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Neue Pläne für Arbeitsanstalt auf der Königsbrücker Straße

„Wir wollen der Stadt ein sehr gutes Angebot machen“ Neue Pläne für Arbeitsanstalt auf der Königsbrücker Straße

Es gibt neue Pläne für die ehemalige Arbeitsanstalt auf der Königsbrücker Straße. Der neugegründete Verein Elixir e.V. will auf dem Grundstück zusammen mit der Stadt ein „Experimentierzentrum für interkulturelles Leben“ schaffen, in dem Dresdner und Geflüchtete miteinander Wohnen, Leben und Arbeiten können.

 
 

Quelle: Elixir e.V.

Dresden.  Es gibt neue Pläne für die ehemalige Arbeitsanstalt auf der Königsbrücker Straße. Der neugegründete Verein Elixir e.V. will auf dem Grundstück zusammen mit der Stadt ein „Experimentierzentrum für interkulturelles Leben“ schaffen, in dem Dresdner und Geflüchtete miteinander Wohnen, Leben und Arbeiten können. Wir sprachen mit Vereinsmitglied Carsten Ungewitter über die Pläne.

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Es gibt neue Pläne für die ehemalige Arbeitsanstalt auf der Königsbrücker Straße. Der neugegründete Verein Elixir e.V. will auf dem Grundstück zusammen mit der Stadt ein „Experimentierzentrum für interkulturelles Leben“ schaffen.

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Was genau plant Ihr Verein mit dem Grundstück an der Königsbrücker Straße?

Carsten Ungewitter: Wir wollen ein nachbarschaftliches Wohnen schaffen, wo Geflüchtete mit Dresdnern zusammenleben. Wir hatten uns am Anfang auf das Hauptgebäude konzentriert. Wir haben dann aber sehr schnell festgestellt, dass man mit dem Gelände viel mehr machen kann. Wir möchten daher neu bauen. Hinten sollen zwei bis drei Häuser für 120 bis 150 Menschen in ökologischer Bauweise neu entstehen. Im bestehenden Altbau soll ein interkulturelles Zentrum mit Räumen für Arbeit, Kultur und Bildung entstehen

Welche Idee steckt dahinter?

Wir sehen das als Experimentierzentrum für interkulturelles Leben. Unser Ausgangspunkt ist: Wie schaffen wir es, Menschen, die gerade in Dresden ankommen oder erst seit kurzer Zeit hier sind, in die Stadtgesellschaft aufzunehmen, damit es ein gutes und unkompliziertes Zusammenleben gibt. Dafür müssen wir als Mehrheitsgesellschaft die richtigen Strukturen schaffen. Da fängt vieles beim Wohnen an. Im Moment haben viele Geflüchtete Probleme, überhaupt Wohnraum zu finden. Und wenn sie welchen finden, dann häufig in Stadtteilen, in denen ihnen die Integration nicht unbedingt leicht gemacht wird.

Wie sind Sie auf das Grundstück an der Königsbrücker Straße gekommen?

Auf das Grundstück zu kommen, war nicht wahnsinnig schwer. Das Gelände war schon im Januar 2015 im Gespräch, als der Ortsbeirat Neustadt überlegt hatte, dort Geflüchtete unterzubringen. Die Verwaltung hatte damals sehr zurückhaltend reagiert und auf hohe Kosten verwiesen. Zudem hielt man das Gebäude für zu groß.

Die Landeshauptstadt möchte das Grundstück verkaufen. Wie haben sie darauf reagiert?

Das war der Zeitpunkt, an dem wir gesehen haben, dass wir jetzt handeln müssen. Wir haben überlegt, ob wir da mitbieten wollen. Aber wir haben uns entschieden, das nicht zu tun. Wir finden, dass die Stadt das Grundstück nicht verkaufen sollte. Das bringt einmalig Geld, danach ist das Grundstück aber weg. Und: Um dort mitzubieten, hätten wir schnell viel Eigenkapital gebraucht. Das Mindestgebot lag bei 1,27 Millionen Euro. Wir waren mit Stiftungen im Gespräch, am Ende hat aber die Zeit gefehlt. Und wir wollten keinesfalls unseriös eine gewisse Summe bieten. Unser Ziel ist vielmehr ein Erbbaurecht und eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

Wie soll diese Kooperation mit der Stadt aussehen?

