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Mückenexpertin Doreen Werner: "Ich freu mich über jede Mücke"

Mückenexpertin Doreen Werner: "Ich freu mich über jede Mücke"

Kaum ist das Hochwasser weg, kommen die Mücken. Und zwar in Massen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, weiß Dr. Doreen Werner. Die Diplombiologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.

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Dr. rer. nat. Doreen Werner

Quelle: Monique Luckas

V. in Müncheberg ist derzeit in den Überschwemmungsgebieten entlang der Mulde und Elbe, u.a. auch in Dresden, unterwegs auf Mückenfang. Denn von den Blutsaugern kann sie gar nicht genug bekommen. "Ich freu mich über jede Mücke", sagt sie. Warum, verrät sie im Interview.

DNN: Warum sammeln Sie Mücken?

Doreen Werner: Um Mücken hat man sich in Deutschland seit dem Verschwinden der Malaria nach dem Zweiten Weltkrieg wissenschaftlich kaum gekümmert. Deswegen fehlt grundlegendes Wissen über ihr Vorkommen und die Verbreitung der einzelnen Arten. Das ist ein großes Manko, denn durch die Globalisierung und die Klimaveränderung siedeln sich hierzulande auch nicht einheimische Mücken an. Einige Stechmücken und andere blutsaugende Insekten können Krankheiten übertragen. Deshalb führen das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit seit 2011 deutschlandweit ein Monitoring für Mücken durch. Wir haben im gesamten Bundesgebiet an über 120 Standorten - u.a. auch in Dresden - Mückenfallen unterschiedlichster Art installiert, um so viele Mückenarten wie möglich zu fangen.

Trotzdem rufen Sie die Bevölkerung auf, ihnen beim Mückenfang zu helfen?

Ja, denn Fallen sind natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir können nicht überall sein. Deshalb haben wir 2012 die Bürger um Unterstützung gebeten. Über 2000 Einsendungen mit über 6000 Mücken sind im vergangenen Jahr eingegangen. Ich hoffe sehr, in diesem Jahr werden es noch mehr. Wir sind für jede Mücke wirklich unendlich dankbar.

Aber zerquetscht nutzen die Ihnen nichts, oder?

Nein. Um die Mücken bestimmen zu können, brauchen wir natürlich intakte Exemplare. Am besten ein kleines Gefäß über die Mücke stülpen und verschließen. Dann ab damit in den Gefrierschrank. Dort einen Tag drin lassen und dann in einem kleinen Döschen an uns schicken. Wer mitmachen möchte, kann sich auch auf unserer Internetseite www.mueckenatlas.de noch näher informieren.

Was machen Sie mit den Mücken, wenn die Art bestimmt ist?

Bei uns geht jede Mücke in die Sammlung ein. Mit dieser wollen wir eine Grundlage schaffen, damit in 50 oder 100 Jahren Wissenschaftler Vergleiche ziehen können. Denn das können wir jetzt nicht. Übrigens bekommt jeder, der uns eine Mücke einsendet, eine Antwort, welche Art er gefangen hat. Kinder bekommen eine Mückenjägerurkunde.

Gibt es denn so viele verschiedene Stechmückenarten?

Etwa 3500 sind weltweit registriert. Etwa 50 verschiedene Arten wurden bislang in Deutschland nachgewiesen.

Und haben Sie schon nicht einheimische Arten gefunden, die Krankheiten übertragen könnten?

Im Süden Nordrhein-Westfalens und im Norden von Rheinland-Pfalz konnten wir - übrigens durch Einsendungen für unseren Mückenatlas - die asiatische Buschmücke nachweisen. Diese ist nicht nur sehr aggressiv, sondern kann auch das West-Nil-Virus übertragen.

Haben Sie in Sachsen schon invasive Mückenarten entdeckt?

Nein. Noch nicht. Aber ich bin sehr gespannt, was jetzt mit den nächsten Einsendungen kommt.

Warum befürchten Sie, dass es jetzt nach dem Hochwasser zur Mückenplage kommt?

In den Überflutungsgebieten bleiben nach Rückzug der Gewässer Wasserlachen und Pfützen stehen - hervorragende Bruthabitate für Mücken, die sich explosionsartig vermehren, wenn sie es feucht und warm haben. Optimal sind zwischen 18 und 23 Grad Celsius. Wird es zu heiß - also über 25 Grad - mögen Stechmücken nicht mehr so gern fliegen. Auch ab 12 Grad Celsius sind sie gut dabei. Aber das ist abhängig von der Art.

Die haben übrigens unterschiedliche Strategien bei der Eiablage. Die Gemeine Stechmücke zum Beispiel legt ihre zusammengeklebten Eigelege auf Wasseroberflächen ab. Das kann in einer Regentonne sein, in einer Blumenvase auf dem Friedhof, in einem Blumentopf, in einem vergessenen Spielzeug im Buddelkasten oder in einer Pfütze im Straßengraben. Dann gibt es Arten, die wissen, dass in bestimmten Bereichen zu bestimmten Zeiten - zum Beispiel nach der Schneeschmelze - Wasser steht. "Überflutungsmücken" - dazu gehören zum Beispiel Aedes vexans und Ochlerotatus sticticus - legen ihre Eier in den Wurzelbereich von Pflanzen entlang der Flüsse.

Wie schnell muss man denn mit der Mückeninvasion rechnen?

Zwei, drei Wochen nach dem Rückzug des Hochwassers. Je nachdem, wie warm es ist.

Könnte man dem nicht mit einer großflächigen Bekämpfung entgegen treten?

Nein. Der Bereich wäre viel zu groß, wo man etwas machen müsste.

Ist es sinnvoll, im eigenen Grundstück Pfützen trocken zu legen und Regentonnen abzudecken?

Natürlich. Es ist immer sinnvoll, solche Mückenbrutplätze zu vermeiden.

Machen Ihnen Mückenstiche noch etwas aus?

Na, freiwillig stechen lasse ich mich nicht! Wenn mich eine Mücke anfliegt, zögere ich vielleicht ein bisschen länger als andere, aber dann bin ich auch erbarmungslos.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.06.2013

Catrin Steinbach

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