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Nacktscanner und Plasmabäder retten Kunstschätze

Nacktscanner und Plasmabäder retten Kunstschätze

Mit ausgefeilten Hochtechnologien wollen Fraunhofer- und Leibniz-Forscher aus Dresden und ganz Deutschland wertvolle Kunstschätze vor dem Untergang retten und halbzerfallene historische Dokumente für die Nachwelt erhalten.

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Eine Silberkanne vor (l.) und nach der Behandlung mit heißem Plasma

Dabei setzt die "Forschungsallianz Kulturerbe" auch Plasmabäder und Nacktscanner-Technik ein, um von Bilderstürmern übermalte Gemälde wieder sichtbar zu machen und wertvolle Archivalien dem Säurefraß zu entziehen.

Von Heiko Weckbrodt

Wer schon mal alte Akten in einem Archiv gewälzt hat, kennt das Phänomen: Viele historische Dokumente zerfallen wegen der einst verwendeten Tinten und Papierarten durch Säurefraß und Korrosion mehr und mehr - viele Akten sind kaum noch lesbar. Abhilfe soll ein Restaurierungsverfahren des "Fraunhofer-Instituts für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik" (FEP) Dresden bringen: Das Expertenteam um Wolfgang Nedon imprägniert verfallene Dokumente mit Monomeren, dann wird das Papier mit niederenergetischen Elektronen beschossen. Dabei vernetzen sich die Moleküle, stützen so die Zellulose und töten dabei Keime ab.

Die so behandelten Dokumente erhalten eine Art Stützkorsett, verlieren aber nicht die Anmutung von Papier, wie es beim Laminierverfahren passiert. "Unser Fernziel ist eine einfach bedienbare Behandlungsanlage, die es ermöglicht, kontinuierlich große Blätter-Mengen mit dem Vernetzungsmaterial zu imprägnieren und durch Elektronenstrahlen zu verfestigen", kündigte Nedon auf einer Tagung der "Forschungsallianz Kulturerbe" in Dresden an.

FEP-Technologien kamen auch im Juwelenzimmer des Dresdner Residenzschlosses zum Einsatz, wo sogenannte "Magnetron-Sputter" alte Zinnspiegel wieder glänzen ließen. Andere Teams entwickelten Behandlungen, bei denen sie Silberkunstwerke mit Atomrümpfen (Ionen) und Elektronen beschossen. Dieses Plasma beseitigt unschöne Silber-Schwefel-Schichten und konserviert die Objekte mit einer bis zu fünf Millimeter dicken Schutzschicht aus Parylen-Kunststoffen.

Auch für die auf Flughäfen so heftig kritisierten "Nacktscanner" hat die Forschungsallianz eine segenswerte Anwendung entdeckt: Sehr schnell schwingende Strahlen - die sogenannate "Terahertz-Strahlung" - lassen auf Bildschirmen nämlich nicht nur Kleider verschwinden, sondern können auch übertünchte Gemälde wieder erkennbar machen.

Denn im Mittelalter und während der Reformation überpinselten religiöse Eiferer zum Beispiel viele Kirchenmalereien. Spezielle Terahertz-Scanner des "Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik" (IWS) Dresden machen diese Bilder nun mit Hilfe einer eigens dafür programmierten Software erneut sichtbar. Anders als Ultraviolett- oder Infrarot schädigt diese Technik die Farben nicht, dringt aber auch tief genug unter die Tünche ein, wie IWS-Wissenschaftler Dr. Michael Panzer erklärte.

Sachsens Forschungsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) zeigte sich angetan von den Fortschritten der Kulturerbe-Allianz. "Für unsere und die nachfolgenden Generationen erwächst die Verpflichtung, das noch vorhandene kulturelle Erbe nicht nur zu bewahren, sondern nachhaltig zu pflegen und für die Zukunft zu sichern", betonte sie.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.07.2012

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