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Neue Hoffnung für alte Kasernen in Dresden-Übigau

Neue Hoffnung für alte Kasernen in Dresden-Übigau

Schandfleck, Bruchbuden, Investruine - es gab der unschönen Worte viele für das ehemalige Kasernengelände in Übigau. Auch 20 Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Truppen blickt man von den sanierten Wohnblöcken an der Klingerstraße, die einst in den 70er-Jahren für sowjetische Offiziere und deren Familien errichtet worden waren, auf graue Ruinen.

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Die alten Kasernen an der Klingerstraße in Übigau befinden sich in einem bemitleidenswerten Zustand.

Quelle: Dietrich Flechtner

Auch wenn sich zwischenzeitlich vieles am Ort zum Positiven entwickelt hat, verteidigen die Reste der Vergangenheit hartnäckig bis heute den Kern ihrer Existenz. Womöglich doch noch mit Erfolg, denn für die Relikte aus der Militärzeit rückt im 100. Jahr abermals eine Zukunft jenseits der Abrissbirne in Sicht.

Die Rettung für die denkmalgeschützten Bauten könnte aus Leipzig kommen. Dort plant Hubert Auffenberg, Geschäftsführer der Erste Immobilien Investitionsfonds KG, bereits die Wiederbelebung des fast schon aufgegebenen Areals. "Im April 2012 haben wir knapp drei Hektar Kasernengelände erworben", bestätigt Auffenberg am Telefon. Das Areal hatte er schon eine Weile im Blick - durchaus mit äußerst unschönen Aussichten. Bei einer Versteigerung 2011 schlitterte es haarscharf an einer finsteren Zukunft vorbei: "Mitgeboten hat damals auch ein bekannter Akquisiteur der rechten Szene." Den Zuschlag erhielt damals aber ein anderer, der wiederum an die Leipziger verkaufte.

Was man beim Blick auf die Ruinen kaum glauben mag: Der Zustand der Gebäude ist besser als es scheint. "Lediglich die Dachstühle sind katastrophal", bestätigt Auffenberg. Sanieren statt abreißen lautet nun die Devise. Auf 10000 Quadratmetern Altbaufläche schwebt Auffenberg Wohnraum vor, angedacht sind zudem Neubauten im Kasernenhof. Der Standort sei ideal, die Kasernen hervorragend für den Wohnbau geeignet: "Wir planen 100 bis 120 Wohnungen unterschiedlicher Größen im mittleren Preissegment."

Für die frühere Reit- bzw. Sporthalle neben dem Dehner-Gelände ist ein Discounter im Gespräch. Ob das einsturzgefährdete Gebäude jedoch wirklich gerettet werden kann, sei noch nicht sicher. Insgesamt will Auffenberg am Standort etwa 15 Millionen Euro investieren. Probleme seitens der Stadt in Sachen Baugenehmigung sieht er nicht. Vermutlich hofft man auch dort auf ein baldiges Ende des jahrelangen Tauziehens um die Entwicklung des Standortes.

Nachdem die letzten Soldaten des 68. Pontonbrückenregiments der Sowjetarmee im Frühjahr 1993 das breite Stahltor mit den Sternen darauf hinter sich zuzogen, bleibt das damals noch circa neun Hektar umfassende Militärgelände verwaist. Von den einst so stattlichen Gebäuden - ab 1913 erbaut zur Entwicklung der Luftschifffahrt für die kaiserliche Armee und später als Nachrichtenkaserne genutzt - sind kaum mehr als bröckelige Hüllen geblieben, als sie der Freistaat im Sommer 1993 übernimmt.

Zwar waren die früheren Hausherren stets bemüht, das Beste aus der Situation herauszuholen. Doch im Kreml stieß die Vorstellung, in auf fremdem Boden befindliche Bausubstanz zu investieren, auf wenig Gegenliebe. Als die Truppen ab 1992 abziehen, nehmen sie mit, was brauchbar ist - vom Heizkörper bis zum Ofenrohr. Der nutzlose Rest bleibt zurück.

Zum Restmüll der untergegangenen Weltmacht gesellt sich alsbald jener der neuen gesamtdeutschen Wohlstandsgesellschaft, die Gebäude verfallen mehr und mehr. 1997 erbarmt sich dann doch jemand. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Stadt Dresden erwerben rund drei Hektar des Geländes. Noch im selben Jahr wird an der Scharfenberger Straße nach Abbruch der Bausubstanz der Grundstein für eine der modernsten Feuerwachen Deutschlands gelegt. 1998 ist das 35-Millionen-Mark-Projekt fertig - und die Stadt zumindest eine Sorge los. Kurz darauf verschwinden auch die Ruinen an der Werftstraße. Das DRK errichtet dort seinen neuen Standort.

Dann aber folgen Jahre der Stagnation. Dabei mangelt es nicht an Ideen. 2001 werden Pläne des neuen Eigentümers bekannt, in den Gebäuden an der Klingerstraße ein Seniorenheim zu etablieren. Die Bauträgergesellschaft Deltaconsult hatte im Jahr 2000 weitere 6,5 Hektar Kasernengelände erworben und will rund 150 Pflegeplätze schaffen, sogar ein möglicher Betreiber ist bereits gefunden. Doch die 68 Millionen Mark schweren Pläne werden aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten nie realisiert. Erst 2005 kommt wieder Schwung in die Sache. Da ist die Bausubstanz schon so marode, dass der Denkmalschutz punktuell die Genehmigung zum Abriss erteilt. An der Washington-/Ecke Werftstraße fallen mehrere Gebäude den Abrissbaggern zum Opfer. Von den hochtrabenden Wünschen einer 3- bis 4-stöckigen Bebauung entlang der Washingtonstraße hat sich die Stadt da schon längst verabschiedet. Und so wird mit dem Dehner-Neubau aus Kasernenland ein Tummelplatz für Gartenfreunde. Zuletzt wird 2011 neben der Feuerwache die neue Leitstelle der Feuerwehr an der Scharfenberger Straße fertig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2013

Jannke, Jane

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