Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Neue Pläne für das Hotel Stadt Rom in Dresden

Neue Pläne für das Hotel Stadt Rom in Dresden

Das um 1740 errichtete Bürgerhaus Neumarkt 10 gehörte zu den künstlerisch wertvollsten Gebäuden seiner Zeit. Nicht nur die exponierte Lage zwischen Moritzgasse und Kleiner Kirchgasse und seine drei frei sichtbaren Fassadenseiten, auch die nach Knöffelscher Schule gestaltete Eleganz machten das Haus zu einer herausragenden Dominante.

Von genia bleier

Erst 1832 wurde es zum "Hotel Stadt Rom", eine Herberge, die unter anderem von Karl Marx und Casanova bevorzugt worden sein soll. Heute ist das "Stadt Rom" vorerst ein Dauer-Diskussionsstoff mit vielen Pros und noch mehr Contras. Dem Wiederaufbau des Barockhauses stehen Hindernisse entgegen. Der Platz reicht nicht mehr aus bzw. ist inzwischen überbaut.

Vor allem zwei Problemfelder bereiten Sorgen: Für die Errichtung am originalen Standort müssten Teile der 50er-Jahre-Wohnblocks an der Wilsdruffer Straße abgerissen werden. Außerdem will der Nachbar Heinrich-Schütz-Residenz, respektive das Martinshof Diakoniewerk Rothenburg, das "Stadt Rom" wegen zu geringer Abstandsflächen und zu großer Verschattung der Seniorenwohnungen verhindern. So war das Grundstück von der Stadt zwar ausgeschrieben worden und seit Sommer 2008 gibt es mit dem Meistbietenden, Nobelpreisträger Günter Blobel, auch einen potenziellen Investor. Doch dann zog die Verwaltung die Notbremse. Im Januar 2011 hatte Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) das Vorhaben Hotel "Stadt Rom" - eigentlich als Leitbau geplant - beerdigt. Auf der Fläche wurden Bäume gepflanzt.

Werkstattverfahren abgeschlossen

Eine Lösung für diesen städtebaulich wichtigen Punkt zur Abrundung des Neumarkts und zum Übergang vom Barock in die Moderne ist es nicht. Ganz zu schweigen von den 1,36 Millionen Euro für den Grundstücksverkauf, die der Stadtkasse verloren gingen. So hatte der Stadtrat das Stadtplanungsamt mit der Durchführung eines Werkstattverfahrens beauftragt, um verschiedene Varianten fachlich zu prüfen. Schon dessen langer Titel wies auf die Komplexität der Aufgabe hin: "Schichten der Stadt - Diskussion einer stadträumlichen Verflechtung des Neumarktes und der Wilsdruffer Straße am Standort ,Hotel Stadt Rom'".

Auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt beschäftigte sich mit dem verhinderten Leitbau und befragte 2011 die Bürger. Danach wollten laut eigener Angaben 66 Prozent der Befragten das Haus am ursprünglichen Platz wiederhaben. Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent dieser Befürworter stimmte einem von der Gesellschaft vorgeschlagenen Durchbruch durch die Nachkriegsbauten zu.

Seit einem halben Jahr ist das Werkstattverfahren abgeschlossen. Öffentlich wurde es bisher nicht. Angesprochen waren vier Architekturbüros, wovon eines sich wieder zurückgezogen hatte. Büros in Frankfurt/Main, Berlin und Dresden legten ihre Projekte zum Wiederaufbau des "Hotels Stadt Rom" vor. Nach DNN-Informationen konzentrierte sich die Diskussion der Jurymitglieder insbesondere auf die Arbeiten des Dresdner Büros dd1 Architekten und des Berliner Büros Müller/Reimann Architekten. Sie demonstrieren eine sehr konträre Herangehensweise, wobei die Stadt die pragmatischere Lösung von Müller und Reimann bevorzugen soll.

Derzeit würden die Vorschläge noch bewertet und in einer Vorlage für die politischen Gremien zusammengefasst, erklärt Rathaussprecherin Anke Hoffmann auf Nachfrage. Morgen soll die Öffentlichkeit im Ortsbeirat Altstadt gegen 18.25 Uhr (Theaterstraße 11, erste Etage, Raum 100) darüber in Kenntnis gesetzt werden. Das "Hotel Stadt Rom" erhält wieder eine Chance. Nicht zuletzt hatte sich unlängst eine Stadtratsmehrheit für geringere Mindestabstände am Neumarkt und einen Entschädigungsfonds für benachteiligte Nachbarn ausgesprochen.

