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Müll für den Klimaschutz: Dresdner Verwertungsanlage produziert umweltfreundlichen Brennstoff für Kohlekraftwerke

Müll für den Klimaschutz: Dresdner Verwertungsanlage produziert umweltfreundlichen Brennstoff für Kohlekraftwerke

Während früher Müll einfach eingelagert oder verbrannt wurde, ist heute Wiederverwertung Trumpf. In Dresden konnten 2011 von 173 873 Tonnen Abfall der privaten Haushalte 92,2 Prozent oder 160 333 Tonnen verwertet werden.

In ganz Sachsen liegt der entsprechende Wert bei 76 Prozent. Das geht aus einer kürzlich vom sächsischen Umweltministerium veröffentlichten Statistik hervor. Auch Umweltminister Frank Kupfer (CDU) hat den Wert von Abfall erkannt: "Abfälle sind längst eine wichtige Rohstoffquelle. Ihre Wiederverwendung schont Ressourcen, spart Energie und ist damit auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz." In Dresden ist diese Erkenntnis nichts Neues. Hier hat sich der Stadtrat bereits 1996 bewusst dagegen entschieden, den Restmüll einfach in die Müllverbrennungsanlage zu schicken. Vielmehr wurde 2001 am Hammerweg eine der ersten Biologisch-Mechanischen Aufbereitungsanlagen in Deutschland eröffnet. Dort wird der Restmüll der Landeshauptstadt zu so genanntem Trockenstabilat verarbeitet. Dabei handelt es sich um ein aus grau-bunten Flocken bestehendes Gemisch, das ähnlich gut brennt wie Braunkohle, dabei aber fast klimaneutral ist.

Auf diese Weise verwandelt sich über die Hälfte der etwa 74 000 Tonnen Restmüll, die alle Dresdner jedes Jahr verursachen, in begehrten Brennstoff für Kohlekraftwerke, Zementfabriken oder Papierhersteller. "Wir haben unter anderem einen Vertrag mit Vattenfall und liefern unser Trockenstabilat an das Kraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg", berichtet der Betriebsleiter der Dresdner Aufbereitungsanlage, Frank Heinze. Geld verdienen lasse sich damit aber nicht, weil es nicht sehr viele Anlagen gebe, die Abfall verwenden dürfen, betont der Diplomingenieur. Gegenwärtig bezahlt die Dresdner Abfallverwertungsgesellschaft Geld dafür, dass der Müll von den Kraftwerken genommen wird. "Allerdings müssten wir das Dreifache bezahlen, wenn wir den Abfall in die Müllverbrennungsanlage schaffen würden. Von daher lohnt es sich schon", so Heinze.

Wie viel genau die Dresdner Abfallverwertungsgesellschaft an Vattenfall zahlen muss, möchte der 44-Jährige allerdings nicht verraten. Auskunftsfreudiger zeigt sich in diesem Punkt Sascha Ebersberger von der Herhof GmbH, die die Biologisch-Mechanische Aufbereitungsanlage in Dresden gebaut hat und in Osnabrück selbst eine betreibt: "Lange Zeit mussten wir in Osnabrück pro Tonne Trockenstabilat 30 bis 40 Euro zuzahlen. Mittlerweile sind es nur noch fünf Euro und in Kürze werden wir nichts mehr bezahlen müssen." Zur Nachfrage beigetragen hat vor allem das seit 2005 existierende Emissionshandelsgesetz, das Kraftwerke und andere massive Kohlendioxid-Verursacher dazu zwingt, ihre Emissionen zu verringern.

Obwohl Frank Heinze keine Dresdner Zahlen nennen möchte, kann auch er bestätigen, dass sich die Abnahme für das Trockenstabilat immer weiter verbessert hat. "Die Höhe der Zuzahlung ist bei uns ebenfalls geringer geworden, was neben anderen Faktoren dazu beigetragen hat, dass die Müllgebühren in Dresden in den vergangenen Jahren recht konstant waren." Möglich ist die Gewinnung des Brennstoffs dank ausgeklügelter Technologien, die die verschiedenen Bestandteile des Mülls voneinander trennen. "Nachdem der Müll zerkleinert und sieben Tage lang in Rotteboxen getrocknet wurde, werden anschließend durch Lüfter, Rütteleinrichtungen oder elektrische Felder Metalle und Schwerstoffe wie Keramik oder Glas separiert", erklärt Frank Heinze. Bei der Firma Herhof zeigt man sich sogar dermaßen von der Technik überzeugt, dass man am liebsten den gelben Sack ersetzen würde. "Eigentlich ist nur die Trennung von Papier- und Biomüll sinnvoll. Der Rest kann am besten mit den Maschinen sortiert werden", betont Sascha Ebersberger. Kritiker bemängeln vor allem, dass die bisherige Mülltrennung ineffizient sei und ein Großteil des Mülls, der einen Grünen Punkt hat, in die Müllverbrennungsanlage gebracht werde, weil er verunreinigt sei.

Auch der Dresdner Betriebsleiter Frank Heinze ist überzeugt, dass seine Maschinen diese Aufgabe übernehmen könnten, allerdings sieht er ein Problem bei den Kapazitäten: "Theoretisch wäre es zwar möglich, aber tatsächlich handelt es sich um ein derartig gigantisches Volumen, das die Anlage nicht bewältigen könnte."

Stephan Hönigschmid

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2013

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