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Onlinemärkte für Lebensmittel versuchen auch in Dresden Fuß zu fassen - ein mühsames Geschäft

Onlinemärkte für Lebensmittel versuchen auch in Dresden Fuß zu fassen - ein mühsames Geschäft

Online-Lebensmittelhändler haben es in Dresden schwer. Supermarkt reiht sich an Supermarkt, an jeder Ecke gibt es Bioläden, Tante-Emma-Läden, Gemüsehändler, Bäcker, Fleischer, Spätshops - wer will, kann fast die ganze Nacht hindurch schauen, wählen, kaufen: und mitnehmen.

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Der Lebensmitteleinkauf über das Internet steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Bis nach Dresden liefern bis auf einige Ausnahmen die großen Plattformen noch gar nicht. Trotzdem hofft die Branche in den nächsten Jahren auf ein rasantes Wachstum.

Quelle: Jens Schierenbeck/dpa

Umgekehrt hat es Dresden aber auch mit der efood-Branche schwer. Nur wenige der großen Anbieter haben ihren zielgenauen Lieferservice schon bis in Sachsens Landeshauptstadt erweitert. Food.de zum Beispiel beliefert in Sachsen nur Leipziger Kunden, der Rewe-Lieferservice erreicht im Osten überhaupt nur Berlin.

Warten auf den Durchbruch

Mutig genug fürs Pflaster im tie- fen Osten gibt sich die DHL-Tochter Allyouneed.com ("Alles, was Du brauchst"). Den Onlinehandel hat die Frachtsparte der Deutschen Post vor drei Jahren gegründet - keine schlechte Idee, wenn man einen riesigen Logistikpark hat und Zukunftsfelder erschließen will. Dumm nur, dass das zunächst erstmal heißt: Investieren, wachsen und hoffen, dass die Prognosen stimmen.

Die nämlich sagen dem Online-Lebensmittelhandel einen rasanten Boom voraus. Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen 175 Milliarden Euro für Lebensmittel aus - gerade einmal 0,5 Milliarden Euro davon entfielen auf Netzeinkäufe. Bis 2020 aber soll der jährliche Online-Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigen, meinen die Marktforscher von Ernst & Young. Der Marktanteil steigt damit von aktuell 0,3 Prozent auf dann zehn Prozent.

Schon rund 20 Prozent seines Umsatzes will der Handel im Jahr 2020 mit sogenannten "Cross-Channel-Kunden" machen, also mit Leuten, die sich im Internet informieren und dann in der Filiale einkaufen gehen. Das tun gegenwärtig lediglich rund sechs Prozent der Konsumenten. Wenn also gegenwärtig nur jeder Hundertste Deutsche regelmäßig Lebensmittel im Internet ordert, dabei aber - außer für die Lieferung - nicht mehr zahlen will als im Supermarkt um die Ecke, muss schon einiges an Kapital vorgehalten werden, ehe schwarze Zahlen auch nur in greifbare Nähe rücken.

Allyouneed (AYN) hat mit der Post einen solventen Geldgeber im Rücken und zählt mit über 20 000 Produkten im Online-Regal zu den Großen im Markt. Die Plattform beliefert via DHL-Kurierdienst Kunden auch in Sachsen von ihren Zentrallagern in Nürnberg und Staufenberg (nahe Kassel) und hat seit September für Dresden die Abendzustellung im Angebot. Das dürfte bei der Kundensuche helfen, denn damit ist es möglich, an einem Wunschtag in einem zweistündigen Zeitfenster - von 18 bis 20 Uhr oder von 20 bis 22 Uhr - seine Waren zugestellt zu bekommen. Den Tag kann man zehn Tage im voraus bestimmen, ab einem Bestellwert von 40 Euro entfällt die Liefergebühr.

Die Lieferung am Tag der Bestellung (same day) sowie die Abendzustellung werden ausgebaut, heißt es. Denn der Service ist nicht nur für private Kunden interessant, sondern zunehmend auch für Händler aller Branchen - zum Beispiel von Lebensmittelversendern wie Mytime.de, Rewe online, Gourmetfleisch oder Hello Fresh oder von Online Apotheken sowie von Technikanbietern. AYN verkündet selbstbewusst, bereits jetzt jeden zweiten deutschen Haushalt erreichen zu können.

"Als Kunden haben wir viele Familien, die den Sonnabend nicht gerne im Supermarkt verbringen und einen ganz normalen Familieneinkauf benötigen, viele Menschen, die besondere Produkte suchen, und Paare, die lieber entspannt ins Theater gehen als vorher noch in den Supermarkt", sagt AYN-Sprecher Max Thinius den DNN. "Wir sind ein sogenannter Pure-Player - also ein Anbieter, der vom Einkauf, der Lagerung bis hin zur Lieferung der Produkte alles aus einer Hand anbietet und keine Geschäfte unterhält. Als solcher sehen wir uns als Der Online-Supermarkt für Deutschland - also oben", so Thinius weiter.

Doch oben heißt eben nicht automatisch auch Geld verdienen. Keiner der angeschriebenen Online-Anbieter für Lebensmittel hat Zahlen genannt - nicht zu Kunden, nicht zu Umsätzen und schon gar nicht zu Gewinnen. Lebensmittel.de, ein Hannoveraner Unternehmen mit Zentrallager in Dresden, berief sich zur Begründung auf eine "Entwicklungsphase, in der sich Zahlen und Abläufe schnell ändern".

Einen Kampf, sagt AYN-Sprecher Thinius, gebe es zwar nicht, da der Markt sehr stark wachse und Platz für alle sei. Doch von einem Miteinander sei man weit entfernt.

Es gibt keinen, der Geld damit verdient

Bislang also, so das Fazit, wagen nur sehr wenige Kunden den Lebensmitteleinkauf im Netz. Vier von fünf Konsumenten haben noch nie ihre Kühlschrankfüllung im Internet geordert, sagen die Unternehmensberatungen A.T. Kearney und McKinsey, denn dreiviertel von ihnen möchten sehen und anfassen, was sie kaufen. Über die Hälfte ist zudem unsicher, ob die Qualität beim Online-Kauf auch stimmt.

Das wird wohl so nicht bleiben. Zumindest abgepackte Standardware wie Nudeln, Konserven, Zucker oder Getränke in Flaschen und Tetrapacks kaufen wir schon jetzt ohne Qualitätsprüfung und buckeln sie nach Hause. Leicht vorstellbar, dass Marktanalysten hier Morgenluft wittern und ihrem Optimismus fürs Jahr 2020 freien Lauf lassen.

Ob bis dahin der Dresdner Konsum seine Netzaktivitäten wiederbelebt, bleibt offen. "Wir haben von 2001 bis 2006 online Lebensmittel in Dresden und Umland gehandelt. Im Jahr 2006 wurde dieses Engagement eingestellt. Unsere Online-Aktivitäten waren nicht rentabel", erklärte Vorstandsmitglied Roger Ulke auf DNN-Nachfrage. Und fuhr fort: "Nach unserer Branchenkenntnis gibt es derzeit keinen deutschen Lebensmittel-Onlineshop mit Vollsortiment, der Geld verdient."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2014

Barbara Stock

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