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Novaled: Eine kleine Firma aus Dresden gehört zu den Branchenriesen

Novaled: Eine kleine Firma aus Dresden gehört zu den Branchenriesen

„Der ideale Fall für OLED ist ein Actionfilm“, sagt der Physiker Jan Blochwitz-Nimoth. Der 42-Jährige erläutert die Vorzüge organischer Halbleiter am Beispiel des Fernsehens.

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Ein Laborant prüft im Physiklabor der Novaled AG Strukturen sogenannter Organic Light Emitting Diodes - lichtemittierende Dioden aus organischen Materialien (OLED).

Quelle: dpa

Wenn bei nächtlicher Jagd ein Polizeihubschrauber ein Auto verfolge, gerate herkömmliche Bildschirmtechnik an ihre Grenzen. Die starken Hell- Dunkel-Kontraste könnten von einem LCD-Schirm (Liquid Crystal Display) nicht angemessen wiedergegeben werden, weil er entweder auf helle oder dunkle Bereiche fokussiere, sagt der Forscher.

Und auch ein anderer Vorzug dürfte Zuschauer erfreuen. Ein OLED-Display garantiert aus jedem Blickwinkel gleiche Bildqualität. Sogar eine Großfamilie bleibt so im Halbkreis um das Gerät bestens im Bilde. OLD steht für Organic Light Emitting Diodes - lichtemittierende Dioden aus organischen Materialien.

Das Forschungsunternehmen Lux Research (Boston) wählte die Dresdner unlängst unter die Top Ten der innovativsten Firmen. 2011 hat Blochwitz-Nimoth mit seinen Kollegen Karl Leo und Martin Pfeiffer den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhalten - für organische Elektronik, die Licht und Energie aus hauchdünnen Molekülschichten liefert. Schon zehn Jahre zuvor hatte das Trio in Dresden die Firma Novaled gegründet. Sie gehört heute zu den Riesen auf dem OLED-Markt - obwohl 130 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von 20 Millionen Euro auf den ersten Blick nicht rekordverdächtig wirken.

Aber als Zulieferer von Materialien und Technologie für die OLED-Displays von Samsung gehört Novaled zu den Globalplayern. Bei Mobiltelefonen setzen die Südkoreaner bereits auf organische Halbleiter. Nun kommen großflächige TV-Geräte mit OLED auf den Markt. Davon verspricht sich Novaled-Chef Gildas Sorin viel Dynamik. Denn in den kommenden Jahren würden auch andere Hersteller von TV-Geräten auf OLEDs umrüsten, sagt der Franzose: „Unser Geschäft ist nicht das Endprodukt. Unser Geschäft sind die organischen Materialien, die benötigt werden, um das Endprodukt herzustellen.“

Für Novaled sei es besser, Geld in neue Entwicklungen zu stecken und Partner zu suchen als sich um Endprodukte zu kümmern. Meldungen, wonach die Samsung- Tochter Cheil Industries die Dresdner übernehmen will, nimmt Sorin ohne Kommentar lächelnd zur Kenntnis. „Wir sind bereit, mit allen zu diskutieren. Das bedeutet nicht, dass Entscheidungen in welche Richtung auch immer gefallen sind.“ Novaled hat die OLEDs nicht erfunden. Erste Patente von Kodak stammen aus den späten 1980er Jahren. Dennoch fiel die Technologie in Dresden auf fruchtbaren Boden.

Schon vor dem Fall der Mauer hatten Forscher hier Wissen über Farbstoffe angehäuft. „Farbstoffe sind organische Moleküle, die oft Halbleitereigenschaften haben“, erläutert Blochwitz-Nimoth. Mit einer gezielten Beimischung anderer Stoffe, die frei bewegliche Elektronen erzeugen, lasse sich auch die Leitfähigkeit solcher Farbstoffe erhöhen. Das Prinzip ist aus der klassischen „Halbleiterei“ mit Silizium bekannt. Blochwitz-Nimoth hatte die Idee, die Dotierung mit fremden Molekülen bei OLEDs einzusetzen.

Grundsätzlich lässt sich organische Elektronik derzeit auf drei Felder reduzieren. Neben Displays sind das Beleuchtung und organische Photovoltaik (OPV) - Solarzellen der dritten Generation. Sie sollen ähnlich wie beim Zeitungsdruck auf flexible Folien gedruckt werden. Auch wenn die Photovoltaik momentan schwächelt, ist Sorin von ihrem Siegeszug überzeugt: „Die Menschheit wird ohne Solarenergie nicht überleben.“

Der Branchenverband Semi Europe schätzt den Weltmarkt für flexible Photovoltaik derzeit auf ein Volumen von 2,6 Milliarden Dollar (knapp 2 Mrd Euro). Laut Marktforschungsunternehmen Nanomarkets soll der Umsatz von Dünnschicht- und OPV-Photovoltaik bis 2015 auf 7,5 Milliarden Dollar (rund 5,8 Euro) wachsen. Bei OLEDs für Displays und Beleuchtung könnte der Umsatz nach Ansicht von Semi Europe 2015 sogar auf rund 20 Milliarden Dollar (15,4 Mrd Euro) klettern. Die Analysten von Display Search rechnen bei allen organischen Halbleitern 2015 mit 22,4 Mrd Dollar (17,2 Mrd Euro) - 2012 steht ein Wert von 6,8 zu Buche.

Auch bei der Beleuchtung erwartet man einen Boom. „OLEDs werden nicht ohne Grund als Licht der Zukunft bezeichnet. Durch ihre geringe Wärmeentwicklung und die Blendfreiheit werden sie auch zunehmend in Operationssälen eingesetzt“, heißt es bei Semi Europe.

Jörg Schurig, dpa

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