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Modekette Strauss flieht unter den Schirm - 40 Jobs in Dresden gefährdet

Modekette Strauss flieht unter den Schirm - 40 Jobs in Dresden gefährdet

Das Wetter hat vielen Einzelhändlern im vergangenen Jahr die Geschäfte verhagelt: Erst zu kalt, dann zu warm - und immer passten die Sortimente nicht. Die bekannte Mode- und Lifestyle-Kette Strauss Innovation ist nun zum Opfer dieser Wetterkapriolen geworden.

Es droht die Insolvenz, 1400 Mitarbeiter müssen um ihre Jobs zittern. Am Donnerstag vergangener Woche beantragte das Unternehmen beim Düsseldorfer Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren.

Das schlechte Wetter ist nur eine Seite der Medaille. Bei dem über 100 Jahre alten Unternehmen scheint es bereits seit längerer Zeit nicht mehr rund zu laufen. Dabei hatte der Einzelhändler, der mit einem gemischten Programm von Kleidung, Schuhen, Möbeln, Wohntextilien, Süß- und Dekowaren als Mode- und Lifestyle-Kette warb, die Konkurrenten ausgestochen und eine Nische fest besetzt. Doch der Wettbewerb wurde schärfer, neue Anbieter eröffneten Shops mit Bettwäsche, Geschirr, Tischdecken und Accessoires - und der Kostendruck stieg. "30 Prozent Rabatt auf alle Produkte für Käufer mit Kundenkarten!" - so umwarb das Unternehmen noch letzte Woche seine Käuferschichten. Doch die anhaltende Rabatte, nicht nur bei Strauss Innovation, sind ein Teufelskreis: Strauss habe im vergangenen Jahr mit deutlichen Rabattaktionen auf das herausfordernde Wettbewerbsumfeld reagieren müssen, um das Geschäft von Saison zu Saison zu stützen, beschrieb das Unternehmen die Lage. So gerieten die Preise immer wieder unter Druck - mit den bekannten Auswirkungen auf Erlöse und Gewinn.

Bis Ende März muss die Warenhauskette nun bei Gericht einen Sanierungsplan vorlegen. Daran sollen neben der aktuellen Geschäftsführung auch Vertreter der Gläubiger und der Arbeitnehmer mitarbeiten. Als sogenannter Sachwalter wurde der Kölner Rechtsanwalt Andreas Ringstmeier vom Gericht bestellt. Die Ladenkette mit bundesweit 96 Filialen und rund 1400 Beschäftigten hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr "signifikante Verluste" erwirtschaftet. Ein Stellenabbau und auch die Schließung von Filialen wurden nicht ausgeschlossen. "Grundsätzlich ist es aber unser Ziel, mit allen Beteiligten eine gemeinsame Lösung zu finden, um das Unternehmen wieder auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen", erklärt Strauss-Pressesprecher Georg Lamerz.

Bereits im vergangenen Jahr wurden einige Maßnahmen ergriffen, um die strauchelnde Kette wieder auf Vordermann zu bringen. "So haben wir ein neues Store-Konzept entwickelt, dass bereits in Leipzig, Berlin und Bergisch-Gladbach getestet wurde", berichtet Lamerz. Dabei habe man auf eine strikte Trennung zwischen den einzelnen Bereichen geachtet, um das Image des "Gemischtwarenladen" loszuwerden und für den Kunden aufgeräumter, strukturierter und ansprechender zu wirken. In der Leipziger Filiale sei das Konzept sehr gut angekommen, im laufenden Jahr sollen nun weitere Filialen umstrukturiert werden. Die Dresdner Strauss-Filiale im Hauptbahnhof, die erst am 28. November 2013 eröffnete, wurde bereits nach dem neuen Konzept gestaltet. "Es ist natürlich klar, dass wir nicht mit einem Schlag 96 Filialen renovieren können. Die Einführung des neuen Konzeptes wird seine Zeit brauchen", so Lamerz.

Bereits vor sechs Jahren hatte das Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten. Der damalige Investor EQT Opportunity führte mit seiner Übernahme ebenfalls eine grundlegende Sanierung durch, welche sowohl eine Markenrepositionierung, als auch die Schließung von unrentablen Filialen beinhaltete. Viel gebracht haben die Maßnahmen anscheinend nicht, denn Strauss Innovation sei in den vergangenen Jahren immer defizitär gewesen, so Lamerz. Seit 2012 ist Strauss Innovation in den Händen von Sun European Partners, der europäischen Berater des Sun Capital Partners - ein Unternehmen, das sich vor allem auf fremdfinanzierte Übernahmen und Schuldenmanagement spezialisiert hat. Investitionen bzw. Übernahmen erfolgen hauptsächlich bei marktführenden Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 30 Millionen Euro. Zu den bekanntesten Beteiligungen von Sun Capital Partners im deutschsprachigen Raum gehört das Versandhaus Neckermann, das am 18. Juli 2012 Insolvenz anmeldete.

Doch soweit soll es bei Strauss Innovation nicht kommen. Lamerz betonte, dass man versuchen werde, die Auswirkungen auf die Beschäftigten so gering wie möglich zu halten. In den Dresdner Filialen am Altmarkt, an der Hüblerstraße, im Hauptbahnhof und auf der Hauptstraße sind insgesamt 40 Mitarbeiter angestellt.

Für deren Arbeitsplatz will sich nun auch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di einsetzen. Wie Pressesprecher Christoph Schmitz auf DNN-Anfrage erklärte, erwartet die Gewerkschaft unter anderem, dass sich der Investor Sun European Partners für seine Beschäftigten einsetzt und sich nicht klammheimlich aus der Affäre zieht. Außerdem habe Ver.di einen Platz im Gläubigerausschuss beantragt, um den Betriebsrat von Strauss Innovation nach Kräften zu unterstützen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2014

ste / dpa

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