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Mit Schnupfen in die Notaufnahme: Viele Patienten umgehen den Hausarzt

Mit Schnupfen in die Notaufnahme: Viele Patienten umgehen den Hausarzt

Ob Schnupfen oder Schmerzen: lieber gleich in die Klinik: Immer mehr Menschen gehen mit ihren Beschwerden sofort in die Ambulanzen statt zum Haus- oder Bereitschaftsarzt.

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Wie überall ist auch am Dresdner Universitätsklinikum die Versorgung in der Notfallaufnahme eigentlich nur für schwer erkrankte Menschen vorgesehen.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Dresden/Leipzig. Die Notfallaufnahmen in Sachsen sind voll, die Patientenzahlen steigend. "Die aktuellen Zahlen bestätigen erneut, dass die Krankenhäuser im Allgemeinen und ganz besonders die Uniklinika Lückenfüller in der ambulanten Versorgung sind", sagt Wilfried Winzer, Kaufmännischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. Von einer "Verschiebung der ambulanten Notfallversorgung in die Krankenhäuser" als "bundesweitem Trend" spricht Wolfgang E. Fleig, medizinischer Vorstand am Uniklinikum Leipzig.

Zügiger Betrieb wird verhindert

Für die Einrichtungen bedeutet dies vor allem zusätzliche Arbeitsbelastungen. Wenn zu viele Patienten mit relativ banalen Erkrankungen kommen, kann dies auch den zügigen Durchgang in der Notaufnahme behindern. An der Uniklinik Dresden stiegen die Patientenzahlen zum Beispiel in der Chirurgischen Notaufnahme von 29 243 im Jahr 2010 auf 32 679 im vergangenen Jahr. Das gesamte Zahlenwerk für die Notaufnahme 2014 stehe noch aus, so Unikliniksprecher Holger Ostermeyer gegenüber DNN. Doch schon der Vergleich der letzten Quartale von 2013 und 2014 zeige einen Anstieg aller dort eingewiesenen Notfälle um zwei Prozent. Da es bei den schweren Notfällen, die einer stationären Behandlung bedurften, einen leichten Rückgang gab, belaufe sich der Anstieg der ambulanten Fälle auf vier Prozent. Auf das Jahr 2014 hochgerechnet behandelte dieses Notfallteam gut 10 000 Patienten. Zusammen mit Chirurgischen Notaufnahmen wurden so über 43 000 Patienten als Notfälle behandelt. Dazu addieren sich dann noch Notfälle der Augen-, der Haut-, der HNO-Klinik, vor allem aber auch die von Kinder- und Frauenklinik.

Auch die Uniklinik Leipzig meldete mehr Patienten in der Zentralen Notaufnahme. Die Zahl stieg um 3,8 Prozent auf 34 000 im Jahr 2013. 2014 gab es einen weiteren Anstieg. Zwei Drittel der Patienten seien ambulant behandelt worden. Ein "nicht ganz kleiner Teil" hätte sich theoretisch auch beim Bereitschaftsarzt behandeln lassen können, so Klinikvorstand Feig.

Große Nachfrage an Wochenenden

Besonders voll sind Notfallambulanzen an Wochenenden oder an Tagen, an denen nicht genügend andere Institutionen Patienten versorgen können. Für viele ist der Gang in die Klinik bequemer und teilweise auch mit weniger Wartezeit verbunden. Die Unikliniken in Dresden und Leipzig, die überdurchschnittlich viele Notfallpatienten versorgen - abgewiesen werde natürlich niemand - , sehen sich allerdings finanziell benachteiligt.

Die komplette Bereitstellung der Notfallversorgung in chirurgischen, internistischen und neurologischen Bereichen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, verursacht hohe Kosten. Die würden im Kassensystem der Fallpauschalen nicht adäquat ausgeglichen, erklärte Wilfried Winzer. Zumal, bemängelt er, sich die Kassenärztlichen Vereinigung aus der ambulanten Notfallversorgung immer mehr zurückziehe. Unerfreulich, denn wie alle deutschen Uniklinika sei auch das Dresdner Haus seit Jahren unterfinanziert, so Winzer.

In anderen Häusern sieht es beim Sturm auf die Notaufnahmen ähnlich aus. So zählte das Diakonissenkrankenhaus Dresden in seiner 2012 neu eröffneten Notaufnahme im vergangenen Jahr hochgerechnet etwa 9800 ambulante Notfallpatienten. 2013 waren es noch 8700, sagte Kliniksprecherin Beate Mutzek. Sie wollte eine missbräuchliche Nutzung jedoch nicht bestätigen, sondern schließt aus der Steigerung eher auf den guten Ruf des Hauses. Ähnlich argumentiert das St. Joseph-Stift, wo allerdings der Anstieg von 11 869 (2013) auf 11 990 (2014) eher gering ausfiel.

Umgehen von Wartezeiten

Ingo Dörr, Vorstandsmitglied der Krankenhausgesellschaft Sachsen und Hauptgeschäftsführer im Verband der Privatkliniken in Sachsen und Sachsen-Anhalt, warnt, dass sich die Probleme in den kommenden Jahren gerade auf dem Land noch verschärfen würden. "Der Zulauf der Patienten in den Kliniken legt Defizite im niedergelassenen Bereich nahe. Wer beim Facharzt wochenlang auf einen Termin warten muss, geht lieber sofort in die Klinik, weil er weiß, dass er dort behandelt wird."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.01.2015

Romy Richter und Barbara Stock

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