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Mondholz aus der Dresder Heide - Der Mond bestimmt den Fäll-Zeitpunkt

Mondholz aus der Dresder Heide - Der Mond bestimmt den Fäll-Zeitpunkt

Das Kreischen einer Kettensäge, heftige Axtschläge und das typische Geräusch eines fallenden Baumes unterbrachen gestern im Bühlauer Forst immer wieder die winterliche Stille.

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Andreas Glaser (li.) und Hagen Zeun haben im Bühlauer Forst eine 32 Meter hohe Fichte zu Fall gebracht. Geschlagen bei Neumond wird sie als Mondholz verkauft. Das Holz soll haltbarer und widerstandsfähiger sein.

Quelle: H. Schuster

Von Hannelore Schuster

Baumfällarbeiten im Winter sind in der Dresdner Heide nicht Ungewöhnliches - die an diesem Tage schon. Denn die beiden Forstarbeiter Andreas Glaser und Hagen Zeun schlugen so genanntes Mondholz. Eigens dafür ausgesucht wurden Fichten, die weit mehr als 100 Jahre Zeit hatten schön gerade zu wachsen und deren Stamm einen Durchmesser von etwa einem halben Meter hat.

"So wie der Baum gefallen ist, bleibt er mit den Ästen rund drei Monate liegen", beschreibt Heiko Müller, Abteilungsleiter im Staatsbetrieb Sachsenforst. "Denn der Mond allein macht es nicht." Diese Methode, den Baum nicht weiter zu bewegen, bewirkt, dass auch über die Äste und zudem gleichmäßig Wasser verdunstet wird. Für das Holz bedeutet das: Betrug zum Zeitpunkt des Fällens die Feuchte im Baumstamm 30 Prozent, ist sie nachher um rund zehn Prozent zurückgegangen.

"Die Sägewerker freuen sich darüber", ist sich Heiko Müller sicher. Denn alles was die Natur bereits selbst erledigt hat, muss nicht mit Hilfe der Technik nachgeholt werden. Anfang Mai werden die Stämme in etwa 16 Meter lange Stücke gesägt und gestapelt. So warten dann insgesamt 100 Kubikmeter Mondholz, geschlagen in den Forstrevieren Bühlau und Ullersdorf, auf Käufer. Etliches ist schon vorbestellt.

Seit 2003 wird in der Dresdner Heide Mondholz geschlagen. Bedenkt man, dass der Holzeinschlag im Jahr rund 50 000 Kubikmeter beträgt, so ist der Anteil dieses speziellen Holzes vergleichsweise gering. Dennoch hat es über die Jahre seine Liebhaber gefunden. "Auf Bestellung können wir neben Fichte und Kiefer auch Laubholz wie Buche und Eiche als Mondholz schlagen", wirbt Heiko Müller. Der etwas höhere Aufwand schlägt mit einem Mehrpreis von rund 15 Prozent zu Buche. "Dafür bekommt man ein Holz, das wenig arbeitet - genau richtig für tragende Teile beim Hausbau", argumentiert er. Kein Ärger mehr mit verdrehten Balken und großen Rissen. Er spricht aus Erfahrung, schließlich hat er im eigenen Haus selbst Mondholz verbaut.

Wie dieser einheimische nachwachsende Rohstoff verbaut wird, zeigt auch das Blockhaus im Langebrücker Forst. Das Holz dafür wurde in unmittelbarer Umgebung zum richtigen Zeitpunkt im Winter 2007/2008 geschlagen. Im darauf folgenden Sommer bauten besonders talentierte Forstmitarbeiter mit tatkräftiger Unterstützung durch Bürger und Unternehmen das Blockhaus, das als Wanderrast gern genutzt wird.

Alte Zimmerleute, insbesondere in der Alpenregion, schwören auf das so genannte Mondholz. Nach überlieferten Holzeinschlagregeln, die seit vielen Generationen genutzt werden, wird es im Winter bei Neumond geschlagen. Bekanntermaßen befinden sich Bäume im Winter in einer Phase der Vegetationsruhe. In der Zeit des Neumondes soll sich besonders wenig Feuchtigkeit im Holz befinden, eine wichtige Voraussetzung, damit das Holz weniger arbeitet. Zudem soll Mondholz weniger anfällig gegen bestimmte Schädlinge sein. Wissenschaftlich erwiesen ist dies bislang nicht, so dass es neben Verfechtern des Mondholzes auch Wissenschaftler gibt, die immer wieder Zweifel an einer höheren Wertigkeit dieses Holzes geltend machen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.01.2012

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