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Ohne Geld sechs Nächte im Kempinski enden mit Bewährungsstrafe

Vorbestrafter Betrüger vor Gericht Ohne Geld sechs Nächte im Kempinski enden mit Bewährungsstrafe

Jonas L. ist groß, schlank, gepflegt und erschien gestern im dunklen Anzug, weißem Hemd und dezenter Krawatte zur Verhandlung. Den Geschäftsmann, für den er sich gern mal ausgibt, nimmt man ihm auf den ersten Blick durchaus ab. Nur trügt der Schein. Der 27-Jährige ist kein Immobilienmanager sondern ein ungelernter Lagerist aus Dresden-Prohlis.

Das Kempinski Dresden

Quelle: PR

Dresden. Jonas L. ist groß, schlank, gepflegt und erschien gestern im dunklen Anzug, weißem Hemd und dezenter Krawatte zur Verhandlung. Den Geschäftsmann, für den er sich gern mal ausgibt, nimmt man ihm auf den ersten Blick durchaus ab. Nur trügt der Schein. Der 27-Jährige ist kein Immobilienmanager aus Frankfurt am Main, der mit Millionen jongliert, sondern ein ungelernter Lagerist aus Dresden-Prohlis, der kürzlich erst den „Staplerschein“ gemacht hat. „Hochstapeln“ kann er allerdings perfekt, und das schon lange Zeit. Wegen Betruges, falscher Verdächtigung und Computerbetrugs stand er gestern vor dem Amtsrichter. Nicht das erste Mal übrigens, der Mann ist einschlägig vorbestraft. Aber er kann die Gaunerein nicht lassen Und er hat Erfolg. Der junge Mann kann die Leute, wie man so schön sagt, „besoffen“ reden. Motto: „Mehr Schein als Sein“.

Im Sommer 2015 hatte Jonas L. einen besonderen „Höhenflug“. Er lebte von Gelegenheitsjobs. Sein Konto war leer, die Schulden hoch, also machte er sich mit Betrügerein ein schönes Leben. Er reiste per Flieger mit seiner Freundin mehrmals quer durch Deutschland, verbrachte mit ihr eine Woche im Nobel-Hotel, nutzte, ohne ihr Wissen, auch ihre Kreditkarte und war dann noch so dreist, mit ihr zur Bank und zur Polizei zu gehen, um anzuzeigen, dass da etwas nicht stimmt. Der junge Mann versuchte zudem, sich in einer Zoohandlung eine echte Mieze zu ergaunern – keinen einfachen Stubentiger, sondern eine Rassekatze für knapp 800 Euro.

Bei den Ermittlungen hatte Jonas L. das „Blaue vom Himmel“ erzählt, abgewiegelt und anderen die Schuld zugeschoben. Das, so Oberstaatsanwalt Silvio Helmert, lasse er sich in der Verhandlung nicht mehr bieten. Der Verteidiger hatte einige Zeit zu tun, um diese Ansage seinem Mandanten zu vermitteln. Der Angeklagte räumte die Taten dann zwar ein, aber mit teils abenteuerlichen Begründungen. Er könne das mit den Flügen gar nicht verstehen. Seine Mama habe ihm doch erlaubt, mit ihrer Kreditkarte zu buchen. Stimmt nicht. Einen Flug hatte sie ihm gestattet, aber kein „Dauerabo“ und schon gar nicht mit der Kreditkarte ihres Lebensgefährten. Auch für den Hotelbesuch gab es eine „nachvollziehbare“ Begründung: Da es aus dem Abfluss in seinem Bad unangenehm gerochen und der Vermieter nichts unternommen habe, sei er ins Hotel gezogen. Der Vermieter sollte die Rechnung zahlen – knapp 6000 Euro für sechs Nächte im Taschenbergpalais Kempinski plus Serviceleistungen wie Wäschedienst, Barbesuche und Massagen.

Nachdem Jonas L., der keinen Knopf in der Tasche hatte, trotz Mahnungen die Summe nicht beglich, machte die Chefetage von ihrem „Gastwirtspfandrecht“ Gebrauch und nahm ihm Ausweis und Wertsachen als Pfand ab. Der Angeklagte marschierte zur Polizei und zeigte die Männer wegen Unterschlagung an. Das war richtig dreist.

Der 27-Jährige zimmerte sich seine eigene, vornehme Welt. Er habe zuletzt als selbstständiger Vertriebspartner gearbeitet, erklärte er. In Wirklichkeit schwatzte er in einem Call-Center anderen Leuten Nahrungsergänzungsmittel auf. Das kann er allerdings gut. Er hat – wo auch immer - gelernt, mit sorgfältig gewählten Worten anderen ein X für ein U vorzumachen. Zudem machte man es ihm bei seinen Gaunereien einfach. Jonas L. bekam eine letzte Chance und wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 300 soziale Arbeitsstunden ableisten. „Das ist viel, aber neben der abstrakten Freiheitsstrafe sollen Sie auch noch etwas spüren“, so Richter Thomas Hassel.

Von Monika Löffler

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