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Organische Elektronik braucht mehr Hilfe - Dresden könnte seine Spitzenposition an Asien verlieren

Organische Elektronik braucht mehr Hilfe - Dresden könnte seine Spitzenposition an Asien verlieren

Um mehr politische und finanzielle Unterstützung des noch jungen Organiktechnologie-Kerns in Dresden hat Dominik Gronarz geworben, der Chef des Verbandes "Organic Electronics Saxony".

Dresden .

Dresden (DNN). Um mehr politische und finanzielle Unterstützung des noch jungen Organiktechnologie-Kerns in Dresden hat Dominik Gronarz geworben, der Chef des Verbandes "Organic Electronics Saxony". Der Standort könne seine Technologieführerschaft bald verlieren, wenn sich EU, Bund und Land nicht stärker engagieren, warnte er. "Die Konkurrenz in Fernost schläft nicht", sagte Gronarz. "Dort werden teils erhebliche Summen in die organischen Technologien gesteckt." Nötig seien Beihilfen und private Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Von Heiko Weckbrodt

Unter organischer Elektronik versteht man in der Branche Schaltkreise, Solarzellen und Leuchtdioden auf organischer Basis sowie gedruckte Kunststoff-Chips. Im Gegensatz zu klassischen Bauelementen werden sie nicht aus starrem Silizium gefertigt, sondern aus kurzen organischen Kohlenwasserstoffverbindungen, die biegsam sind, eine superdünne Bauweise ermöglichen und teils auch durchsichtig sind.

"Organische Elektronik kann auf fast jeder Unterlage aufgebracht werden, wie auf Kunststoff- und Metallfolien, auf Kleidung, Pflastern und Papier", erklärte Professor Karl Leo vom Photonik-Institut der TU Dresden, einer der "Väter" des Dresdner Organik-Clusters. "Dies erlaubt völlig neue Bauelemente wie flexible, transparente Leuchtdioden und Solarzellen, oder intelligente Etiketten oder Tickets. Denkbar wären Fenster, die tagsüber mit transparenten Solarzellen Energie erzeugen und nachts als Leuchtdiode ganzflächig leuchten." Und: "Aufgrund des geringen Materialverbrauchs und der unkritischen Materialien ist diese Technologie sehr umweltfreundlich." Im Raum Dresden arbeiten mittlerweile über 1000 Ingenieure, Forscher und andere Experten in über 40 Unternehmen und 17 wissenschaftlichen Einrichtungen an diesen Technologien, das sind etwa fünf Prozent mehr Jobs als im Vorjahr. Ihre Wirtschaftskraft wurde bisher noch nicht genau ermittelt, dürfte aber bei 50 bis 100 Millionen Euro Jahresumsatz liegen - ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass dieser Technologie-Kern erst vor etwa zehn Jahren entstanden ist. Inzwischen gehört das Organik-Cluster Dresden zu den fünf führenden Standorten weltweit, meinte Gronarz. Und mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da. Auch US-Marktforschungsunternehmen wie "IDTechEx" bescheinigten dem Dresdner Cluster eine bedeutende Stellung im internationalen Wettbewerb.

Zu diesen Weltmarktführern in der Nische gehört die Dresdner "Novaled", die Kernzutaten und Know-How für Organische Leuchtdioden (OLEDs) an große Elektronikkonzerne wie Samsung und LG liefert. "Führende Hersteller der Unterhaltungselektronik setzen inzwischen Novaled-Know How und -Material für die Produktion ihrer OLED Displays ein", erklärte Novaled-Sprecherin Anke Lemke und nannte als Beispiel das gefragte OLED-Computertelefon "Galaxy S" von Samsung. Der südkoreanische Konzern rechne damit, dass OLED Displays mittelfristig die LCD-Bildschirme ablösen werden.

Weitere Organik-Champions sind die Firma "Heliatek", die derzeit in Dresden-Kaditz die weltweit erste Fabrik für eine Vakuum-Rollenproduktion biegsamer und transparenter organische Solarzellen hochzieht, oder der Kunststoff-Bildschirm-Hersteller "Plastic Logic". Auch spezialisierte Anlagenhersteller wie Creaphys und Xenon in Dresden oder FHR in Ottendorf-Okrilla sind an Bord, genauso Denkfabriken wie die Fraunhofer-Einrichtungen Comedd und IPMS und die TU Dresden.

Gerade aber Technologieführer wie Novaled und Heliatek hängen bis heute am Tropf von Risikokapital-Gebern. Für einen Übergang in die Massenfertigung wäre jedoch ein erheblich höherer Kapitaleinsatz als bisher nötig. "Wir brauchen Großinvestoren und wir brauchen Anreize durch die Politik", betont daher Gronarz. Notwendig seien in den nächsten Jahren Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, damit der Organikstandort Dresden die nächste Entwicklungsstufe hin zur massenhaften Fertigung von Endprodukten schaffe. Denkbar seien sowohl eine direkte staatliche Förderung wie auch großzügigere Bedingungen für private Investoren.

"Ich halte es für ein realistisches Ziel, in Dresden die gesamte Wertschöpfungskette von der Organik-Forschung bis zum Endprodukt zu etablieren", sagte er. "Wenn Deutschland Autos produzieren kann, mit der ganzen Zulieferkette, die daran hängt - warum dann nicht auch Endprodukte der organischen Elektronik?"

Mehr Infos im Netz: computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.11.2012

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