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Oberbürgermeisterin a. D.

Dresden: Helma Orosz hat ins Privatleben gefunden Oberbürgermeisterin a. D.

Auf ihrer Visitenkarte steht: Oberbürgermeisterin a.D. Helma Orosz ist seit anderthalb Jahren im Ruhestand und hat ihren Rhythmus gefunden. „Ich habe alles richtig gemacht. Mir geht es gut“, sagt sie. Besonders für die Familie ist jetzt endlich Zeit.

Alles richtig gemacht: Helma Orosz.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. „Oberbürgermeisterin a. D.“ steht auf der schlicht gehaltenen Visitenkarte. Wenn sie in der Stadt unterwegs ist, werde sie aber noch regelmäßig gegrüßt, sagt Helma Orosz. „Da kommen Eltern mit Kindern auf mich zu oder Rentner, dann unterhält man sich freundlich.“ Seit anderthalb Jahren ist Dresdens Oberbürgermeisterin „a. D.“, und sie hat sich in ihr neues Leben gefunden.

„Schwierig war es eigentlich nur den ersten Monat nach dem Ausscheiden aus dem Amt. Da habe ich mir manchmal die Frage gestellt, ob der Schritt richtig war, ob ich nicht vielleicht mit einem neuen Medikament doch länger hätte durchhalten können.“ Diese Gedanken würden sie nicht mehr beschäftigen: „Ich habe alles richtig gemacht.“

Leichtgefallen sei es ihr nicht, das Amt aufzugeben, das ihr sehr viel bedeutet habe. „Aber ich habe nicht ohne Grund aufgehört. Wenn man sich eingestehen muss, dass man nicht mehr 100 Prozent geben kann, dann darf man nicht in einem Amt verharren, das ein Vielfaches erfordert.“ Im Sommer 2014 habe sie für sich entschieden: Zum Jahresende ist Schluss. „Aber dann bin ich gebeten worden, noch bis zum 70. Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Amt zu bleiben.“ So kam es, dass sich Helma Orosz erst Ende Februar 2015 ins Privatleben verabschiedete.

„Mir geht es gut“, sagt sie, endlich habe sie Zeit für die Familie, die während 25 Jahre intensiver politischer Arbeit zu kurz gekommen sei. Jetzt könne sie sich um die beiden Enkel kümmern und auch mal zum Elternabend gehen, wenn ihre Tochter keine Zeit dafür habe. „Die Familie kam viele Jahre zu kurz“, gibt Helma Orosz zu, „wir wurden in den 1990er Jahren ins Wasser geworfen. Es war eine spannende und kreative Zeit, eine nie dagewesene Herausforderung. Eigentlich haben wir damals rund um die Uhr gearbeitet. “

Jetzt könne sie über ihren Terminkalender – es ist ein schwarzes Buch – selbst bestimmen und ihren Rhythmus leben. Die Chemotherapie habe bis heute Nachwirkungen, mit denen sie aber nun anders umgehen könne. „Ich kann mich besser darauf einstellen und mein Leben nach meinen Bedürfnissen organisieren.“ 2011 war Helma Orosz schwer an Krebs erkrankt und hatte ein Jahr pausiert, ehe sie sich ins Amt zurückkämpfte und sogar mit einer zweiten Amtszeit liebäugelte. „Doch daraus wurde leider nichts.“

Nicht nur bei den Dresdnern ist die Oberbürgermeisterin Helma Orosz präsent. „Nach einem Monat Ruhe kamen die Anfragen. Wenn ich nur die Hälfte davon angenommen hätte, wäre ich mehr ausgelastet als in meinem Amt“, meint sie lächelnd. Sie hat ausgewählt und sich für die Schirmherrschaft beim Sonnenstrahl e.V. entschieden, der sich um krebskranke Kinder und ihre Familien kümmert. Sie ist Botschafterin für den Dresdner Kreuzchor und Mitglied im Kuratorium der Konrad-Adenauer-Stiftung Deutschland, arbeitet in der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheit an der Umsetzung des neuen Präventionsgesetzes mit.

Helma Orosz engagiert sich für den Semperopern-Ball und ist Sonderbeauftragte des sächsischen Ministerpräsidenten für den Tag der Deutschen Einheit. Die zentralen Feierlichkeiten finden in Dresden statt, die Oberbürgermeisterin a. D. besucht Unternehmen und bittet um Unterstützung – Geld, Sachleistungen, Personal. „Auf der einen Seite ein Knochenjob“, sagt sie, „auf der anderen macht es aber auch Spaß, Betriebe und Menschen zu besuchen, die ich seit vielen Jahren kenne und teilweise persönlich begleitet habe.“

Sie werde darauf achten, dass die Ehrenämter nicht zum Vollzeitjob werden. „Tag der Deutschen Einheit ist nur einmal in Dresden, der Kreuzchor feiert nur dieses Jahr 800. Jubiläum. Es wird wieder ruhiger“, sagt sie. Wenn sie das Gefühl habe, sie müsse raus, dann könne sie auch verreisen. Nicht wie 2013, als der Urlaub in Portugal gebucht war, dann aber die Flut kam. Auf Mallorca sei sie dieses Jahr schon gewesen, jetzt sei die Ostsee das Ziel, wenn es kalt wird, reise sie vielleicht noch einmal ins Warme.

„Ich blicke mit einem angenehmen Gefühl auf die Vergangenheit zurück. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Ämter ausüben durfte.“ Jetzt, sagt sie, hoffe sie, dass die Gesundheit ihr noch viele Jahre dazu verhelfe, Dinge zu erleben, für die sie ein Vierteljahrhundert nie Zeit hatte. „Ich habe eine tolle Familie, einen kleinen, aber stabilen Freundeskreis und lebe in einer wunderschönen Stadt.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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