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„Nicht nur Reiche kaufen Tresore“

Kunden stürmen Dresdner Branchenprimus Faust-Tresor „Nicht nur Reiche kaufen Tresore“

Beim größten Dresdner Safe-Anbieter Faust-Tresor boomt seit drei Jahren das Geschäft mit den Privatkunden. Davor hatten vorrangig Behörden und Supermarktketten für Umsatz gesorgt. Doch als der erste Bankencrash 2013 in Zypern Zweifel am Euro säte, begannen aufgescheuchte Kunden, Safes zu kaufen. Der Trend hält bis heute an.

Johannes (l.) und Holger Faust im Vorführraum ihrer Firma Faust-Tresor in Dresden-Reick auf der Lohrmannstraße neben dem Dokumentensafe „Schloss Wolkenstein“.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Medien und Tresorbranche gehen Hand in Hand. Könnten Verschwörungstheoretiker denken, denn in dem Maße, wie die Berichterstattung über unterirdische Zinsraten und überbordende Einbruchsraten hysterischer wurde, wuchs auch die Nachfrage nach Tresoren. Sagt Holger Faust. Und der muss es wissen, denn die von ihm kurz nach der Wende mitgegründete Firma „Faust-Tresor“ ist in der Region der Branchenprimus.

„In den vergangenen drei Jahren hat sich unsere Kundschaft total gewandelt – die übergroße Mehrheit sind jetzt Privatkunden“, erklärt der studierte Maschinenbauingenieur. Er hat das Familiengeschäft im Dezember vergangenen Jahres in die Hände seines Sohnes Johannes (26) gelegt und damit der bereits dritten Generation den Weg in die Zukunft überlassen. Die Idee nämlich, sich in dem Nischenmarkt zu tummeln, hatte Anfang der 1990er-Jahre Gerhard, der Vater von Holger Faust. Für einen Tresorbauer im Westen, den Gerhard gut kannte, erschlossen Vater und Sohn vor 25 Jahren den Markt im Osten.

Anfangs vertrieben die beiden nur Serienprodukte, bald aber auch eigene Entwicklungen und Spezialanfertigungen nach Kundenwunsch. Dafür arbeiten sie mit renommierten Tresorbauern überwiegend in Deutschland zusammen. Und natürlich mit speziellen Transportfirmen, die die Safes auch einbauen können. Dazu bieten sie Dienstleistungen rund ums Produkt an: Beratung, Einbau, Notöffnungen, Reparaturen, Umrüstungen.

Die Liste der Firmenkunden ist unglaublich lang – logisch: Nach der Wende schoss hierzulande der Bedarf von fast Null auf 100. Zu den Referenzobjekten gehören Rathäuser und Ministerien, Banken und Versicherungen, fast alle namhaften Bau- und Supermärkte, Uhren-, Auto- und Flugzeugbauer, Dynamo Dresden und die Eislöwen, Universitäten, Polizei, Verkehrsbetriebe, die Münzsammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen. Nicht zu reden von Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern (die allesamt ihre Betäubungsmittel wegsperren müssen) und von den Sportschützen und Jägern, für deren Waffen hohe Sicherheitsanforderungen gelten. „Wir waren zur Wendezeit mit selbstgebastelten, hundertfach kopierten Katalogen unterwegs“, erinnert sich Holger Faust, und immer fällt ihm noch eine Ecke in Dresden und Umgebung ein, wo seine Firma einen Safe installiert hat.

Den Markt zu beackern, das hat Familie Faust immer mit maximal fünf Leute geschafft. Zwischendurch musste das inhabergeführte Unternehmen sogar durch eine mehrjährige Insolvenz – doch der Name blieb am Markt. „Ich hatte ja Verantwortung für zwei Kinder“, sagt Faust dazu. „Und auch eine gewisse Eitelkeit hat eine Rolle gespielt: Aufstehen und Kämpfen – das war ich mir selbst schuldig!“

