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Mit feiner Feder - Das goldene Buch der Stadt Dresden und ihre Schreiberin

Mit feiner Feder - Das goldene Buch der Stadt Dresden und ihre Schreiberin

Das goldene Buch der Stadt Dresden strahlt matt. Der schwarze Einband aus Leder wirkt edel und schlicht, mittig auf dem Buchdeckel leuchtet das Wappen der sächsischen Landeshauptstadt und die Seitenränder glänzen goldfarben.

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Heidi Kohlert schreibt die Einträge für das Goldene Buch der Stadt Dresden.

Quelle: Dominik Brüggemann

Statt Prunk und Protz dominiert eine angenehme und schlichte Eleganz. Die Zeilen, in denen Anlass und Name des Gastes niedergeschrieben stehen, sind dagegen von Schnörkeln und ausladenden Schriftformen geprägt.

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Früher hat Frau Kohlert auch Filmtitel beschriftet.

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Für diese kunstvolle Handarbeit ist die Dresdnerin Heidi Kohlert verantwortlich, eine profunde Expertin, die ihr anfängliches Hobby zum Beruf gemacht hat. Bei einem persönlichen Besuch im Arbeitszimmer ihrer Wohnung berichtet sie von ihrer kalligrafischen Tätigkeit. „Mit einer Ausbildung als Filmgrafikerin im Spielfilmstudio Babelsberg hat alles begonnen. Neben Malerei und Grafik wurde auch Wert auf Schriftgestaltung gelegt. Hier entwickelte ich meine Liebe zur Schrift. Danach habe ich im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden gearbeitet. Dort konnte ich spielerisch mit Schrift umgehen, indem ich die Titel (Vor- und Abspann) der Filme gestaltete“, sagt sie und zeigt einige Filmtitel die sie auf Folie mit Hilfe von Feder, Pinsel oder anderen Werkzeugen und Materialien geschrieben hat.

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Das Goldene Buch der Stadt Dresden besteht inzwischen aus insgesamt 5. Ausgaben.

Quelle: Dominik Brüggemann

Mit dem Ende des Studios 1991 gelang es ihr eine Stelle als Grafikerin im Presseamt der Landeshauptstadt Dresden zu bekommen. Dort konnte sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der Schriftgestaltung gut anwenden. Neben dieser Tätigkeit übernahm sie die Aufgabe Besucher der Stadt in das „Goldene Buch“ nach einem vorgegebenen Text kalligrafisch einzutragen, den der Gast nur noch zu unterschreiben hat. Diese Arbeit führt sie noch heute auf Honorarbasis aus. Inzwischen schreibt sie auch in andere Gästebücher: z. B. der Staatskanzlei, der Volkswagen-Manufaktur und des Deutschen Roten Kreuzes. Für ihre Auftraggeber gestaltet sie Einladungen, Briefumschläge, Tischkarten und anderes.

Pro Farbportion drei Buchstaben

Hierfür benutzt sie spezielle Kalligraphie-Farbe. „Die ist besonders pigmentfein, so dass sie gut aus der Feder läuft“, ordnet sie die Vorteile gegenüber Tusche ein. Die Einträge im Goldenen Buch der Stadt Dresden schreibt sie zunächst zart mit einem Bleistift vor, da diese mittig auf der Seite stehen sollen. „Mit der Zeit habe ich ein Gefühl für die Zeilenlänge entwickelt. Früher habe ich vorher auf einem Blatt vorgeschrieben, aber mittlerweile greife ich direkt zum Bleistift“, gibt sie sich selbstbewusst und geht dank ihrer Erfahrung gelassen ans Werk. Pro grünlicher Farbportion auf der Bandzugfeder schafft sie etwa drei Buchstaben. Ein Fehler ist unverzeihlich. Das Papier saugt die Farbe rasch auf und lediglich mit einer Rasierklinge könnte Kohlert kleine Ausrutscher korrigieren. Aber Beanstandungen habe es bislang noch nicht gegeben.

Die schärfste Kritikerin ist sie selbst

Die schärfste Kritikerin ist deshalb sie selbst. „Ich sehe immer kleine Unstimmigkeiten, mit denen ich nicht zufrieden bin. Aber andere sehen das nicht.“ Ihre Einträge gelingen ihr am heimischen Schreibtisch. „Anders könnte ich das nicht. Ich brauche Ruhe und mein vertrautes Umfeld“, beschreibt sie die notwendige Konzentration. Dafür erhält sie das Goldene Buch in der Regel eine Woche vor dem Gastbesuch nach Hause geliefert und kann dann in Sorgfalt schreiben.

Und ihre Arbeit ist gefragt. Obwohl sie seit einigen Jahren Rentnerin ist, greifen die Mitarbeiter in der Abteilung Protokoll gerne auf ihre kalligrafischen Arbeiten zurück. Doch die hochrangigen Menschen, die ihre Unterschrift unter den Beitrag setzen, hat Frau Kohlert noch nie persönlich in Dresden gesehen. „Obama hätte ich schon gerne getroffen“, sagt Frau Kohlert. Aber die Arbeit mit der Feder ist ihr wesentlich wichtiger und der nächste hochrangige Besuch kommt bestimmt.

Dominik Brüggemann

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