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Nichts für Weicheier - Steuerfahndung ist kein Zuckerschlecken

Nichts für Weicheier - Steuerfahndung ist kein Zuckerschlecken

Spürsinn, einen langen Atem und vor allem ein ganz dickes Fell. Das ist es, was ein Steuerfahnder laut Gesa Breidenbach braucht. Tagtäglich treibt die Leiterin der Steuerfahndung im Finanzamt Dresden-Nord gemeinsam mit etwa 80 anderen Beamten die Summen ein, die nötig sind, damit unser Land funktioniert.

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Die Steuerfahnderin Gesa Breidenbach ist täglich Steuersündern auf der Spur. Eine Sicherheitsschranke schützt sie vor möglichen Übergriffen in ihrem Büro.

Quelle: Carola Fritzsche

Dennoch werden Steuerfahnder oft beschimpft, bedroht und in einigen Fällen sogar körperlich angegriffen. "Mir gegenüber ist noch niemand handgreiflich geworden", berichtet Gesa Breidenbach. "Wer aber bei der Steuerfahndung arbeiten will, sollte mit Beleidigungen und Beschimpfungen umgehen können. Schwache Nerven dürfen Sie hier nicht haben", meint die 45-Jährige.

Hinter die Fassade der Steuerfahndung zwischen den dicken Mauern des Finanzamtes an der Rabener Straße dürfen nur wenige blicken. Die Büros der Beamten sind in einer Art Sicherheitstrakt untergebracht. Nur wer einen speziellen Zugangsschlüssel hat, kann die Räume betreten. "Wir wollen vermeiden, dass hier aufgebrachte Beschuldigte aus und ein gehen können wie sie wollen", erklärt Breidenbach. "Viele Steuerhinterzieher sehen sich nicht wirklich in der Schuld und wollen ihrem Ärger dann Luft machen", setzt die Rheinländerin hinzu. Durch die Sicherheitsschranke kämen sie erst gar nicht in die Versuchung, handgreiflich zu werden.

Anders sieht es da bei den öffentlichen Stellen der Finanzämter aus. "Den Frust der Bürger bekommen immer zuerst wir Sachbearbeiter ab. Ich versuche viel über Briefkontakt zu kommunizieren, da bleibt der Ton sachlich", sagt der Dresdner Finanzbeamte Tino Ulbrich. "Die Kollegen im Außendienst werden oft beleidigt, bekommen Drohanrufe. Einige von uns haben zwar eine Nottaste am Rechner, aber wirklich absichern kann man sich gegen Angriffe nicht", erklärt er. Die Angst des Beamten ist nicht unbegründet. 2010 machte ein Mann in Leipzig seinem Ärger über eine Steuernachzahlung Luft, indem er einen Beamten im Finanzamt mit Spiritus übergoss. Im letzten Moment konnte der Angreifer überwältigt werden. Ein anderer Leipziger Beamter wurde in der Straßenbahn überfallen. In Freiberg bewarf ein aufgebrachter Bürger einen Außendienstler mit einer Axt.

Solche Fälle seien aus Dresden aber nicht bekannt, meint Detlef Junge, Sachgebietsleiter der Dresdner Steuerfahndung. Vor Jahren sei einmal ein Täter bei einer Razzia auf einen Kollegen mit den Fäusten losgegangen. "Das war Anfang der 90er, eine ganz andere Zeit." Dennoch sei die Stimmung bei Durchsuchungen oft aggressiv. "'Vom Stasimann' bis hin zu 'Das sind ja Methoden aus dem dritten Reich' habe ich schon so einiges gehört", sagt Detlef Junge.

Auf den Schreibtischen der Dresdner Steuerfahnder landeten im vergangenen Jahr rund 1300 Fälle, von denen 150 zur Anzeige gebracht wurden. 2012 haben Sachsens Steuerfahnder etwa 73 Millionen Euro aufgespürt, die am Fiskus vorbeigeschleust wurden. Sächsische Steuerhinterzieher wurden insgesamt zu 105 Jahren Haft verurteilt und mussten 1,2 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Bis zu 50 Milliarden Euro gehen dem deutschen Staat jährlich durch Steuerhinterziehung durch die Lappen.

Dass es überhaupt möglich ist, immer wieder Steuern zu hinterziehen, liegt laut Gesa Breidenbach auch am System der Umsatzsteuer. Vor allem Unternehmer nutzten ein bestimmtes Schlupfloch immer wieder aus. "Durch den sogenannten Vorsteueranspruch können sich Unternehmen mit Scheinrechnungen Geld vom Finanzamt auszahlen lassen, dass ihnen gar nicht zu steht. Ehe wir das mitbekommen, ist das Geld jedoch schon über alle Berge", erklärt sie. Das funktioniert so: Beliefert ein Unternehmer einen anderen, zahlt der Käufer die Umsatzsteuer für den Verkäufer. Dieser kann sich die auf der Rechnung ausgewiesene Summe dann vom Finanzamt zurückholen. "Bei gefälschten Rechnungen zahlt das Finanzamt und bemerkt oft erst Monate später, dass da irgendetwas nicht stimmen kann", sagt Breidenbach. Denn bis es hieb- und stichfeste Beweise für eine vermutete Steuerhinterziehung gibt, vergehen oft Monate. Die Fahnder wühlen sich durch tonnenweise Akten, recherchieren in unzähligen Datenbanken und Archiven.

Summen, die auf Konten im Ausland schlummern, sind für die Fahnder noch schwieriger aufzuspüren. Denn eine bundesweite, geschweige denn internationale Vernetzung der Finanzbehörden gibt es kaum.

Doch trotz Anfeindungen, Drohungen und Steuersündern, die den Beamten durch die Lappen gehen: Gesa Breidenbach zeigt keinerlei Anzeichen von Resignation. "Wir machen hier das Richtige", sagt sie lächelnd. "Ich mache meine Job jeden Tag gern."

Susann Schädlich

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