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Mit Dampf in den Ruhestand

Zwei Dresdner Lokführer schieben auf Stammlok letzten Dienst Mit Dampf in den Ruhestand

Sie haben mehr als 40 Jahre Eisenbahngeschichte hautnah miterlebt: Rudhart Oehme und Dietmar Altmann. Jetzt naht für die beiden Dresdner Lokomotivführer der Ruhestand. Am 26. März 2016 treten sie auf ihrer Stammlok, der Dampflokomotive 52 8079, ihre letzte Fahrt an. Wer will, kann sie auf der Sonderzugfahrt begleiten.

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Die 1200 PS starke Dampflok 52 8079.

Quelle: Peter Weckbrodt

Dresden. Ein letztes Mal werden am 26. März kurz nach Mitternacht für Rudhart Ohme im Dresdner Stadtteil Gruna und für Dietmar Altmann in Reick die Wecker klingeln. Was dann folgt, sind über Jahrzehnte hinweg eingespielte Rituale. Ihre Frauen bereiten das Frühstück vor, auch die „Bemmen“ sowie die Kaffeekanne für unterwegs. Unterdessen machen sich die beiden Männer startklar. Es wird der unwiderruflich letzte Dienst sein, den die beiden am 26. März auf ihrer Stammlokomotive, der Dampflokomotive 52 8079, antreten.

Sie freuen sich darauf, ins ehemalige Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt zu kommen. Sie werden die schon unter Dampf stehende Lok bekohlen, am Kran Wasser nehmen, mit der Ölkanne in der Hand die Runde um das lange schwarze Ungetüm drehen und für ausreichende Öl in den Stangenlagern sorgen.

Beim letzten Dienst schieben sie eine ruhige Kugel

Rudi, so wird der Rudhart kurz genannt, und Dietmar werden nicht allein auf der Lok sein. Denn sie sollen die geplante sehr große Fahrt ganz entspannt auf ihrer Lok genießen und ein einziges Mal in ihren mehr als 40 Lokomotivführerjahren eine ruhige Kugel schieben. Zwei Kollegen übernehmen die vertrauten Pflichten, die Beobachtung der Strecke, die Kontrolle des Feuers und der beiden Wasserstandsgläser, das Einhalten der Fahrzeiten usw. Es sind die ihnen bestens vertrauten Handlungen, die die beiden ganz gelassen beobachten können: Mittels des Reglers bestimmt der Lokführer die Fahr- oder Rangiergeschwindigkeit, beim Anfahren braucht er ein Super-Fingerspitzengefühl gefragt, sonst drehen die Antriebsräder einfach durch. Wenn notwendig, werden die Schienen aus einem Dom über dem Kessel besandet.

Die rechte Hand des Lokführers scheint mit dem Führerbremsventil geradezu verwachsen zu sein. Mit ihm bremst er ganz nach Bedarf den Zug ab. Geschwatzt wird nicht auf dem Führerstand, das könnte ablenken. Der wechselseitige Zuruf der erkannten Signale ist hingegen absolute Pflicht!

Über sieben Steigungsstrecken in Sachsen soll es am Ostersonnabend mit einem Sonderzug gehen. Schon auf der Fahrt nach Arnsdorf erinnern sich die beiden Ehrengäste, wie die Dampfloks einst mit den schweren Güterzügen die Steigung hinauf nach Klotzsche mit Vorspannlok, oft sogar noch mit einer Schiebelok, zu Höchstleistungen gefordert wurden. Auf der späteren Fahrt Richtung Klingenberg-Colmnitz wird wieder ein richtiger Ohrenschmaus auch für die Gäste im Zug geboten, ist doch die Steigung von einem Meter Höhengewinn auf maximal 40 m Strecke richtig extrem. Das weckt dann wieder Erinnerungen!

Interessenten können bei Sonderzugfahrt mitreisen

Doch dann kommt für Rudi und Dietmar der ganz gemütliche Teil des Tages: Sie steigen von der Lok um in den mitgeführten oldtimerverdächtigen Reisezugwagen zu ihren Ehefrauen und den ebenfalls mitfahrenden langjährigen Arbeitskollegen. Gemeinsam geht es über steigungsreiche, landschaftlich schöne, aber teils nicht mehr von Zügen befahrene Strecken. Interessenten können mitfahren und diese Reise beim Zugveranstalter Chemnitz buchen.

Hier gibt’s Karten für Sonderzugfahrt

Sonderzugfahrt am 26. März „Über 7 Steigungsstrecken Sachsens“; geplante Fahrtroute: Dresden Hbf-Arnsdorf-Klingenberg-Colmnitz- Dresden Hbf- Meißen-Nossen-Freiberg-Annaberg.B.- Schlettau-Markersbacher Viadukt-Schwarzenberg-Aue-Thalheim-Chemnitz-Freiberg-Dresden Hbf.

