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Obstzüchter aus Dresden-Pillnitz gehen in die Offensive

Obstzüchter aus Dresden-Pillnitz gehen in die Offensive

aufgemerkt. Ab 2013 sollen in Pillnitz neu gezüchtete Obstsorten in Gartencentern angeboten werden. Die Obstforscher und -züchter des Julius-Kühn-Instituts gehen jetzt in die Offensive, um die selbst gezüchteten und für gut befundenen Sorten zu vermarkten.

Klein- und Hobbygärtner.

Von Catrin STeinbach

Klein- und Hobbygärtner - aufgemerkt. Ab 2013 sollen in Pillnitz neu gezüchtete Obstsorten in Gartencentern angeboten werden. Die Obstforscher und -züchter des Julius-Kühn-Instituts gehen jetzt in die Offensive, um die selbst gezüchteten und für gut befundenen Sorten zu vermarkten. Zu diesem Zweck setzten sich Vertreter des Julius-Kühn-Instituts für Züchtungsforschung und des Verbandes Deutscher Gartencenter an einen Tisch. Zwei deutsche Baumschulen sind seit geraumer Zeit dabei, die Obstbäumchen heranzuziehen.

Wann genau und konkret in wel- chen privaten, inhabergeführten Gartencentern der Verkauf starten soll, steht allerdings noch nicht fest. Zudem arbeiten alle Beteiligten noch am Outfit und am Markennamen, unter dem neue Pillnitzer Obstsorten künftig den Klein- und Hobbygärtnern angeboten werden. "Wir bringen zunächst die Apfelsorten Rekarda und Recolor sowie die Sauerkirschsorten Coralin und Jachim auf den Markt", verrät Dr. Andreas Peil, Apfelzüchter aus dem Julius-Kühn-Institut in Pillnitz. Weitere Sorten werden folgen.

"Pinova" weltweit erfolgreich

Grund für die Vermarktungsoffen- sive: In Pillnitz werden leckere, aro- matische und gegen Krankheiten widerstandsfähige Obstsorten gezüchtet. Aber viel zu wenige erlangen im Obstbau wirklich Bedeutung. "Mit der Apfelsorte Pinova haben wir einen Knaller gebracht. Mittlerweile wird die Pinova-Farbmutante Evelina sogar in den USA angebaut. Aber es hat 20 Jahre gedauert, bis die damals noch von Johann Schmadlak, Heinz Murawski, Christa und Manfred Fischer gezüchtete Sorte um das Jahr 2000 so langsam Bedeutung erlangte und ihren Siegeszug um die Welt antrat", weiß Andreas Peil.

Ansonsten tauchen in Pillnitz gezüchtete Apfelsorten nicht in den Gemüseabteilungen von Lebensmittel-Großmärkten auf. Neue Sorten zu etablieren sei schwer, "wenn sie nicht dem Mainstreamgeschmack fest, crisp, süß entsprechen und das Fruchtfleisch nicht einem Druck von 7 Kilogramm pro Quadratzentimeter standhält, damit durch Lagerung und Transport keine Druckstellen entstehen", erläutert der Apfelzüchter. "Für den Klein- und Hausgarten sind unsere aromatischen, saftigen Apfelsorten aber prima geeignet. Da kann sich jeder schließlich hinpflanzen, was ihm wirklich schmeckt."

Was Gartenfreunde lecker finden, haben die Obstzüchter des Julius-Kühn-Institutes zum Beispiel vergangene Woche wieder getestet - beim Pillnitzer Apfeltag. Zig verschiedene Sorten aus der Apfelsortensammlung und neue Kreuzungen wurden dort zur Verkostung angeboten. Danach konnten die Besucher einen Fragebogen ausfüllen, welcher Apfel ihnen wie und warum geschmeckt hat oder auch nicht. "Diese Fragebögen werten wir jetzt aus", so Peil. "Ich bin gespannt, ob sich die Meinung der Leute mit unserer deckt."

Auf Expedition im Nordkaukasus

Er selbst verspeist in Summe pro Tag etwa fünf Äpfel, um die Früchte neuer Kreuzungen zu bewerten. Seine Assistentin ebenfalls. In der erst kürzlich eingeweihten neuen Kühl- und Lagerhalle auf dem Versuchsgelände in Dresden-Pillnitz harren im "Tütenlager" noch hunderte verschiedene Zuchtklone der Verkostung. "Nicht immer ein Vergnügen", schmunzelt der Apfelforscher und reicht einen Schnitz eines herrlich rotfleischigen Apfels. Der Fotograf und ich sind uns einig, als sich unse- re Gesichter wieder "entfaltet" haben: Bei dem ist Potential für Verbesse- rung.

Bis eine neue Obstsorte vermarktungsfähig ist, vergehen in der Regel 20 Jahre. "Um bestimmte Resistenzen zu erreichen, braucht es noch mehr Zeit. "70 Jahre hat es gedauert, um beim Apfel eine Schorfresistenz einzukreuzen. Trotzdem gibt es bis heute immer noch keine weltweit angebaute schorfresistente Sorte", nennt Peil ein Beispiel.

2011 und 2012 waren Pillnitzer Obstzüchter gemeinsam mit Kollegen des Allrussischen Instituts für Pflanzenbau in St. Petersburg auf Expedi- tion im Nordkaukasus. Gesammelt wurden dort Samen von heimischen Wildobstarten von Apfel und Birne. "Sehr interessantes Material, das künftig in der Resistenzzüchtung verwendet werden soll", sagt Prof. Viola Hanke, die Chefin des Pillnitzer Julius-Kühn-Institutes.

Diese Pillnitzer Obstsorten kommen 2013 in den Handel:

Rekarda: überwiegend rot gestreifter Apfel; zartfleischig, säurebetont; Mitte Oktober pflückreif, November bis Februar genussreif; geringer Schnittaufwand; schorfresistent, wenig anfällig gegen Mehltau; unempfindlich für Spinnmilbe und Bakterienbrand

Recolor: überwiegend dunkelroter Apfel; mittelfestes Fruchtfleisch, süßlich-ausgeglichener Geschmack; Mitte September pflückreif, von der Ernte bis Mitte November genussreif; schorfresistent, gering bis mittel anfällig gegen Mehltau, unempfindlich für Spinnmilbe und Bakterienbrand

Coralin: Sauerkirsche; ausgeglichener Geschmack; aufrechter, mittelstarker Wuchs, Baum verzweigt sich gut, hat gesundes Laub und nur geringe Neidung zu verkahlen

Jachim: Sauerkirsche; säuerlich; aufrechter, säulenförmiger Wuchs mit hohem Zierwert für den Garten; gesundes Laub, geringe Neigung zu verkahlen; tolerant gegenüber Blattkrankheiten

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2012

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