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Neues Zentrum untersucht Wandel in Sachsen

TU Dresden Neues Zentrum untersucht Wandel in Sachsen

30 Experten gründen Mitte Juni ein neues „Centrum für Demografie und Diversität“ (CDD) an der TU Dresden. Sie wollen dort interdisziplinär nach Antworten auf schrumpfende Geburtenzahlen, Überalterung der Gesellschaft und Zuwanderung suchen.

Symbolfoto

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Der Baby-Boom, die prallgefüllten Kitas und die Zuwanderung junger Familien nach Dresden mögen im Moment darüber hinwegtäuschen. Aber dass der demografische Wandel Sachsen und Dresden doch wieder einholen wird, daran haben die meisten Experten kaum Zweifel. Um Ausmaß, Folgen und Antworten auf diesen Wandel zu untersuchen, wollen die Architektin Prof. Gesine Marquardt und der Arbeitspsychologe Prof. Jürgen Wegge zusammen mit rund 30 weiteren Forschern am 13. Juni an der TU Dresden ein „Centrum für Demografie und Diversität“ (CDD) gründen.

Die Experten aus zahlreichen Fachgebieten möchten in diesem Verbund interdisziplinär den demografischen und sozialen Wandel vor allem in Sachsen untersuchen, die medizinische Versorgung einer künftig stärker von Senioren geprägten Gesellschaft ausloten, die kulturellen Folgen von Einwanderung sowie das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in der Zukunft erforschen. „Diversität“ als Forschungsgegenstand ist hier in einem weiten Sinne zu verstehen: Als auseinanderdriftende Gesellschaft, deren Individuen sich in Alter, kulturellen Bindungen, Geschlecht, Gesundheit und Behinderung stark unterscheiden.

Schon früher hatte es an der Uni einen ähnlichen Forschungsverbund gegeben. Die Aktivitäten dieses „Zentrums für Demographischen Wandel“ (ZDW) waren aber zuletzt fast eingeschlafen, wie die Wissenschaftler (selbst-)kritisch einschätzen. Unterstützt durch das TU-Zentrum für Synergie-Entwicklung versuchen sie nun einen Neustart für die Bevölkerungsforschung.

Denn längst hat der Wandel neue Nuancen gewonnen: Durch die jüngsten Flucht- und Zuwanderungswellen nimmt die Zahl der Menschen in Deutschland wieder zu. Auch wächst in wenigen Zentren wie Dresden und Leipzig die Bevölkerung in Sachsen, während sie im ländlichen Raum schrumpft und überaltert. Auf natürlichem Wege wird aber selbst in den geburtenstarken Großstädten keine langfristig stabile Bürgerzahl zu halten sein.

So prognostizieren die Statistiker für Dresden, dass die Geburtenzahlen bis etwa zum Jahr 2018 noch leicht ansteigen – von rund 6300 auf 6340 Babys pro Jahr –, aber danach deutlich sinken. Inklusive Zuwanderung werden im Freistaat wohl nur Dresden und Leipzig bis 2020 ihre Bevölkerung halten können, fast alle anderen Kommunen aber stark verlieren.

„Selbst in den optimistischeren Bevölkerungs-Vorausberechnungen wird ab etwa 2020 wieder ein Rückgang der Geburtenzahlen prognostiziert – unabhängig davon, wie sich die Geburtenrate weiter entwickelt“, warnt Ökonom Joachim Ragnitz vom ifo Dresden in einer Sachsen-Analyse. „Die Bevölkerung wird mittel- bis langfristig weiter schrumpfen, solange es nicht gelingt, durch Zuwanderung eine Stabilisierung zu erreichen.“

Von Heiko Weckbrodt

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