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Osteuropas erste buddhistische Begräbnisstätte auf Heidefriedhof Dresden

Bestattungskultur Osteuropas erste buddhistische Begräbnisstätte auf Heidefriedhof Dresden

Buddhisten haben in Dresden erstmals eine eigene Begräbnisstätte bekommen. Geweiht wurde das Areal auf dem städtischen Heidefriedhof am Sonntagvormittag. Neu ist sie nicht nur für Sachsen, sondern für ganz Osteuropa.

Im Zentrum der buddhistischen Begräbnisanlage auf dem Dresdner Heidefriedhof thront eine Buddha-Figur auf einem Sockel, gehauen aus einem einzigen Granitblock, etwa neun Tonnen schwer.

Quelle: Vietnamesisch Buddhistisches Kulturzentrum Sachsen

Dresden. Buddhisten haben in Dresden erstmals eine eigene Begräbnisstätte bekommen. Geweiht wurde das Areal auf dem städtischen Heidefriedhof am Sonntagvormittag. Neu ist sie nicht nur für Sachsen, sondern für ganz Osteuropa, wie Khanh Tri sagt. So nennt sich Heinz-Jörg M. Dinglinger bei den Buddhisten.

Zugleich steht die Stätte für eine wichtige Zäsur in der Geschichte vietnamesischer Migranten im Osten Deutschlands. Mitte der 1950er Jahre seien die ersten von ihnen in die DDR und die Bundesrepublik gekommen, erzählt Hoang Thanh An, Sprecher der vietnamesischen Buddhisten in Sachsen. „Mittlerweile leben sie in dritter und vierter Generation in Deutschland und sind fest hier verankert.“ Niemand von ihnen denke daran, nach Vietnam zu gehen. Deshalb sei eine solche Begräbnisstätte nötig. „Sie gehört zu unserer buddhistischen Kultur.“ Bislang transportierten viele ihre gestorbenen Angehörigen nach Vietnam, um sie dort zu bestatten.

Zum ersten Mal in der fast 1000-jährigen Geschichte Sachsens wurde eine buddhistische Grabstätte geweiht. Die Stadt Dresden hat dafür 2000 Quadratmeter unberührte Fläche zur Verfügung gestellt, die auch mit Spenden der buddhistischen Weltgemeinde gestaltet wurde. Fotos: Arno Burgi, dpa

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Die Erinnerung an die Vorfahren hat im vietnamesischen Buddhismus, der einst mit dem Ahnenkult verschmolz, größere Bedeutung als in anderen buddhistischen Richtungen. Das Gedenken ist auf lange Dauer angelegt. 49 Jahre nach dem Tod eines Menschen wird mit einem Ritual ganz besonders an ihn erinnert. Ein weiteres Mal nach hundert Jahren.

Die ersten Toten, die in Dresden bestattet werden, stellen etwas ganz Besonderes dar. „Sie sind die Begründer einer Dynastie“, erläutert Khanh Tri. Diese Gräber würden nachfolgende Generationen noch besuchen. „Es ist gewissermaßen das end-liche Ankommen dieser Gruppe von Migranten. Im doppelten Sinn: endgültig und im Hinblick auf das Lebensende. Das deutlichste Bekenntnis zu ihrer neuen Heimat.“

Obwohl die Buddhisten gemäß Grundgesetz Anspruch auf einen separaten Friedhof hätten, haben sie sich bewusst für einen Platz auf einem städtischen entschieden, wie Khanh Tri betont. Nicht weit entfernt befindet sich ein muslimischer Begräbnisplatz, der 2012 hergerichtet worden war. Hoang Thanh An sieht darin auch ein deutliches Zeichen angesichts von Misstrauen mancher Einheimischer gegenüber Fremden. „Trotz unterschiedlicher Religion können wir nicht nur friedlich miteinander leben, sondern auch nach dem Tod noch nebeneinander liegen.“
„Ort der Rückkehr“ wird die Begräbnisstätte heißen, wie Nguyen Thi Luong erläutert, die Vorsitzende der vietnamesischen Buddhisten in Sachsen. „Das wird in vier Sprachen auf den Säulen am Eingang stehen – deutsch, vietnamesisch, englisch und in Pali, einem Dialekt des Sanskrit, die Sprache Buddhas.“

„Mit dem Tod ist für uns nicht alles zu Ende“

„Mit dem Tod ist für uns nicht alles zu Ende“, sagt Hoang Thanh An. „Der Körper, zusammengesetzt aus den fünf Elementen, kehrt wieder in sie zurück. Aber der Geist wird in ein neues Leben wiedergeboren.“

Auch wenn die Vietnamesen die Initiative ergriffen haben – es handelt sich um eine Begräbnisstätte für Angehöriger aller buddhistischer Richtungen, wie die drei aus der Leitung der buddhistischen Gemeinschaft ausdrücklich betonen. Entsprechend seien auch die Symbole gestaltet. Sie gehen über den Mahayana-Buddhismus hinaus, zu dem sich die Vietnamesen bekennen.

