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Nach Bombendrohung in Heidenau: Notruf-Missbrauch vor Gericht

Amtsgericht Dresden Nach Bombendrohung in Heidenau: Notruf-Missbrauch vor Gericht

Weil er im Sommer vergangenen Jahres die Polizei über eine angebliche Bombe in einem Asylbewerberheim in Heidenau telefonisch informierte, steht Enrico S. in Dresden vor Gericht. Vorwurf: Vortäuschen einer Straftat, Notruf-Missbrauch.

In den Notruf-Zentralen der Polizei laufen auch viele Ulk-Anrufe ein. Das ist strafbar und wird verfolgt.
 

Quelle: DNN/Archiv

Heidenau/Dresden.  Am 22. August vergangenen Jahres kam es in Heidenau zu Protesten gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Die Lage vor Ort war sehr angespannt. 20.03 Uhr klingelte bei der Polizei in Dresden das Notruftelefon und eine männliche Stimme erklärte von einem Handy aus: „In Heidenau ist eine Bombe im Objekt, die wird explodieren. Das gestern war nur ein Ablenkungsmanöver.“ Auf die Frage, ob er getrunken habe, antwortete der Mann: „Nein, das wird man 22 Uhr schon mitkriegen.“

Eine Bombe gab es vor Ort nicht. Das Handy konnten die Beamten Enrico S. zuordnen. Wegen Vortäuschens einer Straftat und Notruf-Missbrauchs stand der Mann am Dienstag vor dem Amtsgericht Dresden. Der 59-Jährige räumte ein, den Notruf an die Polizei abgesetzt zu haben. „Ich habe einen Anruf in gebrochenem Deutsch bekommen, dass in Heidenau eine Bombe deponiert ist und explodieren wird. Wenn ich einen solchen Anruf bekomme, bin ich verpflichtet die Polizei zu informieren“, erklärte er am Dienstag.

Diese Geschichte hatte er schon im August der Polizei, später seiner Betreuerin und auch seinem Anwalt erzählt. Betrunken ist der Angeklagte an jenem Abend nicht gewesen. Seit einer Operation verfügt er nur noch über ein Drittel seines Magen. „Ich kann gar nicht mehr viel essen oder trinken.“ Früher, als er noch trinken konnte, hat er – deftig formuliert – regelrecht gesoffen. Heute kämpft der EU-Rentner mit den Langzeitfolgen seines Alkoholkonsums, vor allem mit psychischen Problemen. Deshalb kümmert sich eine vom Gericht bestellte Betreuerin um seine Angelegenheiten. „Er kann sich bei seinem Krankheitsbild eine solche Geschichte nicht ausdenken und dann über ein halbes Jahr konstant dabei bleiben. Das schafft er nicht, dafür hat er zu viele geistige Aussetzer. Die Geschichte würde immer eine andere sein“, erklärte die Betreuerin. Sie schilderte den Angeklagten als sehr vertrauensselig und so gutgläubig, dass er sich am Telefon selbst die sinnlosesten Verträge aufschwatzen lasse.

Nicht unmöglich also, dass Enrico S. tatsächlich von jemandem angerufen wurde, der seine Probleme kannte und sich einen Scherz erlauben wollte. Zumal die Ermittler einen solchen Anruf nachweisen konnten. Allerdings verlor sich dessen Spur in einem Call-Center.

Eine verfahrene Kiste! Richterin Annegret Lissel stellte das Verfahren ein.

Von Monika Löffler

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