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Onlinesucht: Eltern sollten selbst spielen, um zu verstehen

Onlinesucht: Eltern sollten selbst spielen, um zu verstehen

Fachgespräch "Onlinewelten mit Suchtpotenzial": Heute, 18 Uhr, Landtag, B. Hilfe für Online-Spielsüchtige: GESOP-Suchtberatungs- und Behandlungs- stelle, Gasanstaltstraße 10, Telefon 21 53 08 30; Mo.

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Viele junge Menschen bringen mehrere Freizeitstunden am Tag am Computer zu. Wann da die Sucht anfängt, ist umstritten.

Quelle: Bundessuchtbeauftragte

Fachgespräch "Onlinewelten mit Suchtpotenzial": Heute, 18 Uhr, Landtag, B.-von-Lindenau Platz 1, Saal 2, Eintritt frei; mit Referenten aus der Jugendhilfe, Medienpädagogik und Politik

Hilfe für Online-Spielsüchtige: GESOP-Suchtberatungs- und Behandlungs- stelle, Gasanstaltstraße 10, Telefon 21 53 08 30; Mo. Di., Do., Fr.: 9-12, Mo. u. Mi.: 14-19 sowie Di. 14-17 Uhr

@ Erste Infos: enter-dein-leben.de

Mehr Infos im Netz: computer-oiger.de

Von Heiko Weckbrodt

Laut einer Studie der Unis Greifswald und Lübeck ist jeder 100. Mensch internetsüchtig - dies würde bedeuten, dass etwa 5000 Dresdner bedenklich abhängig von den virtuellen Netzwelten sind. Und die Online-Spielesucht nimmt in Dresden zu, schätzt Suchttherapeutin Gabriele Güldenstern vom Sozialunternehmen GESOP. Allerdings warnen Jugendschützer auch vor Hysterie: "Das Thema ist bislang nur wenig erforscht", meint Uwe Majewski, Chef des Vereins "Jugendschutz Sachsen". "Viele Menschen schauen zum Beispiel vier Stunden pro Tag Fernsehen. Wenn andere die selbe Zeit am Computer verbringen, wird allzu schnell von Sucht gesprochen." Er plädiert dafür, dass Eltern und Erzieher selbst gelegentlich in die Online-Welten abtauchen sollten, um echte Probleme daran selbst zu erkennen.

Denn viele jener Generation, die nicht mit Heimcomputern und Spielkonsolen aufgewachsen ist, sehen den Internetenthusiasmus der Jungen mit Unverständnis. Dahinter steckt auch ein Medienwandel: War noch vor 20 Jahren das Fernsehen Unterhaltungsleitmedium und die klassische Presse Hauptnachrichtenquelle für die meisten Deutschen, hat diese Rolle für die Jüngeren längst das Internet übernommen. Für fast jeden dritten Nutzer von Internet-Kontaktnetzwerken sind "Facebook" & Co. Hauptnachrichtenquellen über das Tagesgeschehen, wie jüngst eine Forsa-Umfrage ergeben hat.

"Für die Kinder heute sind die neuen Medien 24 Stunden am Tag präsent", meint Majewski. Viele Jugendliche zögen keine Grenze mehr zwischen virtueller und realer Welt. "Das können viele Ältere nicht verstehen", weiß Majewski. "Das kann man nur verstehen, wenn man's selbst ausprobiert hat. Ich kann Eltern und Erziehern nur raten, selbst mal in Facebook reinzuschauen oder ein Online-Rollenspiel mitzumachen."

Die Grenze zur Sucht ist oft schwer zu ziehen, aber wohl sicher bei den Klienten von Gabriele Güldenstern überschritten. Sie leitet seit drei Jahren eine sechsköpfige Therapiegruppe für junge Erwachsene. "Manche von ihnen verbringen wochentags bis zu sechs Stunden mit Spielen, am Wochenende noch mehr", sagt die Therapeutin. Oft zeige sich, dass die Betroffenen psychische Probleme haben, die hinter der Sucht stecken. "Das können Depressionen sein oder auch Angststörungen."

In der Gruppe übt sie mit Verhaltens- und Genusstherapien, aus verhängnisvollen Kreisläufen zu entkommen. "Letztens haben wir gemeinsam getrommelt, auch, weil da es dabei um das Aufeinanderhören geht." Güldenstern ist überzeugt, dass es mehr Angebote dieser Art geben müsse und sich Sachsens Suchthelfer besser vernetzen müssen.

Das meint auch Karl-Heinz Gerstenberg, Landtagsabgeordneter der Grünen, die heute im Landtag ab 18 Uhr ein öffentliches Fachgespräch zum Thema "Onlinesucht" ausrichten. "Wir wollen niemandem etwas verbieten, sondern uns als Fraktion erst mal einen Überblick über den Forschungsstand und die Meinung der Leute aus der Praxis verschaffen", betont Gerstenberg. Eine parlamentarische Initiative seiner Partei sei denkbar, wenn sich herausstelle, dass die Betroffenen in Sachsen mehr Hilfe brauchen. "Bisher ist Online-Abhängigkeit nicht mal als Sucht anerkannt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2012

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