Wer das reichlich 1600 Quadratmeter umfassende Areal am nördlichen Ende des Heidefriedhofs betritt, bekommt die Grundlagen des Buddhismus veranschaulicht. Die zwei Eingangssäulen werden von Lebensrädern gekrönt. „Sie haben doppelte Bedeutung“, erläutert Khanh Tri. „Zum einen stehen sie für die Unendlichkeit des Lebens, zum anderen für das Rad der Lehre Buddhas.“ Die acht Speichen symbolisieren den heiligen „Achtfachen Pfad“. Verschiedene Weisen zur Aufhebung des Leidens, welches das Leben bestimmt. An den vier Ecken des quadratischen Feldes stehen Statuen von wichtigen Bodhisattvas. „Erleuchtete, die andere mit auf den Weg der Erleuchtung nehmen.“ Sie stellen die „Vier Edlen Wahrheiten“ dar: dass alles Leiden ist, wie es aus dem Begehren entsteht, wie es beendet werden kann, welches der Weg zu seiner Aufhebung ist.

Im Zentrum der Anlage thront eine Buddha-Figur auf einem Sockel, gehauen aus einem einzigen Granitblock, etwa neun Tonnen schwer. Er und die anderen Figuren sind auf dem Seeweg von Vietnam zunächst nach Hamburg, von dort nach Dresden transportiert worden. Ein Arm der Buddha-Figur zeigt nach unten, seine Hand stellt die Verbindung zur Erde her. Die andere Hand hält er in Lehr-Geste aufgerichtet. Von ihm aus führen sternförmig acht Wege nach außen. Könnte man von oben draufschauen, hätte man das Lebensrad vor sich.

Hinter der Buddha-Statue ist eine 18 Jahre alte Linde gepflanzt worden. Diese heimische Baumart kommt mit ihren herzförmigen Blättern der indischen Pappel-Feige (Ficus religiosa), auch Bodhi-Baum genannt, am nächsten, die hier ohne Kälteschutz nicht gedeihen würde, wie Khanh Tri sagt. „Dieser Baum öffnet den Weg ins Universum.“

Die erste buddhistische Begräbnisstätte Osteuropas in Fakten

Anlage: quadratisch, 42 Meter Seitenlänge, insgesamt reichlich 1600 Quadratmeter; neben Gräberfeld E 13 auf bislang unbenutztem Boden am nördlichen Ende; mit Statuen von Boddhisatvas und eines Buddha sowie Säulen und einer Linde

Finanzierung: insgesamt mehrere Zehntausend Euro; Zuschuss von der Stadt; Großteil von Spendern aus Sachsen und ganz Europa

Weihe: öffentlich mit Gästen aus mehreren anderen Ländern, unter ihnen Thich Tri Chon, oberster Mönch und spiritueller Hauptlehrer aus Vietnam; Zeit des Vu-Lan-Festes, Fest der Ahnen

Buddha Shakyamuni: deutsch „der Erwachte“; Ehrentitel für Siddhartha Gautama (563-483 vor Christus) aus dem Adelsgeschlecht der Shakyas; mit 35 Jahren geistiges Erwachen, legte Hass, Begierde, Unwissenheit ab, lehrte als Buddha den Dharma („Lehre“)

Bodhisattva : hat Erleuchtung als höchste Stufe erreicht, verzichtet aber auf sofortigen Eintritt ins Nirwana, um allen Wesen zu helfen, nimmt in grenzenlosem Mitleid Leid anderer auf sich

Ahnenkult: Glaube, dass tote Vorfahren weiter in Beziehung mit lebender Familie; bei Erinnerung an sie unterstützen sie, vergisst oder vernachlässigt man sie, werden sie unruhige oder sich rächende Wesen.

www.phatgiaosachsen.com

Tomas Gärtner

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