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Methodistische Zionskirche in Dresden-Striesen feiert neuen Anbau mit einem "Tag der offenen Tür"

Methodistische Zionskirche in Dresden-Striesen feiert neuen Anbau mit einem "Tag der offenen Tür"

Der Kontrast ist beabsichtigt. An den graubraunen Putz der 63 Jahre alten evangelisch-methodistischen Zionskirche in Dresden-Striesen fügt sich ein moderner Anbau.

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Gemeindevertreter Matthias Rothe, der Bauverantwortliche Gunther Wohlgemuth und Pastorin Andrea Solbrig (v.l.) sind glücklich über den vollendeten neuen Anbau der Zionskirche in Dresden-Striesen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Auf unsichtbaren Säulen gelagert, scheint er dicht über dem Boden zu schweben. Braune, an Holz erinnernde Verkleidung, aus verzinktem Stahl eine schräge Auffahrt für Rollstuhlfahrer. Vor allem aber: raumhohe Scheiben über Eck. Viel Licht lässt der Dresdner Architekt Patrick Müller ins Innere.

"Und unsere Nachbarn wiederum können nun sehen, was bei uns los ist", sagt Pastorin Andrea Solbrig. "Wir wollen eine offene Kirche sein." In der ökumenischen Zusammenarbeit mit Katholiken, Lutheranern und anderen Konfessionen sind das die Methodisten schon seit Jahrzehnten. Ihrer Umgebung gegenüber will die kleine freikirchliche Gemeinde das nun auch deutlich in der Gestaltung ihrer neuen Räume demonstrieren.

Hier, wo ihre Wurzeln liegen. Es ist die älteste der heute vier methodistischen Gemeinden in Dresden. Begonnen hat sie 1872 mit einer Stubenversammlung in Striesen, das damals noch Dorf war, wie Matthias Rothe erzählt, Laienvertreter in der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz, dem Parlament der Methodisten. Bald darauf erwarb sie ein Gebäude im Stadtzentrum, das aber bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstört wurde. Die neue methodistische Zionskirche mit Dachreiter und hohen, bunt verglasten Bogenfenstern ließ die Gemeinde nach Plänen des Architekten Karl August Alicke über den Kellern eines zerstörten Striesener Wohnhauses errichten.

Innen in der für Methodisten charakteristischen Schlichtheit. Weiße Wände, Empore mit kleiner Orgel, Bänke aus hellem Holz, vorn ein blankes, großes Holzkreuz, davor auf dem Altartisch das Wichtigste: die aufgeschlagene Bibel. "Das Wort steht bei uns im Mittelpunkt", erläutert Andrea Solbrig.

Vorn rechts gelangt man durch eine Tür zum Gemeinderaum. Ihn und den Kirchsaal - mehr habe man damals in den Fünfzigern nicht gebraucht, erzählt die Pastorin. "Es gab eine andere Vorstellung von Gemeindeleben." Die hat sich gründlich gewandelt. Die bis zu 20 Kinder treffen sich heute jeden Dienstag zum Kinderclub. Den Gottesdienst verlassen sie nach gemeinsamem Beginn, begeben sich in eigene Räume. Nur zwei viel zu kleine hatte die Gemeinde bislang dafür - für drei Gruppen: Mütter mit den Kleinsten, Vorschulkinder, Schulkinder.

Nun bietet ihnen der neue Anbau den benötigten zusätzlichen Platz. In einer Cafeteria mit Küchenzeile und jenem hellen Raum mit hohen Fenstern. Auf den Tischen liegen die Porträts, auf denen sich die Kinder letztens mit Pinsel und Farbe porträtiert haben.

Gunther Wohlgemuth, Bauverantwortlicher der Gemeinde, zeigt auf Farbfotos an der Wand, wie es bis zu den ersten Arbeiten auf dem Grundstück aussah: Toiletten im Keller, eine hässliche Garage mit holpriger Zufahrt, hohe Tannen dicht bei dicht. "Finster, abgeschottet."

Jetzt ist der Blick auf die Nachbarhäuser frei. Saftig grüner Rasen sprießt, darauf schwingt sich in einem Bogen ein Sitzmäuerchen aus alten Sandsteinquadern. Beim Ausschachten sind sie zum Vorschein gekommen, wie Wohlgemuth berichtet.

Seit 2009 haben sie in der Gemeinde über Pläne und Entwürfe diskutiert. "Am Ende hatten wir breite Zustimmung", sagt Matthias Rothe. "Das war entscheidend. Schließlich mussten wir bis auf ein kleines Darlehen unserer Kirche alles selbst finanzieren." Bei rund 190000 Euro liegen die Kosten. Aufzubringen von lediglich 230 Gemeindemitgliedern. Dafür haben sie Benefizkonzerte mit ihrem Bläserchor veranstaltet, bei Familienfeiern um Spenden anstelle von Geschenken gebeten, eifrig Altpapier gesammelt oder selbst gekochte Marmelade verkauft. Außerdem haben sie bei Arbeitseinsätzen mit zugepackt.

Den Abschluss der letzten Außenarbeiten nach rund anderthalb Jahren will die Gemeinde an diesem Sonntag nicht allein feiern. In die Briefkästen aller umliegenden Häuser haben die Mitglieder Einladungen zu einem "Tag der offenen Tür" verteilt. "Die Anwohner hatten Lärm, Dreck und große Baufahrzeuge zu ertragen", sagt Pastorin Solbrig.

Den Dank für deren Geduld will die Gemeinde damit verbinden sich vorzustellen. Das Programm reicht von einer Spielstraße für Kinder, wofür die Jacobistraße gesperrt wird, über Chorgesang und Orgelstücke bis zu Kammermusik. "Wie viele kommen, wissen wir nicht", sagt Andrea Solbrig. "Es ist ja das erste Mal. Aber es könnte ein neues Nachbarschaftsfest werden."

Tomas Gärtner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2013

Tomas Gärtner

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