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Nur noch 100 Tage: Galgenfrist für die Werft in Laubegast

Nur noch 100 Tage: Galgenfrist für die Werft in Laubegast

In Dresden-Laubegast gehen die Lichter aus. Die Werft an der Elbe hat noch genau 100 Tage. Findet sich bis Ende Februar kein Investor, der das Traditionsunternehmen übernimmt, stehen die 20 Mitarbeiter auf der Straße.

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Wartungsarbeiten an Dampfern stehen zur Zeit im Mittelpunkt in der Laubegaster Werft. Das Dresdner Unternehmen ist im Moment voll ausgelastet.

Quelle: Martin Förster

Von christoph Springer

Noch im November soll ihnen gekündigt werden, sagte gestern Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko. "Für die Werft ist es fünf vor zwölf", stellte er fest. Bis Februar habe das Unternehmen Arbeit, weitere Aufträge gebe es nicht. Weil ihm als Insolvenzverwalter nicht erlaubt sei, mit der Werft Verluste zu machen, müsse er die Firma dann schließen.

"Montag den 19.11.2012 Versammlung um 9 Uhr, einberufen von Dr. Danko, im Speiseraum der Werft", stand gestern auf einer Tafel am Eingang des Bürobaus auf dem Gelände zwischen Elbe und Österreicher Straße. Die Mitarbeiter wussten seit vergangenem Mittwoch von dem Termin. Um keine Unruhe zu stiften, sei ihnen aber nicht gesagt worden, was das Thema der Versammlung ist, berichtete Betriebsrat Wolfgang Reichelt.

"Ich habe von der Investorensuche berichtet", erklärte Insolvenzverwalter Danko das Treffen. Drei Interessenten gebe es noch. Vorzugskandidat ist dabei die Schiffswerft in Roßlau (Sachsen-Anhalt). Das Unternehmen, das zur Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven gehört, sei "seit einigen Wochen" im Rennen, so Danko. Die Sächsische Dampfschiffahrt, die seit Monaten ein von ihm erarbeitetes Übernahmekonzept prüft, ist deshalb auf den zweiten Platz der Liste mit den Wunschkandidaten für die Werftübernahme abgerutscht. Außerdem gebe es noch einen dritten Interessenten, dessen Namen nicht genannt werden dürfe, sagte Danko.

Der Optimismus in Laubegast ist ungebrochen. "Wir müssen rational mit der Situation umgehen", sagte Werftleiter Udo Rehm zu der schlechten Nachricht, die der Insolvenzverwalter gestern verkündet hat. "Wenn ich gefühlsmäßig hier schon abgeschaltet hätte, dann wäre ich nicht mehr hier", beschrieb er sein Verhältnis zu dem Traditionsunternehmen, in dem zurzeit unter anderem vier Dresdner Dampfer auf dem Trockenen liegen und überholt werden.

Betriebsrat Wolfgang Reichelt ist davon überzeugt, dass die 20 Mitarbeiter nicht sonderlich überrascht waren über das, was ihnen der Insolvenzverwalter gestern zu sagen hatte. "Wir haben das erst einmal so hingenommen", sagte er zur der Galgenfrist, die dem Dresdner Unternehmen nun noch bleibt. "Da musste jeder mit rechnen, ich denke, die meisten Kollegen haben das schon verinnerlicht". Viel Zeit zum Nachdenken haben die Werftmitarbeiter derzeit ohnehin nicht. Wie immer nach der Dampfersaison haben sie alle Hände voll zu tun, selbst sonnabends wird gearbeitet, um alle Aufträge fristgerecht erledigen zu können. Dabei hat ausgerechnet die "Dampfschifffahrt" der Werft in diesem Jahr einen Bärendienst erwiesen. Ein hochdotierter Reparaturauftrag für den Dampfer "Stadt Wehlen" ging nach Roßlau. Dort wurde noch ein zusätzlicher Schaden an dem Schiff entdeckt. Den Laubegastern ist damit ein Auftrag in sechsstelliger Höhe entgangen.

Genau das Unternehmen, das der Werft in Dresden diesen Auftrag abgejagt hat, gilt nun als Vorzugskandidat, geht es um die Rettung der Laubegaster Firma. Die Roßlauer Werft gehört zu einer Unternehmensgruppe mit 19 Standorten und etwa 1200 Mitarbeitern. Marcus Rönner, der Chef des Brückenbauunternehmens "Stahlbau Dessau" und Werftgesellschafter im benachbarten Roßlau hat auch bei der möglichen Werftübernahme in Dresden das Sagen. Er äußerte sich gestern nicht zu dem Thema.

Der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschiffahrt, Sebastian Meyer-Stork, war bis zum Abend nicht zu erreichen. Lediglich der Verkehrsbetriebe- und Drewag-Chef Reiner Zieschank war zu sprechen. "Wir tun alles Vertretbare, um die Werft zu unterstützen", sagte er und kündigte an, das Sommerloch der Schiffsbauer auch 2013 mit Arbeit zu stopfen. Da könnte es für Laubegast aber zu spät sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.11.2012

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