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Mutmaßlicher Entführer mit Erpressung von Supermarkt gescheitert

Prozess gegen Mörder von Anneli Mutmaßlicher Entführer mit Erpressung von Supermarkt gescheitert

Knapp drei Wochen vor der Entführung und Ermordung der 17-jährigen Anneli-Marie hat der mutmaßliche Täter offensichtlich versucht, die 1,2 Millionen Euro Lösegeld von einer Supermarktkette zu erpressen.

Markus B. hatte versucht Lidl zu erpressen.

Quelle: DNN/Archiv

Dresden. 1,2 Millionen Euro hatte der mutmaßliche Mörder von Anneli-Marie R. nach deren Entführung am 13. August 2015 von ihrem Vater gefordert. Das Geld sollte dieser auf ein maltesisches oder malayisches Konto überweisen. Uwe R. organisierte das Geld aber der Erpresser meldete sich nicht mehr. Einige Tage später wurde die 17-Jährige gefunden. Erdrosselt mit Kabelbindern und einem Spanngurt.

Es war nicht die erste Erpressung des  40-Jährigen. Wenige Wochen  zuvor hatte er versucht, die Lidl-Stiftung zu erpressen. Ende Juli hatte Marcus B. zweimal in der Zentrale angerufen und mit präparierten Produkten in verschiedenen Filialen und  einer angeblich „hochexplosiven Ätherbombe“ gedroht, wenn er nicht 1,2 Millionen bekäme. Das Unternehmen sollte  ein Offshorekonto in Malta einrichten, das Geld überweisen und danach eine  Anzeige in der „Stuttgarter Zeitung“ aufgeben: „Für Onkel Meier alles Gute mit Kontonummer“. Als man ihm mitteilte,  dass  der Konzern solche Transaktionen nicht tätige, legte der Mann auf und meldete sich nicht wieder. Die Ermittler in Heilbronn kamen nicht weiter

Marcus B. hatte wohl schon sein nächstes Opfer im Visier: Die Familie R. und deren Tochter Anneli-Marie. „Als wir zufällig im Radio die Pressekonferenz im Fall Anneli hörten, fiel uns die Duplizität der Forderungen auf, sagte gestern ein Kriminalbeamter aus Heilbronn. „In beiden Fällen ging es um 1,2 Millionen Euro und um ein maltesisches Konto“. Die Beamten konsultierten ihre Kollegen in Dresden und einen Sprachgutachter. Der Experte war sich nach dem Vergleich der aufgezeichneten Telefonate schnell sicher, dass es derselbe Mann sei. Auch der Mitangeklagte Norbert K., dem man die Telefonate vorgespielt hatte, hatte  den 40-Jährigen als Anrufer identifiziert. Zudem passt auch die Herkunft der Anrufe - von einer Telefonzelle an der A 72 in Plauen und einem im Bereich Erlangen eingeloggten Handy mit falscher Identität - zu dem Beschuldigten.

Marcus B. schwieg zu den Vorwürfen. Gemeinsam mit Norbert K. muss er sich wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Beide sollen die Unternehmerstochter entführt und in einem Gehöft in Lampersdorf versteckt haben. Marcus B., so die Anklage, habe die 17-Jährige dann mit Kabelbindern und einem Spanngurt erdrosselt, da er fürchtete, von den Mädchen wiedererkannt zu werden. Die Männer hatten keine Masken und B. auch keine Handschuhe getragen.
„Wenn mein Mandant keine Handschuhe trug, müssen auf dem Spanngurt, um Annelis Hals, seine Fingerabdrücke gewesen sein“, folgerte sein Anwalt. Da aber keine gefunden wurden, forderte er ein Gutachten des fernsehbekannten Kriminalbiologen Mark Bennecke, der dieses Phänomen erklären solle. Das Gericht will über den Antrag beraten. Norbert K. hatte allerdings bei seinen Vernehmungen angeben, das der Spanngurt, mit dem Anneli in der Scheune offenbar getötet wurde, eine andere Farbe hatte, als der, den sie um den Hals hatte, als die Polizei sie fand.

von Monika Löffler

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Landgericht Dresden
Einer der Angeklagten bei Prozessauftakt.

Akten wurden studiert, Zeugen gehört, Sachverständige befragt - der Anneli-Prozess ist in der Schlussphase. In der Verhandlung sitzen die Eltern der entführten und ermordeten 17-Jährigen den mutmaßlichen Tätern gegenüber - mit klarer Erwartung an das Urteil.

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