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Nach Leipziger Organskandal: Dresdner Transplantationszentren setzen auf Transparenz

Nach Leipziger Organskandal: Dresdner Transplantationszentren setzen auf Transparenz

In 38 Fällen sollen am Uniklinikum Leipzig durch Manipulationen Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation begünstigt worden sein. Nach ähnlichen Vorkommnissen im vergangenen Jahr ist die Verunsicherung in der Bevölkerung größer denn je, die Spendenbereitschaft sinkt.

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Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin sinkt. Kliniken fürchten um ihren guten Ruf.

Quelle: Bernd Weißbrod

Die Dresdner Transplantationszentren treten dem wachsenden Misstrauen vehement entgegen. "Bei uns ist Derartiges ausgeschlossen", versicherte Holger Ostermeyer, Sprecher des Uniklinikums.

Ein kleines Kreuz, das kaum auffällt - und schon wird aus einem Patienten mit durchwachsener Prognose ein Hochdringlichkeitsfall der Stufe 1 (HU), der in der Warteliste für ein Spenderorgan weit nach vorn rutscht - und andere Patienten, denen es möglicherweise schlechter geht, verdrängt. So in etwa hat es sich am Uniklinikum in Leipzig zugetragen. Bei Lebertransplantationen waren Manipulationen leichter möglich als bei anderen Transplantationsarten, weil dort ein kleiner Vermerk über eine Dialysebehandlung bereits genügte, um vermeintliche Dringlichkeit zu signalisieren. Bis die europäische Organspende-Organisation Eurotransplant im vergangenen Jahr nach Skandalen an den Unikliniken in Göttingen und Regensburg die Richtlinien verschärfte. Seither müssen bei der Übermittlung der Krankenakten an Eurotransplant vorhandene Dialyseprotokolle beigefügt werden. In zahlreichen bislang aufgedeckten Fällen - so auch in Leipzig - war eine Dialysebehandlung angegeben worden, die tatsächlich gar nicht stattgefunden hatte.

Das Dresdner Uniklinikum gibt sich souverän, hat aber nichtsdestotrotz einen guten Ruf zu wahren. 305 Patienten warten hier derzeit auf eine Nierentransplantation, zehn weitere auf eine Bauchspeicheldrüse. 73 Verpflanzungen wurden hier im vergangenen Jahr durchgeführt. Lebertransplantationen hat es hier aber nie gegeben. "Die Entscheidungen, ob ein Patient für die Transplantation gemeldet wird, fällen Ärzte der Nephrologie und der Urologie. Die Teams bestehen jeweils aus mindesten zwei Ärzten. Damit wird eine höchstmögliche Transparenz gewährleistet, die jede Möglichkeit einer Manipulation ausschließt", so Kliniksprecher Holger Ostermeyer. Darüber hinaus hätten in den vergangenen Jahren am Uniklinikum lediglich zwei Patienten mit der höchsten Dringlichkeitsstufe klassifiziert werden müssen.

Bereits nach den Skandalen von Göttingen und Regensburg im vergangenen Sommer hatte die Bundesärztekammer eine Richtlinie erlassen, nach der in jeder der sogenannten Transplantationskonferenzen, in denen über die Aufnahme in die Warteliste befunden wird, mindestens ein weiterer, unabhängiger Mediziner vertreten sein soll, der mit Patient und Therapie nichts zu tun hat. "Dem sind wir selbstverständlich nachgekommen", so Ostermeyer. Prüfungskommissionen der Bundesärztekammer begutachteten zudem, ob alles mit rechten Dingen zugehe. Nur so konnten die Leipziger Fälle überhaupt aufgedeckt werden, die allesamt aus der Zeit vor der restriktiveren Regelung des Transplantationswesen stammen.

"Es ist gut, dass es überhaupt entdeckt wurde", sagt auch Stefan Todtwalusch, Geschäftsführer des Dresdner Herzzentrums. Hier werden jährlich etwa drei Herztransplantationen durchgeführt, momentan warten zwei Patienten auf ein Spenderherz. Nach dem Aufkommen des nationalen Organskandals zog die Klinik Konsequenzen und schloss sich der interdisziplinären Transplantationskonferenz des Uniklinikums an. "Die Entscheidung zur Aufnahme in die Warteliste fällt nie ein Arzt allein, bei der geringen Zahl unserer Herztransplantationen würde jede Manipulation ohnehin sofort auffallen", so Todtwalusch.

Das Vertrauen in Organspende und Ärzte ist nach Auskunft der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) derweil an einem Tiefpunkt angekommen. Im Oktober waren lediglich noch 60 statt normalerweise um die 100 Organspenden verzeichnet worden. Im Organskandal von Göttingen hatten Leistungsverträge der betreffenden Klinik dazu geführt, durch Manipulationen möglichst viele Transplantationen durchführen zu können. "Wir hoffen sehr, dass die Bereitschaft zu spenden wieder steigt", sagt Stefan Todtwalulsch. "Es gibt viele Menschen, denen so geholfen werden kann, während es sich bei den aufgedeckten Manipulationen um einige wenige Verfehlungen handelt, auf die adäquat reagiert wurde."

Weder im Uniklinikum noch im eigenständig arbeitenden Herzzentrum wurde bislang von außen geprüft, ob es Fälle von Manipulationen älteren oder jüngeren Datums gegeben hat. Konsequenzen gab es dennoch. Im Uniklinikum habe es intern eine Überprüfung der Verfahrensweise durch die Transplantationskommission gegeben, so Sprecher Holger Ostermeyer. "Dem Sächsischen Sozialministerium liegt ein entsprechender Bericht vor. Zusätzlich wurde unsere Transplantationskommission dem Vorstand des Universitätsklinikums unterstellt." In beiden Kliniken ist jedoch zuversichtlich, dass Manipulationen im eigenen Haus nie vorkamen, und dass das auch so bleiben wird

Jane Jannke

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