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Messerscharfe Wegwerftücher

Stadtentwässerung Messerscharfe Wegwerftücher

Immer öfter fallen Pumpen im Kanalnetz der Stadtreinigung Dresden aus, weil reißfeste Haushaltspapiere die Anlagen verstopfen.

Abwasserexpertin Monika Hentze mit einem Container voller Sondermüll. Die gesammelten Kunststofffasern verrotten nicht.

Quelle: PR

Dresden. „Das Problem hat sich Schritt für Schritt aufgebaut“, sagt Norbert Strassburg, Meister im Bereich Pumpenbetrieb bei der Stadtentwässerung Dresden (SEDD). Etwa drei Mal pro Woche würden Pumpen im Kanalnetz der SEDD ausfallen, und in einem Fall sei dabei die Ursache eindeutig: „Reißfeste Haushaltspapiere haben die Pumpen verstopft.“

Das Problem sei nicht nur für Dresden typisch: „Das ist ein deutschlandweites Phänomen“, sagt Straßburg. Als vor Jahren gehäufte Ausfälle aus München gemeldet wurden, habe man in Dresden noch gelächelt: „Dort ist das Netz alt, haben wir gedacht. Da kann das passieren.“

Doch die reißfesten Sanitärpapiere sind auch in Dresden auf dem Vormarsch. „Einmalwaschlappen oder Babytücher setzen unseren Pumpen zu“, so der Meister. Die Kunststofffasern in den Papieren seien stabil und könnten von der Pumpe nicht zerrissen werden. „Im einfachsten Fall verstopft sie.“

In schwierigeren Fällen lagern sich die Fasern im Pumpenkörper ab, verhärten und bilden mit Sand und Kies messerscharfe Gebilde, die das Innenleben der Pumpen regelrecht zerschneiden. Eine Pumpe kostet laut Strassburg 7000 bis 10 000 Euro und muss meist nach der zweiten Reparatur ersetzt werden. „Eine dritte wird teurer als eine Neuanschaffung.“

Die Hersteller würden zwar verschiedenste Modelle anbieten. Gewachsen sei den reißfesten Tüchern im Abwasser aber bisher noch keine Pumpe. „Es gibt Schneidradpumpen, die die Fasern zerreißen sollen. Aber meist verharzen diese und der Schneideffekt ist vorüber“, erklärt der Pumpenexperte.

Über 87 Pumpenanlagen verfügt die SEDD in Dresden, hinzu kommen 50 im Umland, die das Unternehmen betreut. Die Förderkapazität reich von zwei bis drei Litern pro Sekunde bis zu 1200 Litern am Standort Hafenstraße. „Wenn das Problem überhand nimmt, werden wir die Kosten einkalkulieren müssen“, glaubt der Meister.

Zumal die reißfesten Haushaltspapiere, die in der Kläranlage ankommen, als Sondermüll entsorgt werden müssen. „Das Zeug ist nicht kompostierbar. Wir haben einen enormen Aufwand damit.“ Am besten wäre es, wenn die Dresdnerinnen und Dresdner ganz auf den Einsatz solcher Wegwerfprodukte verzichten würden. „Warum nicht den guten alten Waschlappen verwenden?“, fragt Strassburg. Wenn es schon Haushalts- und Sanitärpapiere sein müssten, dann sollten sie nach Benutzung in den Mülleimer fliegen und nicht ins Klo.

Das Material macht nicht nur den Pumpen zu schaffen, sondern auch den Kanälen. „Im Hochsommer werden die Kanäle wenig gespült, weil es selten regnet. Dann staut sich die Brühe, weil die Wegwerfmaterialien hart werden.“ Lässt sich die Bevölkerung disziplinieren? Da gibt sich Strassburg wenig Illusionen hin. „Wer im eigenen Haus wohnt und vielleicht sogar selbst eine Pumpe hat, achtet natürlich darauf. Aber in Mehrfamilienhäusern sieht niemand, welchen Schaden er anrichtet.“

Die SEDD habe eine kleine Möglichkeit, Pumpenausfällen etwas vorzubeugen. In Gebieten mit hoher Ausfallquote werde das Saugfahrzeug häufiger eingesetzt und ziehe mit einem großen Rohr die Fremdkörper aus dem Kanal, bevor sie in die Pumpe gelangen. „Aber auch das kostet Geld“, so Strassburg.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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