Dresden Hbf ab 06:45 Uhr, Ankunft: gegen 21 Uhr; Fahrpreis Erw./Kind: 1. Klasse 85/70 Euro, 2. klasse 70/55 Euro; Buchung bei Sonderzugveranstaltungen Chemnitz, Bestellservice: Tel.: 0371-273 1697, E-Mail: Sonderzuege@gmx.de

Rudi Ohme ist der Ältere der Beiden Lokführer. Im damaligen Sudetengau 1944 geboren, kam er mit den Eltern 1947 nach Dresden und fand hier seine neue Heimat. Den Schuljahr folgte die Ausbildung zum Lokschlosser und schließlich zum Lokführer. Mit 24 Jahren erhielt er seine Lizenz. Dann folgten die Jahre des Dienstes auf den großen Güterzugdampflokomotiven der Baureihen 50, 52 und 58, der viel Verständnis von Ehefrau Christa, mit der seit 1965 verheiratet ist und den drei Töchtern abverlangte. Vor allem dann, wenn die Dienste nicht wie geplant abliefen.

Rudi Ohme erinnert sich an einen strengen Winter der 1970er Jahre: „Wir kamen mit Last aus Senftenberg, es schneite ohne Ende, und wir blieben vor dem Bahnhof Ortrand im Schnee stecken. Es war nichts zu machen, wir verständigten den Fahrdienstleiter. Der ließ eine Lok Gattung P 8, allen Eisenbahnfreunden ein absoluter Begriff, von einem in Gegenrichtung fahrenden Personenzug abspannen und schickte sie uns zur Hilfeleistung auf die Strecke. Mit vereinter Kraft schafften wir es, unseren Zug auf den Bahnhof zu schleppen. Dort warteten mehrere Reisende auf eine Fahrmöglichkeit nach Großenhain. Kurzentschlossen nahmen wir sie auf unseren Führerstand und brachten sie an ihr Ziel. Ab Großenhain mussten erst mal die Strecke für die Weiterfahrt nach Dresden freimachen. Mit einem riesigen Schneepflug räumten wir das Gleis bis nach Priestewitz. Schließlich mussten wir unsere Lok sogar noch abstellen, die Vorräte an Wasser und Kohle waren schlicht erschöpft.“

Von der Schinderei als Dampflokführer kann auch der ein Jahr jüngere Dietmar Altmann ein Lied singen: „Ein ständiges Ärgernis war schon die Kohle. Aus Mangel an Steinkohle feuerten wir meist Briketts, die hatten einen deutlich niedrigen Heizwert. Das wirkte sich nachteilig auf die Lokleistung aus. Es kam vor, dass wir auf der Strecke wegen Dampfmangel mit unserem Zug einfach liegen blieben.“

Der in Dresden geborene Altmann wuchs, bedingt durch die Wirren der Nachkriegszeit, bei seinen Großeltern auf. Auch seiner Ehefrau Regina und den beiden Kindern ging es wie den Ohmes, sie führten ebenfalls das typische Leben einer Lokführerfamilie mit all den Einschränkungen bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung.

Ohme wie Altmann machten alle Etappen des Traktionswechsels erst bei der Deutschen Reichsbahn und zuletzt bei der DB AG mit. Die Dampflokomotiven wurden von den Diesellokomotiven abgelöst, mit der Elektrifizierung der Strecken kamen die E-Lokomotiven. Lange schon waren Ohme und Altmann von den Güterzügen auf die schnellen Reisezüge umgestiegen. Auch die hochmodernen ICE sind beide noch gefahren. Nach dem Abschied von der Bahn gab es noch gelegentlich Dienste auf privat bestellten Sonderzügen. Viele Dresdner und ihre Gäste konnten die beiden anlässlich von Dampfloktreffen und Bahnhofsfesten bei der Mitfahrt über die Gleise des Bahnhofes Dresden-Altstadt auf dem Führerstand ihrer Stammlok, der 52 8079, hautnah in Aktion erleben. Das ist nun Geschichte, auch für Ruthard Ohme und Dietmar Altmann.

„Das waren zwei Lokführer, wie ich sie mir als verantwortlicher Fahrmeister im Bahnbetriebswerk Dresden nicht besser wünschen konnte: zuverlässig, pünktlich, hilfsbereit und stets in der Lage, auch in schwierigen Situationen sich und ihrer Lok selbst zu helfen“, lautet das Urteil von Alfred Hobl. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Peter Weckbrodt

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