unzureichende Brandschutz des Gebäudes, eine fehlende Infrastruktur im Ort sowie das nicht vorhandene Außengelände.

Nachdem Mitglieder der Initiative Einsicht in den zwischen der Stadt und dem Betreiber geschlossenen Mietvertrag hatten, ärgern sie sich zudem darüber, dass sie von der Verwaltung so spät informiert worden sind. Denn als sie am 10. November bei der Ortschaftsratssitzung in Cunnersdorf erstmals von dem Heim hörten, war der Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Betreiber Real Estate KG Muldau bereits seit über einem reichlichen Monat unter Dach und Fach.

Ungewöhnlich ist dies nach Angaben der Stadtverwaltung jedoch nicht. "Der Mietvertrag stand unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Stadtrat. Hätte der Stadtrat es abgelehnt, am Wachwitzer Höhenweg ein Wohnheim für Flüchtlinge einzurichten, wäre der Mietvertrag hinfällig gewesen", sagt Marco Fiedler, Referent von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos).

Ein derartiges Vorgehen sei nötig, weil sich sonst Vertragspartner nach der Zustimmung des jeweiligen Gremiums nicht mehr an die ausgehandelten Konditionen halten könnten, so Fiedler, der auf schlechte Erfahrungen bei der Anmietung des Heims in der Gustav-Hartmann-Straße in Laubegast verweist, wo sich der Eigentümer im Vorfeld nicht vertraglich binden wollte. Wer sich selbst ein Bild vom Pappritzer Heim machen möchte, hat am kommenden Sonntag von 14 bis 17 Uhr beim Tag der offenen Tür Gelegenheit dazu.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2015

Stephan Hönigschmid

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