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Neue Patzelt-Studie: Pegida und AfD sind dasselbe

Dritte Untersuchung Neue Patzelt-Studie: Pegida und AfD sind dasselbe

Das Forscherteam um TU-Professor Werner Patzelt stellte am 25. Februar eine dritte Pegida-Studie vor. Laut den Ergebnissen gibt es unter den Teilnehmern deutlich weniger Rassisten als vermutet, aber eine beachtliche Anzahl von Rechtsextremen. Doch ist die Studie repräsentativ genug?

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es derzeit größere rechtspopulistische Versammlungen als Pegida in Dresden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  „Rassisten“, „Fremdenfeinde“, „Nazis“ – so wird Pegida von vielen Bürgern gesehen und größtenteils auch durch die Medienlandschaft deutschlandweit vermittelt. Doch eine aktuelle Studie der TU-Dresden um Professor Werner Patzelt zeichnet ein differenziertes Bild.

Seit November 2014 wurden durch Patzelt und seine Mitarbeiter zur Erforschung von Pegida mehrere Studien durchgeführt. Zuletzt gab es vier Befragungen, beginnend im Januar 2015. Am Donnerstag stellten die Politikwissenschaftler nun die Ergebnisse der Studie vor. Es zeige sich, dass es eine Tendenz zur Radikalisierung gibt, doch die Mehrheit der Befragten lehne Rechtsextremismus ab. „Zwar gab es keinen spürbaren ’Rechtsruck’, da sich die Teilnehmer weiter mehrheitlich gegen Rechtsradikale und für eine Demokratie aussprechen, doch neben den politischen Ansichten haben sich auch die Reden immer mehr radikalisiert“, so Patzelt.

So sank laut den TU-Forschern die grundsätzliche Bereitschaft, Asylsuchende aufzunehmen innerhalb eines Jahres um fast die Hälfte. Patzelt schätzt etwa 20 Prozent der Teilnehmer als rechtsradikal oder rechtsextremistisch ein, etwa drei bis sechs Prozent seien Rassisten. Wie genau diese Zahlen wirklich sind, lässt sich nur schwer feststellen. „Man hat letztlich keine Ahnung über die Grundgesamtheit“, räumte Lehrstuhlmitarbeiter Michael Hilbert ein. Von 1.052 an einem Montag im Januar angesprochenen Personen war nur ein Drittel bereit, auf Interviewfragen von Studenten zu antworten. Einige Interviewer seien sogar aggressiv beleidigt und bedroht worden. Dadurch wurden viele als „sehr rechte“ eingestufte Personen nicht berücksichtigt. Deshalb geht Patzelt von einer „Verzerrung nach links“ aus. „Das wahre politische Spektrum befindet sich vermutlich fünf bis zehn Prozenpunkte weiter rechts“, so der Professor. Auch eine zunehmende enge Verbindung zur AfD lässt sich laut dem TU-Forscherteam erkennen. „Viele Themen werden von der AfD aufgegriffen und decken sich nun mit den Ansichten der Pegida-Teilnehmer“, so Patzelt weiter.

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Die gesamte Studie ist öffentlich unter http://tu-dresden.de/phil/ifpw/polsys/for/pegida

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Dabei geht es vor allem um eine pro-russische Haltung und eine Ablehnung der Globalisierung und des „Amerikanismus“. Etwa 82 Prozent der Befragten würden aktuell die AfD wählen. Als einen möglichen Grund für den Anstieg an AfD-Sympathisanten nannte Patzelt die zunehmende Entfernung der CDU vom rechten Rand der Politik. „Durch die ewige Kritik von SPD und Grünen hat die CDU den rechten Parteirand seit Jahren vernachlässigt. Die AfD füllt nun diese ’Repräsentationslücke’“, so der Politikwissenschaftler.

Laut dem Professor herrscht in Dresden auch eine Art „Glaubenskrieg“. Anstatt sich differenziert mit den Ursachen und Eigenschaften von Pegida auseinanderzusetzen, sei man entweder pro oder absolut contra. Wiederholt warnte der Wissenschaftler davor, Pegida nur als Dresdner Phänomen abzustempeln „Pegida ist eine Form von Rechtspopulismus, der sich in anderer Gestalt auch in der AfD und in weiteren Bereichen breit macht. „In anderen Ländern regieren bereits Rechtspopulisten“, so Patzelt.

Auf die Frage, wie lange man noch mit montäglichen Aufmärschen in der Landeshauptstadt rechnen muss, wollte sich Patzelt nicht konkret äußern. „Ich habe Pegida schon zwei Mal totgesagt und mich dabei geirrt“, gibt der Professor zu. „Pegida hat einen unglaublichen inneren Zusammenhalt und vermittelt dein Leuten ein gemeinschaftliches Gefühl, dazuzugehören und seinen Unmut zu äußern. So lange es kräftiges politisches Konfliktpotenzial gibt, vor allem wegen der Flüchtlingskrise, werden wir Pegida auf der Straße sehen“, so Patzelt abschließend.

Bei den vier Stichproben seit Januar 2014 wurden jeweils zwischen 220 und 400 Teilnehmer bei Pegida-Kundgebungen befragt. Dabei erhielten die Forscher auch Einblicke in die persönlichen Hintergründe der Befragten. So liegt der Altersdurchschnitt bei Pegida etwa bei 51 Jahren, knapp 80 Prozent Männer stellen die Teilnehmerschaft. Durchschnittlichen besitzen Pegida Teilnehmer einen mittleren Bildungshintergrund und finden sich knapp unter der mittleren Einkommensgrenze wieder. „Es ist auf jeden Fall eine Tendenz zu handwerklich geprägten Berufsgruppen zu erkennen“, so Patzelt.

Onlineverweis: Die Ergebnisse der Studie können im Internet auf http://tu-dresden.de/phil/ifpw/polsys/for/pegida heruntergeladen werden.

Von Sebastian Burkhardt

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