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Palais Großer Garten steckt in der Sackgasse

Spendengelder zur Rekonstruktion liegen brach Palais Großer Garten steckt in der Sackgasse

Es klingt schon mehr als kurios: Da gibt es Geld zu verschenken und der Spender bekommt es nicht los. Geld, das seit Jahren dem Palais im Großen Garten zugutekommen soll und nun Gefahr läuft, anderweitig eingesetzt werden zu müssen, weil das Kapital zu lange brach lag.

Das Palais im Großen Garten

Quelle: Schulter (Archiv)

Dresden. Es klingt schon mehr als kurios: Da gibt es Geld zu verschenken und der Spender bekommt es nicht los. Geld, das seit Jahren einem wertvollen Baudenkmal zugutekommen soll und nun Gefahr läuft, anderweitig eingesetzt werden zu müssen, weil das Kapital zu lange brach lag. Mit diesem Problem plagt sich der Förderverein Palais Großer Garten e. V., und nicht zuletzt weil es um Spendengelder in Höhe von 67000 Euro geht, die der denkmalgerechten Wiederherstellung des Palais dienen sollen, hatte er zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion geladen. Im Mittelpunkt: die kulturelle Bedeutung des Denkmals, die beim Wandel gesetzter Prämissen und auch im Ringelspiel der Verantwortlichkeiten unterzugehen droht.

Ein zahlreiches - hauptsächlich älteres - Publikum wollte vom Landeskonservator i. R. Gerhard Glaser, von Hans-Joachim Meyer, bis 2002 sächsischer Minister für Wissenschaft und Kunst, vom Kultursoziologen Karl-Siegbert Rehberg, dem Architekten Eberhard Pfau und vom Vereinsvorsitzenden Reinhard Decker wissen, wie es nun um die Zukunft des Palais bestellt ist. Gleich die erste Besuchermeldung nach den Expertenausführungen stellte die nicht ganz unwesentliche Generationenfrage. Wo sind eigentlich die Jungen? wurde nachgehakt. Wie kann das kulturelle Verständnis weitergetragen werden, das nötig ist, um Werte wie das Palais wieder herzustellen und auch künftig zu bewahren? Gestrichene Fachbereiche im Schulunterricht und eingesparte Einrichtungen der Denkmalpflege, wie beklagt, sind dafür keine gute Basis. Dagegen kann das Forum für Baukultur durchaus Interesse bei jungen Leuten feststellen.

Eingeladen zur Diskussion waren laut Decker auch die Fachministerien und Landtagsfraktionen. Sie fehlten ebenfalls – und mit ihrer Abwesenheit vielleicht auch der politische Wille, diesen frühesten barocken Profanbau Sachsens mit seinem reich verzierten Festsaal weiter zu rekonstruieren. Dass es möglich ist, hat schon 2001 ein wissenschaftliches Kolloquium bewiesen. Auch seitens des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) habe es Voruntersuchungen als Planungsgrundlage für die Wiederherstellung gegeben, so Decker. Aber selbst für die jetzige Nutzung sieht er eine effizientere Heizung als das gegenwärtige Provisorium und Garderoben für Künstler als unverzichtbar an. Doch Baumaßnahmen finden nicht statt.

Aus technologischer Sicht sei eine endgültige Wiederherstellung in kleinen Schritten möglich, betonte Glaser. „Die Kernfrage ist, ob ich das will oder nicht“, sagte er. Wird Denkmalpflege zurückgestellt, besteht die Gefahr, dass die Fertigkeiten von sächsischen Spezialhandwerkern verloren gehen. Aber auch für die längerfristige Erhaltung solcher werbewirksamen Attraktionen wie Semperoper, Schloss oder Frauenkirche werden sie dringend benötigt. Der Landeskonservator i. R. unterstrich die historische und künstlerische Bedeutung des Palais als ein Bauwerk von europäischem Rang. Nach dem 30-jährigen Krieg war es der erste Staatsbau, der Hoffnung gab und auch 1945 wurden hier sogleich Schutt beseitigt und Teile geborgen. Aber bis heute sei dieses Projekt nicht zu Ende geführt.

