Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+
NS-Kindergrab auf dem St.-Pauli-Friedhof wird bis 2015 umgestaltet - Schüler stellen Entwürfe vor

NS-Kindergrab auf dem St.-Pauli-Friedhof wird bis 2015 umgestaltet - Schüler stellen Entwürfe vor

Es sind bewegende Szenen, die sich am Dienstagvormittag auf dem St. Pauli-Friedhof abspielten. "Es ist einfach wunderbar, was hier gerade passiert", seufzte Solveig Buder überwältigt.

Voriger Artikel
Christopher Street Day: Wie tolerant sind die Dresdner im Umgang mit Homosexualität
Nächster Artikel
Kleine Seen auf Seidnitzer Wegen: Bürger klagen über schlechten Zustand der Straßen und Bürgersteige

Annika Dube-Wnek, Charlotte Thiede, Sophie Richter und Solveig Buder (v.re.) an der Grabanlage für Kinder ehemaliger Zwangsarbeiterinnen auf dem St.-Pauli-Friedhof.

Quelle: Christian Juppe

Und dann kann die Geschäftsführerin des Vereins Jugend.Arbeit.Bildung e.V. die Tränen nicht mehr zurückhalten. Um sie herum versammelt stehen Mädchen und Jungen. Gerade eben haben sie in der Trauerhalle des Friedhofes Anregungen vorgestellt, wie man einen der traurigsten und lange Zeit auch vergessensten Flecken der Anlage endlich in einen Zustand versetzen könnte, der seiner erschütternden Geschichte gerecht wird.

225 Kinder fanden hier, an der Südmauer des Friedhofes, zwischen 1943 und 1945 ihre letzte Ruhe. Meist Säuglinge noch, von polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiterinnen, unfähig, sich der groben Behandlung und Vernachlässigung zu erwehren, die sie erfuhren. Geboren in der sogenannten "Ausländerkinderpflegestätte Kiesgrube" am Hammerweg, war ihnen im Rassenwahn der Nationalsozialisten keine Chance auf Leben zugedacht. Für 225 der über 500 im Lager geborenen Zwangsarbeiterkinder endete ein kurzer, ernster Blick in diese Welt auf dem St.-Pauli-Friedhof. Achtlos verscharrt in Schuhkartons.

Ab den 50er-Jahren wies ein schmuckloser Stein auf ihr stilles Sterben hin. Doch erst als Sozialpädagogin Annika Dube-Wnek 2008 bei Recherchen auf das Thema stößt und sich auf die Spur der Kinderschicksale begibt, wird das ganze Ausmaß der Tragödie offenbar: 225 tote Kinder über eine Distanz von 90 Metern. Von fast allen findet Dube-Wnek Namen und Lebensdaten in den Archiven. Gemeinsam mit dem Verein Jugend.Arbeit.Bildung e. V. entsteht das Projekt "Kindergrabanlage". Das Ziel ist, unter reger Beteiligung der Dresdner endlich eine würdige Begräbnisstätte für die Kinder zu schaffen. Besonders junge Menschen sollen sich mit jenen Ereignissen auseinandersetzen.

In Dresdner Schulen wurde man fündig. "Wir waren überrascht, wie groß das Interesse der jungen Leute war, die Geschichte ja sonst häufig nicht so spannend finden", sagt Annika Dube-Wnek. Wie sehr die Schüler die erschütternden Kinderschicksale beschäftigten, lässt sich aus ihren Ideen zur Gestaltung der künftigen Gedenkstätte ablesen.

"Lebensbrücken" haben Charlotte Thiede und Sophie Richter (beide 17) vom Kreuzgymnasium ihren Entwurf genannt. Mit brückenartigen Sandsteinelementen, eingestürzten Bauklötzen nachempfunden, wollen sie den langen Rasenstreifen schmücken. "Sie sollen das Kindliche und die Zerstörung dieser jungen Leben symbolisieren", sagen die beiden Elftklässlerinnen. Aber auch den gewaltsamen Abbruch der Brücken sowohl der Kinder zu ihren Eltern als auch zwischen Tätern und Moral. Gemeinsam mit Annika Dube-Wnek haben die Mädchen in Archiven die Schicksale zweier Kinder recherchiert und eine Sacharbeit dazu verfasst. Ihre wie auch die Namen der anderen Kinder sollen auf den Sandsteinelementen Platz finden.

Insgesamt elf Entwürfe haben Schüler des Kreuzgymnasiums, der Freien Waldorfschule, des BSZ für Soziales und Gesundheit sowie Jugendliche aus Bildungsmaßnahmen des Vereins Jugend.Arbeit.Bildung am Dienstag vorgetragen. Darunter waren wellenartig angeordnete Stelen, die auf ein Wasserspiel zulaufen, bunt gestaltete Namenskacheln für jedes Kind, aber auch forschere Ideen, die bewusst auf das Vermitteln des Endgültigen und Zerstörerischen im Leben dieser Kinder setzen. Sie zeugten von solch einem für derart junge Menschen erstaunlichen geistigen Tiefgang, dass den Projektverantwortlichen und Stadtgrünamtsleiter Detlef Thiel die Rührung ins Gesicht geschrieben stand.

Alle Vorschläge werden nun in die Entscheidung für eine endgültige Gestaltungsversion einfließen. Am 11. Juni steht hierzu ein erster Termin zwischen Projektträger, den Ämtern für Stadtgrün, Denkmalschutz und Kultur sowie der Friedhofsverwaltung an. Die Kosten für die Realisierung wird vollständig der Freistaat Sachsen tragen. "Wir halten weiterhin an unserem Ziel fest, die neue Anlage zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges im nächsten Jahr eröffnen zu können", zeigt sich Solveig Buder hoffnungsvoll. Zweieinhalb Jahre harte Arbeit würden dann belohnt.

www.zwangsarbeiterkinder-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.05.2014

Jane Jannke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.