Für unsere Pläne brauchen wir die Stadt. Die Verwaltung soll nicht viel Geld beisteuern. Aber nur die Stadt hat Zugriff auf bestimmte Antragsmöglichkeiten, zum Beispiel für EU-Gelder oder beim sozialen Wohnungsbau. Wir wollen der Stadt hier ein sehr sehr gutes Angebot für eine Zusammenarbeit machen.

Wie waren denn die Reaktionen innerhalb der Stadtverwaltung auf ihre Ideen?

Vom Ausschuss für Finanzen und Liegenschaften haben wir bisher eine eher verhaltene Resonanz erfahren, die Sozialbürgermeisterin war unseren Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen, auch von der Dresdner Ausländerbeauftragten gab es sehr positive Resonanz. Auch die Leiterin des Liegenschaftsamtes haben wir als sehr offen unseren Plänen gegenüber erlebt.

Nun müssen Sie hoffen, dass Stadtrat oder Stadtverwaltung ihre Ideen aufnehmen.

Die Verwaltung könnte natürlich den Verkauf stoppen. Wir fürchten aber, dass sie das nicht machen wird. Daher hoffen wir, dass die Mitglieder des Finanzausschusses oder des Stadtrates die jetzige Ausschreibung stoppen. Wir glauben, dass die Stadt gut beraten wäre, das Projekt mit einem neuen Konzept und der Möglichkeit einer Erbbaupacht auszuschreiben.

Das heißt, für Sie ist das ein Rennen gegen die Zeit?

Wir gehen davon aus, dass Gebote für das Grundstück abgegeben wurden, und zwar wahrscheinlich deutlich über dem Mindestgebot von 1,27 Millionen Euro. Es ist jetzt eine Entscheidung der Stadt, ob man einmalig den Stadthaushalt aufbessert, oder das Grundstück langfristig mit uns entwickelt, was viele Jahre positiv auf die Stadt wirkt.

Mit welchen Kosten rechnen sie im Moment.

10 Millionen Euro sind die Größenordnung, die wir momentan im Kopf haben. Finanzieren wollen wir den Wohnungsbau so, wie er immer finanziert wird. Über Kredite. Dafür brauchen wir natürlich ein gewisses Eigenkapital, hier peilen wir aktuell zwei Millionen Euro an. Wir denken, dass das möglich ist, dass unser Projekt so spannend ist, dass genügend Leute das unterstützen, indem sie selbst dort wohnen und dafür Genossenschaftsanteile zeichnen, oder dass sie solidarisch Genossenschaftsanteile zeichnen. Wir hoffen auch auf eine institutionelle Förderung für die geplante Genossenschaft.

Mit welchen Wohnkosten kalkulieren Sie, wenn das Projekt einmal steht?

Wir wollen sozialen Wohnungsbau machen und Wohnraum ab 5,50 Euro pro Quadratmeter anbieten. Wenn man im Moment einen üblichen Neubau ansetzt, landet man bei rund 9,50 Euro pro Quadratmeter. Unser Vorteil ist, eine Genossenschaft hat keine Gewinnerzielungsabsicht. Daher können wir etwas preiswerter kalkulieren, für 5,50 Euro reicht das aber noch nicht. Und da kommt uns entgegen, dass das Land Sachsen ein Förderprogramm zum sozialen Wohnungsbau auflegt, das für uns interessant wird, um die Lücken zu stopfen. Dass das nicht einfach wird, ist uns allen klar. Aber es ist kein Risikoprojekt.

Von Stephan Lohse

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