Die Referenten reflektierten die Nachkriegsvergangenheit, das Geschichtsverständnis, den Bruch mit Altem und der Chance für Neues im gesamtdeutschen Kontext. So blieben Ruinen auch bewusst stehen als so genannte Sühnearchitektur wie die Gedächtniskirche in Berlin. In Dresden wurden Ruinen gegen harte Widerstände gerettet, in der Hoffnung auf Wiederaufbau. Bekanntlich gelang das nicht immer. Rehberg sprach in diesem Zusammenhang von Leitruinen. Das Palais gehört sicher dazu. Wo diese aufgebaut sind oder noch werden sollte es in wahrhaftigem Geschichtsbewusstsein erfolgen und aus einem sinnvollen Nutzungskonzept heraus.

Im Umgang mit dem Palais im Großen Garten herrscht, abgesehen von den objektiven Schwierigkeiten, nach wie vor keine Einigkeit. Der Verein hatte vorgeschlagen, mit seinen Spendenmitteln die im Festsaal vorhandene Probeachse nach neuesten Erkenntnissen fortzuführen. Das wurde vom bauausführenden Staatsbetrieb SIB ebenso abgelehnt, wie die Verputzung des nördlichen Langsaales im Erdgeschoss. Offenbar sollen derzeit gar keine Begehrlichkeiten erst geweckt werden. Denn: Der Freistaat Sachsen als Besitzer der Immobilie „plant auf absehbare Zeit keine investiven Baumaßnahmen im Palais.“

Diese Auskunft auf eine Nachfrage der DNN erteilte nicht das Finanzministerium, sondern der Nutzer Schlösserland Sachsen. Das Ministerium hält sich seit der äußeren Wiederherstellung und der Rohbaufassung einschließlich Deckenkonstruktion des Festsaales 2001 vollständig zurück. Genutzt wird das Gebäude auch im derzeitigen Zustand vielfältig und so gut es geht. Dass es als Konzert- und Veranstaltungshaus überhaupt erlebbar wurde, ist ein Verdienst des Fördervereins.

Die Schlösser, Burgen und Gärten (SBG) gGmbH will künftig auch außerhalb von Veranstaltungen ganzjährig Informationen zur Geschichte des Palais und des Großen Gartens vermitteln und Sonderausstellungen präsentieren. Weitere Schwerpunkte sollen Theateraufführungen, kleinere Konzerte und Lesungen sein, teilt Pressesprecher Uli Kretzschmar mit. Hervorgehoben werden auch der stets gut besuchte „Dresdner Frühling“, die Weihnachtsvorstellungen des Staatsschauspiels und Veranstaltungen der Musikfestspiele. Nach Meinung von SBG-Geschäftsführer Christian Striefler ist nicht klar, ob dieses Programm nach vollständiger Innenrekonstruktion noch möglich wäre. Die Frage nach einer neuen Heizung wird durch SBG folgendermaßen beantwortet: „Sinnvoll ist, dass geschossübergreifende Maßnahmen (z. B. komplette Haustechnik) mindestens im Bezug auf Rohbau und Rohinstallation in einem Zug durchgeführt werden.“ Da der Freistaat aber keine Investition plant, fällt auch das vorerst aus.

Wohin also mit dem bei der Bürgerstiftung geparktem Vereinsgeld? Strieflers Idee einer 3 D-Visualisierung ähnlich wie im Schloss Rochlitz, um damit auch junge Leute für das Palais zu begeistern, fand keine Zustimmung. Die Vereinsmitglieder möchten ihre Mittel direkt in das Bauwerk einbringen, selbst wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. In der Debatte wurde aber auch festgestellt: Es gibt nie nur eine Lösung, aber man muss miteinander reden. So wünschte sich eine Besucherin keine akribische Wiederherstellung, sondern auch Freiraum für die Kunst.

Meyer fasste zusammen: „Die Nutzung des Sommerpalais ist schwierig. Deshalb eine realistische Lösung finden und in den parlamentarischen Geschäftsgang einbringen.“ Der Förderverein sieht durchaus Spielraum in der Zweckbestimmung seiner Mittel. Und Striefler betonte gegenüber DNN Gesprächsbereitschaft. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, den gordischen Knoten zu zerschlagen und die Mittel sinnvoll einzusetzen. Übrigens für ein vorhandenes Gebäude, das die oft zitierte Authentizität atmet und nicht für einen, wenn auch ehrenwerten, Neubau wie am Neumarkt.

Von Genia Bleier

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