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Noch acht Monate Betonarbeiten an der Waldschlößchenbrücke

Noch acht Monate Betonarbeiten an der Waldschlößchenbrücke

Der Mann mit dem Funkgerät auf der Brücke hat alle Hände voll zu tun. "Das ist unser Warschauer", sagt Oberbauleiter Hans-Joachim Kummert in Anlehnung an die Bezeichnung des Beobachtungspostens bei der Seefahrt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Der "Warschauer" warnt seine Kollegen, die auf einem Gerüst unter der Brücke und über der Elbe stehen, vor vorbeifahrenden Schiffen. "Sie bauen die Schalung ab und da kann schon mal etwas runterfallen", so Kummert. "Das sollte natürlich nicht ein Schiff treffen." Zum Ende der Herbstferien ist die Sächsische Dampfschiffahrt noch einmal mit allen Dampfern unterwegs, entsprechend oft stoppt der "Warschauer" seine Kollegen.

Das Stromfeld der Waldschlößchenbrücke ist mittlerweile fertig betoniert, doch so richtig vom Fleck kommen die Betonarbeiten nicht. 30 bis 35 Arbeiter verlieren sich auf der Baustelle, emsiges Treiben sieht anders aus. Auf der Neustädter Vorlandbrücke ist noch nicht eines der zehn zu betonierenden Felder fertig, auf der Altstädter Vorlandbrücke haben die Bauarbeiter mittlerweile fünf Felder geschafft. "Das sechste Feld wird bewehrt, das siebente geschalt, an den Feldern acht bis elf wurde noch nicht gearbeitet", rechnet der Oberbauleiter vor. Zwei Wochen braucht die Baufirma, um ein Feld zu betonieren - bei 16 noch ausstehenden würde es also noch acht Monate dauern, bis das Brückenbauwerk eine geschlossene Fahrbahnplatte hat. Und das auch nur, wenn der Winter durchgängig Betonierarbeiten zulässt - auch im Tiefland keine Selbstverständlichkeit mehr.

"Laut Ablaufplan sollte ein Feld nur fünf bis zehn Tage dauern", ärgert sich Kummert, "wir sind nicht einverstanden mit dem Tempo der Arbeiten und setzen den Baubetrieb immer mal wieder in Verzug. Mehr können wir nicht tun", meint er beherrscht, ehe es dann doch aus ihm herausbricht: "Manchmal nervt das ganz schön."

Zwei Bauabschnitte gebe es an der Waldschlößchenbrücke: Der Bereich Stauffenbergallee, Waldschlößchenstraße und die Tunnel unter der Bautzner Straße seien Abschnitt zwei - hier würden die Arbeiten planmäßig zur Zufriedenheit aller Beteiligten ablaufen. "Wir sind schon bei der Landschaftsgestaltung, haben Bäume an der Bautzner Straße gepflanzt", erklärt Kummert. Probleme bereite Abschnitt eins - hier gebe es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Bauherrn und seinen in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefassten Betrieben.

"Wir gehen immer noch davon aus, dass die Brücke im Mai 2012 fertig wird. Es wäre nicht korrekt, wenn wir Abstriche an dem Termin machen würden", sagt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) fast schon ein bisschen trotzig. Die Stadt warte ab, was ihre beim Landgericht eingereichte Feststellungsklage gegen die Baufirmen bewirkt. Einen Verhandlungstermin gebe es zwar noch nicht, aber die Stadt habe Druck aufgebaut: "Immerhin arbeitet die Firma jetzt auch mit halber Besetzung an den Sonnabenden."

Der Vorwurf der Baubetriebe, die Stadt würde berechtigte Forderungen der Firmen nicht bezahlen, sei falsch, betont Marx. "Es gibt berechtigte Nachforderungen, da zahlen wir. Und es gibt umstrittene Nachträge. Das ist eine juristische Frage. Wir können uns ja nicht alles gefallen lassen. Es geht schließlich um die Gelder des Steuerzahlers."

Mittlerweile gebe es drei Zeitpläne für die Fertigstellung der Brücke: Den offiziellen, der Mai 2012 vorsieht. Einen inoffiziellen und einen von den Baufirmen erarbeiteten - jeweils mit deutlich späteren Terminen, die bis ins Jahr 2013 hineinlangen.

"Die Auftragnehmer müssen sich auch mal an den eigenen Vorgaben messen lassen", meint Marx. Vergiftet sei das Klima zwischen Bauherrin und Baufirmen aber nicht. "Das gehört heute leider zum Geschäft auf dem Bau." Marx freut sich lieber an kleinen positiven Dingen. Alle Bohrpfähle, die im Zuge des Verschubs der Strombrücke in den Elbegrund gerammt wurden, sind beseitigt worden. Mehrere Tonnen Sandsteinpflaster wurden angeliefert, mit denen der Uferbereich unter der Brücke befestigt werden soll. Die Aussicht von der Brücke ist bei sonnigem Herbstwetter fantastisch. 157 Millionen Euro Baukosten für den Verkehrszug Waldschlößchenbrücke waren ursprünglich kalkuliert worden, dazu hat die Stadt einen Puffer von 25 Millionen Euro für Nachforderungen eingeplant. "In diesem Rahmen bewegen wir uns. Wir mussten den Puffer noch nicht erhöhen", sagt der Baubürgermeister.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.10.2011

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