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Obdachloser hilft Leidensgefährten - Helmut Richard Brox betreibt seit Jahren eine Internetseite für Obdachlose

Obdachloser hilft Leidensgefährten - Helmut Richard Brox betreibt seit Jahren eine Internetseite für Obdachlose

Helmut Richard Brox ist obdachlos und ein Mann, den die meisten auf der Straße übersehen, wenn sie an ihm vorübergehen. Mancher wird den Kopf über ihn schütteln und sich von seiner Anwesenheit gestört fühlen, wenn er draußen auf einer Bank schläft.

Von Hauke Heuer

Würden die Leute ihm anders begegnen, wenn sie wüssten, dass Brox für den deutschen Engagementpreis nominiert ist und derzeit die Vergabe des Bundesverdienstkreuzes an den Obdachlosen geprüft wird? Wahrscheinlich würden sie es nicht glauben.

Seit 2007 betreibt Brox die Internetseite "ohnewohnung-wasnun.de". Das ist die erste Internetplattform, die gesammelte Informationen für Obdachlose, Nichtsesshafte und mittellose Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen bereitstellt. 900 Einrichtungen in ganz Deutschland werden in der Datenbank katalogisiert und beschrieben. Hier finden die Bedürftigen Hinweise auf einen Platz zum Schlafen, eine Essensausgabe und Beratungsangebote. Auf die Angaben der Internetseite können sie sich verlassen, Brox hat alle aufgeführten Adressen selbst besucht. "Ich lebe seit 1989 auf der Straße und habe gerade in den ersten Jahren viel Lehrgeld zahlen müssen. Ich will meine Erfahrung an andere Obdachlose weitergeben, um ihnen das Leben ein bisschen leichter zu machen", sagt er. Mit seiner Erfahrung half er auch schon Günter Wallraff bei der Recherche zu dessen Film "Unter Null", der das Leben von Obdachlosen thematisiert. Wallraff war es auch, der ihn für das Bundesverdienstkreuz vorschlug.

Brox Lebensgeschichte ist von schlechten Startvoraussetzungen und Rückschlägen geprägt. 1964 in Mannheim geboren, kam er schon in früher Jugend in ein Kinderheim. Bis zu seinem 18. Lebensjahr durchlief er verschiedene Pflegefamilien und Einrichtungen. Dabei wurde er nach eigenen Angaben mehrmals misshandelt und gedemütigt. Brox, schon damals von kräftiger Statur, wehrte sich gegen einen Aufseher, der ihn bedrängte und kam in das Landesjugendheim für schwererziehbare Jugendliche nach Stutensee bei Karlsruhe. Immer wieder büxte er aus und lebte schließlich schon als Jugendlicher eine lange Zeit auf der Straße. Bereits mit 14 begann er Kokain zu schnupfen. Sein Lebensweg schien von Anfang an vorgezeichnet. "Die Erfahrungen meiner Jugend haben mein ganzes Leben geprägt. Ich weiß nicht, wo ich jetzt stehen würde, wenn ich in einem anderen Kontext aufgewachsen wäre," sagt Brox.

Genauso problembehaftet wie seine Jugend gestalteten sich auch die folgenden Jahre. Die erste Zeit nach seinem 18. Geburtstag schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Doch das Geld reichte nicht und seine Kokainsucht hinderte ihn daran, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Nach zwei Wohnungsräumungen in den Jahren 1986 und 1989 beschloss er, fortan auf der Straße zu leben. "Zuerst sollte das nur vorübergehend sein", erinnert sich Brox, "doch seitdem habe ich nie mehr einen festen Wohnsitz gehabt." Auch ein erfolgreicher Kokainentzug in der Heidelberger Landespsychiatrie ließ ihn keinen Weg aus der Perspektivlosigkeit finden.

Ein Wendepunkt in seinem Leben war der Winter 1999 in Berlin. Auf der Oranienburger Straße nahe der Synagoge suchte er in einem Internetcafe Zuflucht vor einem Regenschauer. Hier erklärten ihm ein paar Computerfreaks in einem dreistündigen Crashkurs den Umgang mit Computern und richteten ihm seine erste eigene E-Mail Adresse und eine Homepage ein. Brox blieb am Ball, gab sein letztes Geld für Internetcafes und Computerzeitschriften aus. Als er 2004 im thüringischen Gotha keine Bleibe fand, weil er einer falschen Information aufsaß, ärgerte er sich dermaßen, dass er beschloss, eine Homepage für Obdachlose zu erstellen. Heute besuchen circa 1000 Nutzer täglich und regelmäßig seine Internet-Seite, obwohl Obdachlose zwangsläufig nicht über einen Internetzugang verfügen. "Die Annahme, dass Obdachlose das Internet nicht benutzen, ist falsch. Nach meiner Erfahrung nutzt jeder Zweite relativ regelmäßig das Internet. Gerade die Jüngeren findet man öfter in Internetcafes", erklärt Brox diese Tatsache.

Derzeit geht es für ihn bergauf. Durch die Nominierungen ist Brox die Aufmerksamkeit der Presse sicher und in Dresden hat er über das Internet eine Freundin gefunden. Auf der Straße lebt er aber immer noch und Geld bekommt er für sein Projekt nicht. Die Serverkosten bezahlt er aus eigener Tasche, denn das auf seiner Internetseite eingerichtete Spendenkonto hat ihm im vergangenen Jahr gerade mal 15 Euro eingebracht.

ohnewohnung-wasnun.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.07.2012

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