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Nach Erdbeben: Dresdner wollen zerstörte Schule in Nepal aufbauen

Nach Erdbeben: Dresdner wollen zerstörte Schule in Nepal aufbauen

Christian Walter hat schon viel erlebt. Der Geschäftsführer des Sächsischen Bergsteigerbundes ist seit Jahren für die Bergwacht im Einsatz. Der Dresdner hat aber nicht nur Verletzte aus den Felsen des Elbsandsteingebirges geborgen, sondern auch bei Hilfsaktionen des Alpinclubs Sachsen, dessen Mitbegründer er ist, in Pakistan Erdbebenopfer betreut.

Am vergangenen Montag kehrte Walter nun aus Nepal zurück, das am 25. April von einem schweren Beben (Stärke 7,8) und am 12. Mai von einem kaum minder starken Nachbeben (Stärke 7,3) erschüttert wurde. Was er im Himalaja gesehen hat, das lässt ihn und seine Mitstreiter vom Alpinclub nicht mehr los. Nach ihrem Einsatz als Ersthelfer, bei dem sie Erdbebenopfer in Gunsakot im Helambu-Gebiet vor allem medizinisch versorgten, schmieden Walter & Co. neue Pläne. Sie wollen nach dem Monsun eine zerstörte Schule in Gunsakot wieder aufbauen.

Die Eindrücke aus dem Katastrophengebiet haben sich tief in Walters Seele eingebrannt. Zu schmerzhaft war der Anblick der notleidenden Bevölkerung in dem bitterarmen Land zwischen Tibet und Indien. "In der Hauptstadt Kathmandu stehen vielleicht noch 95 Prozent der Häuser, 65 Prozent davon sind wohl auch noch nutzbar. In Gunsakot, das etwa 40 Kilometer Luftlinie von Kathmandu entfernt liegt, stehen noch fünf Prozent der Häuser, nutzbar ist fast keines mehr. Selbst die Leute, deren Wohnhaus noch halbwegs steht, schlafen jetzt in Zelten unter ganz gruseligen Bedingungen. Die Angst vor Nachbeben ist riesengroß."

Das Nachbeben vom 12. Mai hat Walter gemeinsam mit dem Dresdner Studenten Raphael Messner, Katrin Geyer aus Bayern und der Österreicherin Susanne Falch im 1700 Meter hoch gelegenen Raithane unweit von Gunsakot am eigenen Leib gespürt. "Wir waren relativ nah dran am Epizentrum. Wir standen auf dem Hof der schon beim ersten Erdstoß arg mitgenommenen Schule. Als es losging, sind alle aus den Räumen gerannt, denn du hast nur fünf Sekunden. Wir haben uns in der Mitte des Schulhofes postiert, dann flog noch mal eine Wand raus." Die Europäer kamen mit dem Schrecken davon, einige Dorfbewohner wurden verletzt. "Es gab auch noch einmal einen Toten", so Walter.

Nachdem Raphael Messner, Falk Protze, der Arzt Rutker Stellke und er Anfang des Monats im Notstandsgebiet eingetroffen waren, behandelten sie vor allem Verletzte. "Wir hatten 148 ernsthaftere Fälle und dann noch viel Kleinkram. So kamen auch Leute zu uns, die in den Trümmern auf einen Nagel oder ähnliches getreten sind, weil sie keine Schuhe haben", erzählt Walter. Von früh bis spät hatte die provisorische Praxis von Dr. Stellke geöffnet: "Die Leute standen Schlange."

War es nach dem ersten Beben noch zeitweise möglich, den Ort im Melamchi-Tal mit Autos zu erreichen und medizinische Ausrüstung, Lebensmittel und Baumaterial anzuliefern, geht das seit dem zweiten großen Erdstoß nicht mehr. Diesmal konnte die Trasse nicht einmal mehr notdürftig repariert werden. Die Straße ist durch Erdrutsche verschüttet, selbst Motorräder kommen nicht mehr durch. So warten viele Bedürftige noch immer auf Unterstützung. "Wer keine Straße hat, der hat auch keinen Zugang zu Hilfsgütern", weiß Walter, "so hat das Nachbardorf noch gar nichts abgekriegt." Es droht eine Hungersnot, denn selbst versorgen können sich viele Bauern bald auch nicht mehr: "Es gibt in der Gegend viele Terrassenfelder. Da ist auch einiges kaputtgegangen", musste Walter feststellen.

Weil die Zufahrt nach Gunsakot, das von Dreitausendern umgeben ist, nun versperrt ist, haben die Sachsen ihre Arbeit vor Ort erst einmal eingestellt. Susanne Falch und Katrin Geyer sind noch eine Weile in Kathmandu und halten den Kontakt in den Ort und nach Deutschland. Zu Hause überlegen Walter und seine Freunde nun, wie es weitergehen soll: "In der Monsunzeit, die jetzt beginnt und bis Ende September dauern wird, können wir nicht viel tun. Die Straße wird in dieser Zeit kaum zu beräumen sein, da braucht man schwere Technik. Es hat schon angefangen zu regnen. Wir werden uns erst einmal etwas sortieren, können uns aber vorstellen, wie schon in Pakistan eine Schule zu bauen", verrät Walter. Dafür müsse aber auch noch einiges geklärt werden, denn die Primary und die Secondary School sind anders als vor Jahren das von den Sachsen wiederaufgebaute Objekt im pakistanischen Sakargah staatliche Schulen. Ohne eine enge Abstimmung mit den Behörden geht da nichts. Die Ruinen sind jedenfalls unbenutzbar: "Das musst du alles abreißen", weiß Walter, ein gelernter Elektrotechniker.

Der Alpinclub Sachsen hofft nun, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland nicht nachlässt. "Nepal ist in seiner Gesamtfläche noch schwerer getroffen als damals Pakistan, obwohl es dort mehr Tote gab. Das kleine Land braucht dringend weiter Hilfe", appelliert Walter an seine Landsleute. Ihm sei es an sich auch egal, welche der renommierten Hilfsorganisation die Spender mit Geld unterstützen: "Es wird oft auf die Großen geschimpft, doch bei größeren Projekten haben die meist den längeren Atem." Sein Eindruck ist: Die Hilfe ist oft auch besser koordiniert und nachhaltiger. Der Alpinclub sammelte für die Nepalhilfe schon 72 000 Euro, es darf gern noch mehr sein.

www.alpinclub.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2015

Jochen Leimert

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