„Faust-Tresor überlebte. Und als der Markt für Behörden und Großunternehmen gesättigt war und neue Aufträge trotz eigener Homepage und Online-Shop nicht mehr so einfach zu akquirieren waren, da trat pünktlich die Finanzmarktkrise auf den Plan. „Mit dem ersten richtig schweren Bankencrash in Zypern schwand das Vertrauen in den Euro. Und die Leute kamen zu uns“, erzählt Johannes, der noch relativ neue Geschäftsführer. Inzwischen seien es nicht mehr täglich 20 bis 30 Kunden, wie noch vor einem Jahr, sondern 50 bis 60. Und nichts deutet darauf hin, dass der Zustrom zeitnah abebbt. „Wir haben deshalb für den Vertrieb schon einen vierten Mann eingestellt. Wenn das so bleibt, brauchen wir noch in diesem Jahr einen fünften“, schätzt Holger Faust. Er denkt, dass sich der Umsatz wohl verdoppeln wird.

Über Zahlen reden Vater und Sohn nicht, wohl aber über Pläne zu investieren. Gegenwärtig laufen erst 15 Prozent der Aufträge über den Online-Shop rein, erklärt Johannes, 20 Prozent der Kunden kommen in die Firma, schauen sich die Ausstellung an und lassen sich beraten. Der Rest fordert via E-Mail Angebote an, bestellt dann und wird beliefert. Die Zusammenarbeit mit der Internetagentur Webneo soll die Online-Zugriffe nach oben bringen und die Werbung gleich mit, ein neues Warenmanagement die Abläufe effektiver gestalten. Außerdem erwägen Vater und Sohn, mit dem wachsenden Geschäft auch die eigene Firma anders abzusichern. „Wir werden das Unternehmen wohl in eine GmbH umwandeln“, meint Holger Faust mit Blick auf die Haftungsregeln.

„Nicht nur Reiche kaufen Tresore“, erklärt er auf die Frage, wer sich denn so alles Tresore einbauen lässt. „Auch Normalverdiener haben Angst um ihr Erspartes, wenn sie zum Beispiel arbeitslos werden“, zählt er Gründe für einen Safe-Einbau auf. Und als Kuriosum: Immer öfter kauften Strohmänner einen Safe. Wohl um zu verhindern, dass über Dritte Informationen durchsickern, wo was zu holen ist: „Die Angst vor Einbrüchen wächst, und immer, wenn so was in der Nachbarschaft passiert, haben wir neue Kunden“.

Die kaufen je nachdem, wie sie wohnen und was sie schützen wollen, Möbelsafes oder so genannte „Wertsicherungsschränke“. Die Angebote reichen da von über 100 Euro bis hin zu 10 000 Euro – wenn der Schrank zum Beispiel doppeltürig und mehrwandig ist, spezielle Füllungen und Armierungen und ein extrem ausgeklügeltes Riegelsystem hat, erklären die beiden Profis. Wichtig: Feuerfest muss er sein und potenzielle Diebe solange wie möglich aufhalten. Ihr Lieblingstresor ist der „Königstein“: Der sei, wie der ebenfalls nach sächsischen Burgen und Schlössern benannte Dokumentensafe „Schloss Wolkenstein“ hochwertig verarbeitet und von einem deutschen Institut zertifiziert. Darauf, so meinen beide unisono, sollten Kunden trotz üblicher Schnäppchenjagd achten: Die Siegel der Frankfurter Prüfstelle ECB.S und der Kölner VdS belegen höchste qualitative Standards. Gar nicht so selten würden Produkte ausländischer Hersteller von dort ansässigen Prüfinstituten in Sicherheitsstufen (1-4) eingruppiert, die bei erneuter Prüfung in Deutschland nicht haltbar sind. „Viele deutsche Versicherungen lehnen deshalb ausländische Zertifikate ab, wenn sie für Tresorinhalte haften sollen“, erklärt Holger Faust.

Ob jemand ein Schlüsselschloss, ein mechanisches Zahlenschloss (a la Egon Olsens Lieblingstresor von Franz Jäger) oder ein trendiges elektronisches Tastenschloss erwirbt, auch das entscheidet sich danach, wofür der Safe gebraucht wird. Wer oft auf- und zuschließen muss, wird das teurere Elektronikschloss kaufen, Nostalgiker durchaus das Zahlenkombinationsschloss. Und wer sicher ist, dass er den Schlüssel gut verwahren kann – der kann mit einem Schlüsselschloss sparen.

Von Barbara Stock

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