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Neu am Start: stamos & braun stellt in der Dresdner Johannstadt individuelle Prothesen her

Neu am Start: stamos & braun stellt in der Dresdner Johannstadt individuelle Prothesen her

zum Beispiel nach einem Autounfall - ist schlimm. Aber sie bedeutet nicht das Ende der Welt. Auch wenn ein Bein oder ein Arm fehlt, Orthopädietechniker können mittlerweile Prothesen herstellen, die dem verlorenen Körperteil extrem ähnlich sind.

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Alles ist möglich: Selbst ein Aquarium können Christoph Braun und seine Kollegen in eine Prothese einbauen.

Quelle: Ralf U.Heinrich

Eine Amputation. Das Dresdner Jungunternehmen stamos & braun prothesenwerk hat sich dieser aufwändigen Handarbeit verschrieben.

Ein kleiner gelber Fisch mit schwarzen Streifen und großen Augen schwimmt - umringt von mehreren Pflänzchen und Steinchen - in einem Unterarmaquarium. Moment mal: Ein Aquarium in einem Unterarm? Ja, das gibt es. Genauso wie es Blumentöpfe gibt, die aussehen wie ein verblüffend realer Fuß. Zu finden sind solche ungewöhnlich genutzten Körperteile im stamos & braun prothesenwerk.

In dem Unternehmen in der Johannstadt lädt zwischen Grünpflanzen und freundlichen Farben ein helles Sofa zum Verweilen ein. Gemütlichkeit ist Trumpf."Ein Freund sagte einst zu mir, dass der Besuch beim Orthopädiemechaniker genauso unbeliebt ist, wie der beim Zahnarzt", erzählt Christoph Braun, der das prothesenwerk gemeinsam mit dem 39-jährigen Alexander Stamos Ende Januar eröffnet hat. "Unsere Kunden sollen sich wohlfühlen. Wir versuchen die typische Krankenhaus-Stimmung zu vermeiden", so Braun.

Zwei Bereiche deckt das prothesenwerk an der Arndoldstraße 18d mit seinem Angebot ab. "Das ist zum einen die klassische Orthopädietechnik, bei der wir beinamputierte Patienten versorgen. Der zweite Bereich ist unser Silikon Service. Hier beliefern wir Sanitätshäuser mit individuell gefertigten Silikonprodukten", erklärt der Inhaber. Vor allem der letztere Bereich bietet ungeahnte Möglichkeiten, denn Silikon-Innenschäfte sind momentan stark gefragt, erklärt Braun: "Sie liegen durch das weiche Material viel besser an der Prothese an. Damit gehören auch ungewollte Druckstellen der Vergangenheit an." Das prothesenwerk gehört zu den wenigen Anbietern solcher Produkte in Deutschland. "Wir können bereits nach zwei Monaten rund 25 Sanitätshäuser zu unseren Kunden zählen", so Braun.

Aber nicht beim Silikon ist das Dresdner Duo ganz vorn mit dabei. Von heute an vertreibt das Jungunternehmen ein modernes Kniegelenk, welches von der Firma Orthomobility Ltd. in England, nahe Oxford, hergestellt wird. "Wir haben mit der Firma einen Vertrag ausgehandelt, wonach wir das neue Produkt in Österreich, Deutschland und der Schweiz exklusiv vertreiben können", erzählt Braun. 7000 Euro kostet das mechanische Knie, das sogar wasserfest ist und somit dem Nutzer auch das Baden im See an heißen Sommertagen ermöglicht. Auch alle anderen Sportarten, wie Fußball oder Leichtathletik, sollen mit dem neuen Gelenk problemlos möglich sein - ein Leben fast ohne Einschränkungen.

Darum geht es natürlich auch bei den Prothesen. "Es gibt funktionelle und kosmetische Prothesen", erzählt Braun. Um den Betroffenen zu zeigen, was mittlerweile möglich ist, haben die beiden das Unterarm-Aquarium entworfen. "Solche verrückten Sachen lässt sich zwar keiner machen, aber grundsätzlich ist es möglich", so Braun. Weniger verrückt ist dagegen der Wunsch der Menschen, ihre Tattoos, die sie mit dem Bein verloren haben, auf der Prothese wiederzufinden. Selbst Fußnägel, Äderchen und farbliche Nuancen kann das Team um Alexander Stamos und Christoph Braun gestalten. "Natürlich ist das sehr aufwändig. Unsere Patienten sitzen für eine perfekt nachgebildete Prothese teilweise vier bis fünf Stunden bei uns in der Praxis", so Braun. Grund: Immer wieder müssen die Orthopädietechniker die Hautfarbe des vorhandenen Beins mit der Prothese vergleichen. "Wir machen zudem alles mit Hand. Es gibt keine vorgefertigten Modelle", so der 35-Jährige.

Eins sollte jedoch jedem Betroffenen klar sein: Nicht jede Krankenkasse bezahlt kosmetische Details wie ein Tattoo. "Die finanziellen Regelungen sind bei jeder Krankenkasse anders. Deswegen mussten wir mit jeder einzelnen einen Vertrag aufsetzen", so der Orthopädietechnikermeister. Doch entspricht eine Prothese den Wünschen des Kunden und er kann zum ersten Mal nach der Amputation wieder laufen, so ist das einer der schönsten Momente für Christoph Braun. "In unserem Patientenraum haben wir dann auch extra noch eine Übungstreppe gebaut, so dass wir testen können, ob die Prothese wirklich ideal sitzt."

Fünf Mitarbeiter hat das stamos und braun prothesenwerk inzwischen. Wer Glück hat, kann sogar einen bekannten Dresdner Musiker in der Praxis antreffen. "Circa 30 Stunden die Woche arbeitet Uwe Pasora, der ehemalige Bassist von Polarkreis 18, bei uns", erzählt Braun. Bereits vor dem musikalischen Durchbruch der Dresdner Band arbeiteten Braun und Pasora zusammen - seinen Job hat der Musiker aber nie aufgeben wollen. Warum auch? Nicht jeder fertigt Patienten ein neues Bein und gibt ihnen somit neuen Lebensmut.

@Weitere Informationen auch im Internet unter www.prothesenwerk.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2014

Nadine Steinmann

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