Neu interpretieren

Variante 2: Zeitnah und praktikabel bauen

Für Thomas Müller und Ivan Reimann vom gleichnamigen Berliner Büro ist Abriss kein Thema. Auch sie haben sich mit dem Kontrast von barocker Kleinteiligkeit und dem großen Maßstab sozialistischen Städtebaus auseinandergesetzt, wie er an dieser Stelle aneinander reibt. Ein Abriss von Teilen der architektonisch hochwertigen Bebauung an der Wilsdruffer Straße stehe eigentumsrechtlichen, wirtschaftlichen, architektonischen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten entgegen. Deshalb sei eine historisch getreue Rekonstruktion des "Hotels Stadt Rom" nicht möglich. "Wenn man es trotz- dem relativ bald wieder haben will, muss man eine praktikable Lösung finden. Das ist unser Ziel", erklärt Ivan Reimann, Professor an der Fakultät Architektur der TU Dresden.

Vorgeschlagen wird die Verschiebung des "Stadt Rom" in Richtung "Hotel de Saxe" mit leichter Drehung und die Aufwertung der Kleinen Kirchgasse. So könnte der Neumarkt ohne zu großen Aufwand geschlossen werden. Der Abstand zu den Nachbargebäuden sei etwa gleich groß. Im Projekt von Müller und Reimann kommt dem "Hotel Stadt Rom" selbst die Rolle des Vermittlers zwischen den Stadträumen und Baustilen zu. Da es nicht mehr am originalen Platz, sondern losgelöst vom historischen Kontext steht, soll es die barocke Fassade auch nicht kopieren. "Es hat keinen Sinn so zu tun, als ob es das alte Haus wäre", betont Reimann. Vorgeschlagen wird stattdessen ein eigenständiges Palais, das die Geometrie und Gliederung des Originals aufnimmt. Wie viel der Fassade barocke Bauteile sind, darüber könne man noch diskutieren. "Das ist der zweite Schritt", so Reimann. Diese Neuinterpretation als Vermittler zwischen Gegenwart und Vergangenheit wäre aber auch der Abschied von der Festsetzung als Leitbau. Genia Bleier

Barock und Ostmoderne

Variante 1: Ohne Abriss kein Leitbau

Das Büro dd1 aus Dresden hat sich schon mehrfach mit dem Neumarkt beschäftigt und ist tief in die Entwicklung der Stadt an diesem Ort eingetaucht. Für Eckard Helfrich und sein Team sowie Boris Harbaum, der als freier Mitarbeiter maßgeblich beteiligt war, ist es keine Frage, dass das "Hotel Stadt Rom" als wesentlicher und gut dokumentierter Leitbau seinen originalen Platz einnehmen muss. Eine Verschiebung lehnt das Team ab. Ebenso stehe die Rückkehr der Moritzstraße außer Frage. "Sie ist die Nabelschnur für den Neumarkt", unterstreicht Harbaum.

Zugleich hat sich das Büro zur Aufgabe gemacht, die jetzt aufeinanderprallenden Raumsysteme "Barock und sozialistischer Boulevard bzw. die klassische europäische Stadt und die Ostmoderne", wie Harbaum sagt, miteinander zu verbinden. Das geht nicht ohne Kompromisse. Für die bis zur Wilsdruffer Straße verlängerte Moritzstraße sollen die dortigen Wohnblocks mit den Hausnummern 4 bis 12 abgerissen werden. Eine teilweise Erhaltung sei auf Grund der Gebäudestruktur nicht möglich. An das rekonstruierte "Hotel Stadt Rom" soll sich ein zurückhaltender Verbindungsbau anschließen, der zu einem neu entworfenen Eckgebäude an der Wilsdruffer Straße überleitet. Dieser Eckbau dient der Vermittlung zwischen Neumarktbebauung und "Wilsdruffer".

Aber auch für die Errichtung des "Stadt Rom" braucht es noch einen Einschnitt. So kann zwar der Gebäudekomplex Wilsdruffer Straße 14 bis 16 stehen bleiben, nicht aber der Arkadenvorbau. Er soll ebenfalls abgerissen werden. Dann könne der Leitbau sofort errichtet werden. Für die komplette Moritzstraße ist mehr Geduld gefragt. Die Architekten von dd1 appellieren an ein Denken in größeren Zeiträumen, um dafür klare Orientierung und mehr Funktionalität zu gewinnen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
16.08.2017 - 06:15 Uhr

Mittelfeldspieler Aleksandar Milic wechselt vom Meißner SV zu den Friedrichstädtern

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.