Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Nach der Fliegerbombe: In Dresden-Johannstadt kehrt wieder Ruhe ein

Nach der Fliegerbombe: In Dresden-Johannstadt kehrt wieder Ruhe ein

Am Ende ging alles ganz schnell. Gerade einmal 30 Minuten brauchten Sprengmeister Holger Klemig und sein Assistent Hans-Peter Schmidt, um die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe an der Gerokstraße zu entschärfen, die Freitag, 8 Uhr, entdeckt worden war.

Voriger Artikel
DNN-Barometer: Mehrheit der Dresdner lehnt Bau der Hafencity ab
Nächster Artikel
Dresden muss sich Semicon-Messe künftig mit Grenoble teilen

Am Freitagmorgen gegen 8 Uhr ist bei Bauarbeiten in Dresden-Johannstadt eine Bombe gefunden worden.

Quelle: dpa

Den erlösenden Funkspruch, das alles vorbei ist, setzte Klemig am Sonnabend, 4.13 Uhr, an das Einsatzzentrum der Polizei ab. Hinter den Johannstädtern lagen da bereits viele nervenaufreibende Stunden. „Das war auch für mich kein alltäglicher Einsatz“, sagt Holger Klemig.

Der Riesaer arbeitet schon lange für den sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst und hat an der Gerokstraße seine 209. Bombe erfolgreich entschärft. Die Nacht von Freitag zu Sonnabend wurde für ihn zur Belastungsprobe. 17 Stunden lang musste Klemig warten, bis er den Aufschlagzünder der britischen Fliegerbombe unschädlich machen durfte. So lange zog sich die Evakuierung der Häuser in einem Umkreis von 400 Metern hin. „Irgendwie vergeht die Zeit. Man unterhält sich mit den Kollegen über dieses und jenes“, beschreibt Klemig. Doch als er dann endlich vom Einsatzzentrum auf dem Gelände des Elbeflohmarktes ausrücken darf, ist es bereits nach 3.30 Uhr. Und der Sprengmeister eine gefühlte Ewigkeit auf den Beinen. Trotzdem muss er nun von jetzt auf gleich absolut konzentriert sein. Ein einziger Fehler könnte sein letzter sein.

phpfa7d5864ea201309070533.jpg

Im Lagezentrum auf dem Trödelmarktgelände am Elbufer liefen alle Fäden zusammen.

Zur Bildergalerie

„Es handelte sich zum Glück um einen gängigen Zünder, der bei vielen englischen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurde. Dennoch schwingt natürlich immer Anspannung mit, denn der Zünder war nach fast 70 Jahren immer noch scharf.“ Dass sich die Evakuierung derart in die Länge zog, hatte verschiedene Ursachen. Zunächst fehlten Polizisten, zusätzliche Kräfte mussten erst aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg anreisen. Insgesamt waren 300 Beamte im Einsatz. Dann stellten sich nicht wenige Mieter in den umliegenden Plattenbauten quer. Sie schlossen sich in ihren Wohnungen ein, so dass die Polizei erst mühsam die Türen aufbrechen musste. Auch nachts plötzlich aufflammende Lampen in eigentlich leeren Wohnungen riefen die Einsatzkräfte auf den Plan. „Es ist eben etwas anderes, ob man einen sozialen Brennpunkt evakuiert oder wie im Januar die Pirnaische Vorstadt“, meinte ein wütender Feuerwehrmann.

php23ffdd4fb2201309061948.jpg

Rund 5000 Johannstädter mussten ihre Wohnungen verlassen. Polizei und Rettungskräfte gingen von Tür zu Tür.

Zur Bildergalerie

Im Rahmen der Evakuierung, die nicht wie erhofft gegen 23 Uhr, sondern erst um 3 Uhr abgeschlossen war, wurde an der Dürerstraße auch ein Hund erschossen. Das Tier hatte sich losgerissen, als die Polizeibeamten an der Tür des Halters klingelten. Der Hund rannte auf die Straße direkt auf eine Familie mit Kleinkind zu und attackierte deren Hund. Die Polizisten sahen sich gezwungen, das aggressive Tier zu töten, da Gefahr für Leib und Leben bestand.

Fast 500 Johannstädter verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Hier schenkten Helfer Suppe und Tee aus, zudem standen zahlreiche Feldbetten bereit. „Die übrigen Anwohner aus dem Evakuierungsradius kamen offenbar bei Verwandten und Bekannten unter“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. Bauarbeiter hatten die Fliegerbombe am Freitagvormittag auf der Baustelle für die neue Rettungswache Johannstadt entdeckt. Auf dem Grundstück zwischen Hopfgartenstraße und Stephanienweg befand sich früher ein Plattenwerk. Bei den Luftangriffen im Februar 1945 war die Johannstadt bis auf wenige Straßenzüge zerstört worden. Ungefähr drei Viertel aller Gebäude fielen Bomben und Feuersturm zum Opfer, etwa 2000 Johannstädter verloren laut Historikerkommission ihr Leben. Auf Blindgänger stoßen Bauarbeiter im Stadtgebiet immer wieder. „Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Bis Dresden hundertprozentig bombenfrei ist dauert es noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte“, ist sich Holger Klemig sicher.

Für ihn und seinen Assistenten Hans-Peter Schmidt ging es nach der Entschärfung nicht direkt ins Bett, sondern erst noch nach Zeithain ins Kampfmittelzerlegezentrum. Dort landete der Sprengkörper zunächst in einem Bunker, um irgendwann zersägt und verbrannt zu werden.

chs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.